Dr. Stefan Ostrau wirbt für das Entwicklungskonzept

Astrid Sewing

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Dr. Stefan Ostrau vor Lippischen Motiven
Dr. Stefan Ostrau vor Lippischen Motiven

Kreis Lippe. Der Kreis startet eine große Offensive. Im Kern geht es darum, wie sich das Leben der Lipper verändern wird, wenn es mehr Ältere und weniger Jüngere gibt. In Zusammenarbeit mit Kommunen, Wirtschaft und Bürgern soll ein Konzept erarbeitet werden.

Dass die Lipper immer älter werden, weniger Jugendliche in Lippe leben möchten, das ist doch schon lange bekannt. Warum braucht der Kreis Lippe auf einmal ein Konzept?

Dr. Stefan Ostrau: Für ländliche Regionen wird es zunehmend schwieriger, die Versorgung aufrecht zu erhalten. Denken Sie an Schulen oder die medizinische Versorgung, den Bevölkerungsschutz oder auch an die Verkehrsinfrastruktur. Hinzu kommen Projekte, die interkommunal angelegt sind, wie der Breitbandausbau oder die Windkraft, Maßnahmen zur Beseitigung der Gebäudeleerstände oder des Umwelt- und Flächenschutzes. Wenn wir Fördermittel bekommen wollen, dann müssen wir ein integriertes Konzept vorlegen, also eines, das über die kommunalen Grenzen hinweg Wirkung zeigt.

Ist das eine Konkurrenz zu den Leader-Projekten, die es schon gibt?

Ostrau: Nein, denn das sind Maßnahmen, die in den einzelnen Kommunen umgesetzt werden, zum Beispiel der Bau von Dorfgemeinschaftsplätzen oder Mehrgenerationen-Treffpunkte. Wir verfolgen mit unserem integrierten Entwicklungskonzept für den ländlichen Raum einen etwas anderen Ansatz. Es soll Grundlage für Zuwendungen aus diversen Fördertöpfen sein, zum Beispiel EFRE-Wirtschaft, ESF-Sozialfonds, ELER-Landwirtschaft oder Horizon-2020.

Nicht alle Kommunen haben schlechte Prognosen, was die Bevölkerungszahl angeht. Leopoldshöhe und Augustdorf stechen heraus. Dort wird ein Zuwachs prognostiziert. Was macht den Unterschied zu den anderen aus?

Ostrau: Leopoldshöhe liegt verkehrstechnisch sehr günstig an der Autobahn und profitiert von der Nähe zum Oberzen-
trum Bielefeld. Augustdorf hatte Zuzüge aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion in den 90ern und damit eine relativ junge Bevölkerung mit vielen Kindern

Was wollen Sie tun, um die Kommunen alle unter einen Hut zu bekommen?

Ostrau: Vom demographischen Wandel werden alle betroffen sein, und wir wollen eine Klammer setzen, verschiedene Lösungen erarbeiten und die Kommunen dabei mitnehmen. Sehen Sie sich die Diskussion über die Windkraft an oder auch die Diskussion über die Stromtrasse und Tennet – die Beispiele zeigen deutlich, dass es viel besser ist, geschlossen aufzutreten. Nur gemeinsam sind wir stark.

Was passiert nach der Podiumsdiskussion am Montag?

Ostrau: Wir richten eine Internetplattform ein und sammeln auch Vorschläge der Bürger, denn einiges wird sich nur umsetzen lassen, wenn diese mitmachen. Unsere Experten in den Fachbereichen beurteilen die Ideen, und dann werden sie in die Fachausschüsse und die Politik gegeben.

Sie setzen auf ehrenamtliches Engagement, aber das ist jetzt schon für viele Vereine schwierig, Freiwillige zu finden. Glauben Sie, dass Projekte langfristig laufen können und sich Jüngere finden, die sie fortführen?

Ostrau: Ich denke, das hängt von der Sache ab. Nehmen Sie das Wanderkompetenzzentrum, für das wir gerade eine Bewilligung über 3,5 Millionen Euro bekommen haben. Damit verbunden ist der weitere Ausbau und die Unterhaltung des Wandernetzes. Die Vereine haben bereits erhebliches Interesse an der Mitarbeit signalisiert und auch schon Vorschläge unterbreitet.

Also wird mit dem Konzept alles gut?

Ostrau: Das ist kein Allheilmittel, und es wird auch um die Wirtschaftlichkeit gehen, ob man sich wirklich noch alles leisten kann, in jedem Ortsteil zum Beispiel in Zukunft ein Bus regelmäßig fährt. Aber darum geht es ja: Wir wollen ein möglichst breites Meinungsbild und daraus Ideen entwickeln. Im nächsten Sommer wollen wir dann das Konzept vorlegen und schauen, welche Fördermittel wir bekommen können. Klar ist, dass das nur funktioniert, wenn wir integrierte, gemeindeübergreifende Projekte haben.

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