Überlebende sagen vor Gericht aus

Silke Buhrmester

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Überlebende Irene Weiss mit Tochter Lesley sowie die Zeitzeugen Max Eisen und William Glied, letzter kam

mit seiner Frau Marika. - © Bernhard Preuss
Überlebende Irene Weiss mit Tochter Lesley sowie die Zeitzeugen Max Eisen und William Glied, letzter kam mit seiner Frau Marika. (© Bernhard Preuss)

Detmold. Der dritte Verhandlungstag im Prozess gegen den früheren SS-Wachmann Reinhold Hanning hat mit einer viertelstündigen Verspätung im Gebäude der Industrie- und Handelskammer in Detmold begonnen. Dem 94-Jährigen ging es augenscheinlich gesundheitlich sehr schlecht. Das Gericht musste zunächst einen Rollstuhl organisieren für den Lagenser, der wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen im KZ Auschwitz seit dem 11. Februar vor Gericht steht. Er zitterte stark und konnte sich kaum im Rollstuhl halten.

Am dritten Prozesstag waren drei Zeugen geladen - allesamt Auschwitz-Überlebende, die als Jugendliche während der so genannten Ungarn-Aktion, welche die Vernichtung aller Juden des Landes zum Ziel hatte, im Frühjahr 1944 ins Konzentrationslager kamen. Jedoch kamen mit Max Eisen und Irene Weiss nur zwei Zeugen dazu, ihre Aussagen vor Gericht zu tätigen. Max Eisen, der heute 86 Jahre alt ist und in Toronto lebt, berichtete von den Gräueltaten, die er als 15-Jähriger in Auschwitz erlebt hatte. Seine ganze Familie wurde im KZ ermordet. Den Reinhold Hanning erkannte er nicht - weder auf dem Bild, das den Angeklagten in SS-Uniform 1943 zeigt, noch namentlich. "Aber ich war Zeuge der Grausamkeit der SS-Wachmänner, die das Lager kontrollierten. Jeder von ihnen war ein Rädchen in einer gut geölten Maschine der Zerstörung" sagte Max Eisen.

Der frühere Auschwitz-Wachmann Reinhold Hanning wird in einem Rollstuhl zu seinem Platz geschoben. Dem 94-Jährigen wird Beihilfe zum Mord in mindestens 170 000 Fällen vorgeworfen. - © dpa
Der frühere Auschwitz-Wachmann Reinhold Hanning wird in einem Rollstuhl zu seinem Platz geschoben. Dem 94-Jährigen wird Beihilfe zum Mord in mindestens 170 000 Fällen vorgeworfen. (© dpa)

Die heute 85-jährige Irene Weiss, Lehrerin aus Virginia, musste als 13-Jährige im "Kanada"-Lager Kleidung und andere Gegenstände von Häftlingen und Ermordeten sortieren. Dabei fielen ihr auch das Kleid und der Schal ihrer Mutter in die Hände.

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Noch im Lager erfuhr sie, dass ihr Vater einem Sonderkommando zugeordnet war, das Leichen aus den Gaskammern ziehen musste, und bald nach seiner Ankunft in Auschwitz erschossen wurde. Neben Irene Weiss überlebte nur ihre drei Jahre ältere Schwester Serena den Holocaust.

Der Prozess war nach zwei Stunden beendet. Nach einem ärztlichen Gutachten ist der Angeklagte nicht länger verhandlungsfähig. Am Freitag (19. Februar) wird die Zeugenvernehmung von Irene Weiss fortgesetzt.

Fotostrecke: Gericht hört im Detmolder Auschwitz-Prozess weitere Zeugen
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