Eklat am 14. Tag des Auschwitz-Prozesses

Nebenkläger-Vertreter stellt Befangenheitsantrag gegen das Gericht

Silke Buhrmester

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Einer der Anwälte der Nebenklage, Christoph Rückel nach dem Ende des Prozesstages. - © dpa
Einer der Anwälte der Nebenklage, Christoph Rückel nach dem Ende des Prozesstages. (© dpa)

Detmold. Der 14. Tag im Auschwitz-Prozess gegen den ehemaligen SS-Wachmann Reinhold Hanning aus Lage ist am Freitag, 13. Mai, mit einem Eklat zuende gegangen: Dr. Christoph Rückel, Vertreter der Nebenklage, stellte einen Befangenheitsantrag gegen die drei Berufsrichterinnen. Vorausgegangen war die Entscheidung des Gerichts unter Vorsitz von Anke Grudda, einen weiteren Zeitzeugen aus den USA, nicht zu hören.

Völlig überraschend hatte einer der Anwälte der Nebenklage, Markus Goldbach, den 88-jährigen Joshua Kaufman aus den USA im Gerichtssaal präsentiert. Goldbach stellte den Beweisantrag, Kaufman in den Zeugenstand zu rufen, um mehr über den Zustand der Leichen zu sagen. Als Verstärkung des Sonderkommandos sei ihr Vater mindestens einmal dabei gewesen, als die mit Zyklon B getöteten Menschen aus den Gaskammern gezogen und verbrannt wurden, erklärte seine Tochter Alexandra (35) am Rande des Prozesses gegenüber der LZ.

Goldbach bat das Gericht inständig, Kaufman als einen der letzten Zeitzeugen zu hören - auch aus Respekt vor den Opfern. Zudem sei auch genügend Zeit, da die Verteidigung eine ursprünglich für diesen Prozesstag vorgesehene weitere Befragung ihres Mandanten abgelehnt hatte.

Sein Anliegen unterstützten Rechtsanwalt Rückel und weitere Nebenkläger-Vertreter. Nach einer dreiviertelstündigen Beratung lehnte das Gericht den Antrag jedoch ab, Kaufman wurde nicht in den Zeugenstand gerufen. "Unsere Entscheidung hat nichts zu tun mit mangelndem Respekt vor den Opfern", betonte Richterin Grudda in der Begründung. Zwar handele es sich bei dem Auschwitz-Verfahren um ein besonderes, jedoch müsse man sich auch hier an die Strafprozessordnung halten. Dass die Opfer in den Gaskammern durch den Einsatz von Zyklon B größte Qualen erlitten hätten, sei allgemein bekannt und historisch erwiesen. Deshalb sei eine weitere Zeugenvernehmung zu dem Punkt nicht erforderlich, erläuterte Grudda.

Damit wollte sich Dr. Rückel nicht zufrieden geben, der einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht stellte. Zwei weitere Nebenklägervertreter schlossen sich dem an, drei andere - darunter Rechtsanwalt Thomas Walther, der mit insgesamt 26 Mandanten den größten Teil der Nebenkläger vertritt - lehnten den Antrag ab: "Das Gericht bemüht sich um ein zügiges Verfahren. Ich kann den Befangenheitsantrag nicht nachvollziehen", bescheinigte er den Richterinnen gute Arbeit. Als "völlig abwegig" bezeichnete Oberstaatsanwalt Ralf Vetter den Befangenheitsantrag. Offenbar gehe es einigen Nebenkläger-Vertretern nicht darum, das Verfahren zu fördern.

Zuvor hatte Rechtsanwalt Walther eine Erklärung seiner 26 Nebenkläger zu der Einlassung Hannings vom 13. Prozesstag abgegeben. Darin wird deutlich Kritik daran geübt, dass Hanning zu seiner eigentlichen Tätigkeit in Auschwitz und Tatbeteiligung nichts habe anklingen lassen. Hanning habe in der Erklärung wie ein distanzierter Besucher gewirkt, der durch das Lager spaziere: "Sie haben eine Chance vertan. Eine weitere wird sich Ihnen in Ihrem letzten Wort eröffnen", sagte Walther.

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