Entscheidung über Befangenheitsantrag fällt am Freitag

Entscheidung über die Eingabe des Nebenklägervertreters wird am nächsten Prozesstag bekanntgegeben

Dirk-Ulrich Brüggemann

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Befangen? Der Antrag eines Nebenklägeranwalts richtet sich unter anderem gegen die Vorsitzende Richterin Anke Grudda (vorn) und ihre Kollegin Sylvia Suermann. - © Bernhard Preuß
Befangen? Der Antrag eines Nebenklägeranwalts richtet sich unter anderem gegen die Vorsitzende Richterin Anke Grudda (vorn) und ihre Kollegin Sylvia Suermann. (© Bernhard Preuß)

Detmold. Nach dem Befangenheitsantrag des Münchener Rechtsanwalts Christoph Rückel gegen die Richterinnen wird der Detmolder Auschwitz-Prozess am Freitag fortgesetzt. Die Entscheidung zu dem Antrag werde in der Verhandlung bekanntgegeben, sagte eine Gerichtssprecherin am Donnerstagmorgen.

Vor der Schwurgerichtskammer muss sich der 94-jährige Reinhold Hanning aus Lage wegen der Beihilfe zum Mord an mindestens 170.000 Menschen im Konzentrationslager Auschwitz verantworten.

Rückel, der die Nebenkläger Elizabeth Lefkovits, Helen Weingarten und Murray Lynn vertritt, stellte am 13. Mai den Antrag gegen die drei Berufsrichterinnen Anke Grudda, Sabine Tegethoff-Drabe und Sylvia Suermann. Die Begründung: Die Kammer wolle das Geschehen im Vernichtungslager Auschwitz nicht hinreichend aufklären. Zuvor machte der Anwalt der Nebenklägerin Eva Kor, Markus Goldbach, den Berufsrichtern schwere Vorwürfe, weil das Gericht den aus den USA angereisten Auschwitz-Überlebenden Joshua Kaufman (88) nicht als Zeugen vernehmen wollte.

Ausdrückliches Lob für die bisherige Detmolder Verhandlungsführung kommt vom Exekutiv-Vizepräsidenten des Internationalen Auschwitz-Komitees in Berlin, Christoph Heubner: „Bei dem Auschwitz-Prozess in Detmold ist ein offensichtlich engagiertes Gericht bemüht, das Verfahren zu einem dem Rechtsstaat würdigen Ergebnis zu führen."

Gleichzeitig kritisierte Heubner das Verhalten des Gerichts in Neubrandenburg, vor dem sich der ehemalige SS-Sanitäter Hubert Zafke verantworten soll. Dieser Prozess ist auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, weil ein medizinisches Gutachten über den Gesundheitszustand des 95-Jährigen noch nicht vorliegt.

„Die Organisation des Auschwitz-Verfahrens in Neubrandenburg und die Haltung des zuständigen Gerichts wachsen sich langsam zu einem Justizskandal aus", bemängelt Heubner. „Zwischen schlampiger Ignoranz und völligem Desinteresse dümpelt das Gericht hin und her und wird weder der Thematik des Prozesses noch den beteiligten Personen ansatzweise gerecht."

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