Gericht weitet Tatvorwurf gegen Hanning aus

Silke Buhrmester

  • 0
Der Ermittler des LKA, Stefan Willms, bereitet am 25.04.2016 im Verhandlungssaal in Detmold seinen Computer mit einem 3D-Modell des Konzentrationslagers Auschwitz für seine Aussage vor. - © dpa
Der Ermittler des LKA, Stefan Willms, bereitet am 25.04.2016 im Verhandlungssaal in Detmold seinen Computer mit einem 3D-Modell des Konzentrationslagers Auschwitz für seine Aussage vor. (© dpa)

Detmold. Im Detmolder Auschwitz-Prozess hat das Landgericht die Tatvorwürfe gegen den ehemaligen SS-Wachmann Reinhold Hanning am Montag, 25. April, erweitert. Gegen den 94-Jährigen wird jetzt wegen Beihilfe zu allen Morden in dem Vernichtungslager zwischen Januar 1943 und Juni 1944 verhandelt. Ursprünglich war Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen angeklagt.

Oberstaatsanwalt Andreas Brendel hatte sich in seiner Anklage zunächst überwiegend auf die Ermordung ungarischer Juden, die im Mai 1944 in Auschwitz begonnen hatte, beschränkt. Zu jener Zeit waren Deportationszüge mit bis zu 15.000 Juden täglich in Auschwitz angekommen, der überwiegende Teil der Menschen wurde sofort nach der Ankunft in den Krematorien von Auschwitz-Birkenau vergast.

Eine regelmäßige Beteiligung an den Wachdiensten während der Ungarn-Aktion, durch die dritte Kompanie des SS-Totenkopfsturmbanns, zu der Reinhold Hanning gehörte, hatte der Historiker Stefan Hördler während des zehnten Prozesstages am vergangenen Freitag, 22. April, jedoch verneint. Der Sachverständige konnte allerdings Wachdienste von Hannings Einheit im Jahre 1943 historisch nachweisen.

Beteiligt war die 3. Kompanie zudem an Massenerschießungen an der „Schwarzen Wand", wie die Ermittler des Landeskriminalamtes, Alf Cüsters und Stefan Willms, am elften Prozesstag belegten. Mit einem dreidimensionalen Modell erläuterte Willms die Lage der „Schwarzen Wand" im Innenhof zwischen Block 11 und Block 10 im Stammlager Auschwitz, welches knapp zwei Kilometer vom Lager Auschwitz-Birkenau entfernt liegt. Hanning und seine Kameraden waren etwa ab Herbst 1943 im Stammlager stationiert.

Der Innenhof, in dem die Ermordungen stattfanden, war nur von weniger Stellen einsehbar. Dennoch gab es Zeugen: Vor allem die Auswertung von mehr als 700 Vernehmungen, die zumeist im Zuge des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses in den 60er Jahren geführt wurden, belegen den Massenmord an der „Schwarzen Wand". Eine Massenerschießung von polnischen Offizieren ist den Ermittlern dabei besonders ins Auge gefallen: Sie fand am 11. Oktober 1943, möglicherweise mit Beteiligung Hannings. Denn es war seine Kompanie, die laut LKA-Ermittlung in der Woche vom 10. bis 17. Oktober 1943 Bereitschaftsdienst hatte.

Video auf YouTube

Empfohlener redaktioneller Inhalt


Wir bieten an dieser Stelle weitere externe Informationen zu dem Artikel an. Mit einem Klick können Sie sich diese anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

Externe Inhalte

Wenn Sie sich externe Inhalte anzeigen lassen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Weitere Hinweise dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Zum Herunterladen
  1. Erklärung der Nebenklägervertreter

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2021
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare