Christoph Heubner bezeichnet Verteidiger-Plädoyers als „absurd“

Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees übt Kritik: „Antrag auf Freispruch ist makaber“

Silke Buhrmester

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Übt Kritik an den Plädoyers der Verteidiger: Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Prozesses, Christoph Heubner. - © dpa
Übt Kritik an den Plädoyers der Verteidiger: Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Prozesses, Christoph Heubner. (© dpa)

Detmold. Der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, hat den Antrag der Verteidiger im Detmolder NS-Prozess, ihren Mandanten Reinhold Hanning (94) frei zu sprechen, als „absurd" bezeichnet.

„Reinhold Hanning ist wegen Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen angeklagt worden. Er war in der Befehlskette von Auschwitz aktiv an den Lagerabläufen der Tötungsmaschinerie beteiligt", betonte Heubner. Der von den Verteidigern Johannes Salmen und Andreas Scharmer am Samstag beantragte Freispruch entwerte den Prozess zu einer Farce und wirke auf die Überlebenden von Auschwitz empörend und makaber, sagte Heubner weiter.

„Die Erklärungsmuster der Verteidigung, Hanning sei als Opfer seiner Obrigkeitshörigkeit hilflos auf das verbrecherische NS-System eingeschworen gewesen, wirken wie eine allzu billige Phrase und wie ein nachträglicher riesiger Persilschein, der neben den Mittätern auch noch die Mitläufer entschuldet", kommentierte Heubner die Schlussplädoyers. Hanning sei in Auschwitz „Herr über Leben und Tod der Häftlinge" und ein Teil des alltäglichen und überall präsenten Grauens gewesen, dem jüdische Familien und andere Häftlinge ausgeliefert waren.

Von Auschwitz-Überlebenden in vielen Ländern wird der für Freitag (14 Uhr, Landgericht Detmold) angekündigte Urteilsspruch mit großer Spannung erwartet. „Es wäre fatal, wenn der sehr wahrscheinlich letzte Prozess gegen einen noch lebenden Täter mit einem Freispruch enden würde" , sagte Heubner abschließend.

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