Feuerwehren haben Nachwuchssorgen

Jana Beckmann

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Maurice und Marilena. - © Jana Beckmann
Maurice und Marilena. (© Jana Beckmann)

Detmold. Viele Vereine plagen Nachwuchssorgen, auch die Freiwilligen Feuerwehren. Bedenkt man ihre Bedeutung für die Gesellschaft, ist dies prekär. Studierende der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung präsentieren Tipps zum Gegensteuern.

Bei ihrer Projektarbeit „Wenn es brennt und keiner kommt“ befassten sich Marilena Nolting und Maurice Lefarth mit dem demografischen Wandel und den Auswirkungen auf die Feuerwehren. Die Notwendigkeit, dass die Verantwortlichen in den Kommunen möglichst bald aktiv werden, zeigen sie an einem der untersuchten Beispiele auf: Während sich die Einsatzzahlen dort seit 1990 mehr als verdreifacht haben, gab es zwischen 2003 und 2013 einen stetigen Rückgang bei den Mitgliedern der aktiven und der Jugendfeuerwehr.

Wie lässt sich der Trend also umkehren? Um dies herauszufinden, machten die Studenten zunächst Befragungen an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Detmold und auf dem Detmolder Wochenmarkt. Ziel war es unter anderem herauszufinden, wie die Feuerwehr gesehen wird und ob die Befragten Interesse an einer solchen ehrenamtlichen Tätigkeit haben. Das Ergebnis war ernüchternd: Während immerhin 34 Prozent der auf dem Markt Befragten motiviert wären, bei der Feuerwehr mitzumachen, waren gerade einmal sechs von 200 Gesamtschülern in der Jugendfeuerwehr.

Bei einer weiteren Befragung bei den Feuerwehren in Extertal-Almena, wo Marilena Nolting selbst Mitglied ist, und Detmold kam jedoch heraus, dass viele Feuerwehrleute über die Jugendabteilung in die aktive Wehr gekommen sind. „Somit wäre es ein Ziel, hier anzusetzen“, empfiehlt Nolting.

Die Studenten schlagen dazu unter anderem Öffentlichkeitsarbeit vor, um ein positives Bild der Feuerwehr zu erzeugen. Dabei könnten ihrer Einschätzung nach gerade auch die Neuen Medien eine Chance sein, denn Facebook & Co. hätten eine große Reichweite. Bei der Jugendarbeit sei es zudem sinnvoll, neben dem Feuerwehrbereich auch einmal andere Freizeitaktionen anzubieten und Erfolgserlebnisse zu schaffen.

Um neue Mitglieder für die Jugendfeuerwehr zu gewinnen, könnte laut Marilena Nolting und Maurice Lefarth bereits bei kleineren Kindern angesetzt werden. In einer Kinderfeuerwehr könnten Spiele und auch allgemeine Jugendarbeit angeboten werden. Kindergeburtstage bei der Feuerwehr wären eine weitere Möglichkeit oder auch eine Feuerwehr-AG in der Schule – immer vorausgesetzt, es fänden sich auch Ehrenamtliche, die dies anbieten könnten.

Da sich bei der Projektarbeit zeigte, dass viele Jugendliche nicht in die aktive Wehr wechseln möchten, schlagen die Studenten eine Art „Hilfe für den Übergang“ vor. Jugendliche könnten bereits an den Dienstabenden teilnehmen, und auch Patenschaften könnten hilfreich sein.

Aber auch über den Bereich Jugendarbeit hinaus haben Nolting und Lefarth beim Blick auf Feuerwehren in der Region und darüber hinaus Ansatzpunkte gefunden. „Durch Integration ergibt sich zum Beispiel ein großes Potenzial“, erklärt Nolting. Aber auch die Inklusion von Menschen mit Behinderung könne in gewissen Maßen betrieben werden.

Weitere Stichworte sind: Doppelmitgliedschaften, über die Feuerwehrleute tagsüber auch an ihrem Arbeitsort an Einsätzen teilnehmen können, und auch Frauen in der Feuerwehr. Kinderbetreuung, wie sie in Porta Westfalica bereits geboten würde, könne ein Anreiz sein oder auch kostenlose Sportangebote, vergünstigte ÖPNV-Tickets und Kinogutscheine.

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