Nebenkläger Walther spricht über die zwei Gesichter des Reinhold Hanning

Silke Buhrmester

Nebenkläger Thomas Walther beim Interview nach dem Prozess. - © Bernhard Preuß
Nebenkläger Thomas Walther beim Interview nach dem Prozess. (© Bernhard Preuß)

Detmold. Der Kempener Anwalt Thomas Walther, Vertreter der meisten Nebenkläger im Detmolder Auschwitz-Verfahren gegen den ehemaligen SS-Wachmann Reinhold Hanning, hat am Freitag, 27. Mai, kein konkretes Strafmaß für den Angeklagten gefordert.

In seinem 17 Seiten umfassenden Plädoyer machte Walther jedoch deutlich, dass er die Aussagen des 94-Jährigen zu seiner Zeit bei der SS und im Konzentrationslager Auschwitz, die er während des 13. Prozesstages gemacht habe, nicht glaube: „Das passt alles nicht." Er ermunterte Hanning, sein „letztes Wort", das jedem Angeklagten nach den Plädoyers seiner Verteidigung zusteht, zu nutzen, um seine „tatsächliche innere und äußere Beteiligung an den Verbrechen zu schildern".

Er schilderte die "zwei Gesichter" des Angeklagten während der mehrmonatigen Hauptverhandlung: Wenn die Zeitzeugen aussagten, habe er nur nach unten geblickt und keinen Blickkontakt aufgenommen. Das sei für die Holocaust-Überlebenden, deren Erniedrigung im KZ sich unter anderem darin dokumentierte, dass sie keinem SS-Mann ins Gesicht blicken durften, eine erneute Missachtung gewesen. Als aber der Ermittler des Landeskriminalamtes, Stefan Willms, zur Karriere Hannings aussagte, sei er hochinteressiert gewesen und habe den an die Wand projezierten Dokumenten mit wachem Blick gefolgt.

Walther schenkte auch der Reue des Angeklagten bei seiner Erklärung am 13. Prozesstag keinen Glauben. Diese Reue hatte Oberstaatsanwalt Andreas Brendel während des 15. Prozesstages am 20. Mai strafmildernd bewertet. Brendel hatte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren für den Angeklagten aus Lage beantragt. Dieser steht wegen Beihilfe zum Mord in hunderttausenden Fällen im KZ Auschwitz seit Februar 2016 vor dem Detmolder Landgericht.

Das vollständige Plädoyer von Thomas Walther zum Nachlesen finden Sie hier:

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  1. Plädoyer von Nebenkläger Thomas Walther

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