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Die perfekten Fotos vom perfekten Tag

Die Sonne scheint, das Hochzeitspaar schaut sich verliebt an, im Hintergrund läuft Ed Sheerans Song „Perfect." Die Ringe werden angesteckt. Gerade beendet die Traurednerin ihre Rede: „Sie dürfen die Braut jetzt küssen." Eine perfekte Hochzeit? Fast. Denn eigentlich heiratet hier niemand. Die Inszenierung ist Teil eines brandneuen Auftrags für Hochzeitsfotografin Jennifer Anna-Carina Werner alias Jac. Die Detmolderin soll die perfekten Hochzeitsfotos für ein Brautmodengeschäft liefern.

Für Jac ist kein Tag wie der andere. Denn zu ihren Aufgaben gehört nicht nur das Fotografieren von Hochzeiten. „Das Inspirationsshooting ist bis jetzt mein größtes Projekt", sagt sie. Mit dem Brautmodengeschäft ist sie eine Kooperation eingegangen. Das Ziel: Eine gesamte Hochzeit möglichst originalgetreu nachstellen. Eine große Aufgabe! Damit es perfekt wird, muss viel organisiert werden – fast, wie bei einer richtigen Hochzeit. Das geht bei der passenden Location los und endet beim Brautstrauß. Schmuck, Blumen und Kleider werden von lokalen Geschäften gestellt. „Das ist eine Win-Win-Situation", erklärt Jac. „Ich bekomme alles, was ich für meine Arbeit brauche, und die Geschäfte dürfen im Gegenzug meine Fotos für ihre Werbung nutzen."

Fotostrecke: Eindrücke aus dem Berufsalltag von Jac

29 Jahre jung, dunkelblonde Haare und immer mit einem Lächeln auf den Lippen: Das ist Jac. Ihre Leidenschaft zur Fotografie hat sie bereits vor acht Jahren entdeckt. Nach mehreren Praktika stand für sie fest: „Ich möchte Fotografin werden." In einem kleinen Betrieb zu arbeiten, war jedoch nicht das, was sie wollte. Also hat Jac 2015 ihr eigenes Gewerbe angemeldet – und ist damit erfolgreich.

Die heutige Location: Ein uriger Hof im Fachwerkstil. Lila und gelbe Blumen schmücken den Eingang. Der Saal: groß, hell und einladend. Zwei Dekorateurinnen kümmern sich um das weitere Ambiente. Verzierte Namensschildchen werden auf die Teller der Tafel gelegt. Blumen werden kunstvoll zusammengesteckt. „Jac und das Brautpaar sind oben", sagt eine Helferin. Es geht eine alte Holztreppe hinauf. Oben ist es brütend heiß. Es ist schon jetzt mehr als 30 Grad warm – auch im Gebäude. Eine echte Herausforderung für alle Beteiligten.

Die Braut wird gerade von der Visagistin geschminkt. Alle paar Minuten kommt der Bräutigam herein - jedes Mal in einer anderen Hose: „Lieber eine enge oder eine weitere Hose?", fragt er. „Die Chinohose mit den Stoffschuhen", meint Jac. „Vom Style her darf es ruhig etwas lockerer sein." Auf dem Holztisch liegen verschiedene Blazer, Hemden und Hosen. Organisiert von Jac. Auch das gehört zu ihren Aufgaben. „Es stehen noch drei Hemden zur Auswahl. Probier das mal dazu an." Jac läuft hin und her. Nach mehrmaligem Umziehen ist sie zufrieden: Es bleibt bei der grauen Chinohose. Die Schuhe hingegen werden ausgetauscht. Durch schickere schwarze. Dazu soll der Bräutigam ein weißes Hemd, Hosenträger und eine Fliege tragen. Auf einen Blazer wird verzichtet – es ist ohnehin zu heiß.

Wie Paare und Locations gefunden werden? Über Social Media. Dort ist Jac als "jacphotography" aktiv. Fotos, Videos, Motivationssprüche: 3.000 Facebook-Fans und 4.200 Instagram-Follower folgen ihr. Über Social Media kommt sie schnell an interessante Orte. Und an interessante Menschen: „Egal, mit wem man zusammenarbeitet – es wird alles verlinkt. So entsteht schnell ein großes Netzwerk", sagt Jac. Sie postet Stories. Jeden Tag. Aber Fotografen gibt es viele. „Ich denke, man wird vor allem wegen der eigenen Persönlichkeit gebucht", sagt Jac. „Deswegen versuche ich, mich immer so zu zeigen, wie ich wirklich bin." Jac spricht ihre Follower direkt an. So schreibt sie auf ihrer Facebookseite: „Wie ich dir vor ein paar Tagen gezeigt habe, habe ich ein super schönes Sonnenblumenfeld gefunden." Dazu gibt es ein passendes Bild. Neue Shootingideen. Neue Shootingorte. Neue Inspirationen. Mit ihren Posts teilt Jac ihre Freude an der Fotografie.

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Es geht wieder nach unten. Der Saal wird fertig dekoriert. Bis ins kleinste Detail. Die Limobar, die Popcorn- und die Donutecke, die Torte, – alles muss stimmen. Aber jetzt gibt es erst einmal Getränke für die Helfer: „Wir arbeiten alle Hand in Hand", sagt Jac. Das sei das Tolle an dem Job. Man lerne die unterschiedlichsten Menschen kennen. „Wir stecken hier unser ganzes Herzblut rein. Es ist einfach schön, wenn man dann am Ende sieht, was man zusammen auf die Beine gestellt hat." Zwischen 2 und 14 Stunden kann so ein Shooting dauern. Je nach Wunsch. Und was gefällt Jac sonst noch an der Hochzeitsfotografie? Ganz klar: „Man kommt schon sehr viel rum." Die Shootings können gleich um die Ecke innerhalb von Lippe stattfinden. Sie sei aber auch schon im Ausland unterwegs gewesen. „Ich erinnere mich an ein echt cooles Shooting auf Mallorca. Das ist dann schon etwas Besonderes", erzählt Jac.

Dann ist es so weit: Das Shooting geht los. Jac hängt sich zwei Kameras um: „Das sieht ein bisschen aus, wie ein Pferdegeschirr", sagt sie lachend. Die Location wird noch einmal genau unter die Lupe genommen. Wo sind die Lichtverhältnisse gerade am besten? Wo sieht das Kleid am schönsten aus? Wo kann das erste Foto geschossen werden?

Gestartet wird beim „Getting Ready." Zuerst einmal werden die Kleidungsstücke alleine fotografiert. Die Schuhe werden ins richtige Licht gerückt, die Ringe daraufgelegt. Fliege, Parfüm und die Ansteckblume für den Bräutigam werden richtig positioniert. „Oh nein, die Sonne kommt durch die Wolken!", ruft Jac. Neue Schattierungen? Denkbar ungünstig. Und nun? Alles von vorne.

Die letzten Pinselstriche für das Make-Up der Braut, das Anziehen des Kleides, das Anstecken der Ohrringe – alles wird fotografisch festgehalten. Und in welcher Umgebung soll die Braut in Szene gesetzt werden? Auf einem Ledersessel? – Nein. „Da hinten steht eine weiße Bank. Die wäre doch perfekt", sagt Jac.

Um 20.30 Uhr ist das Shooting vorbei. Jac war den gesamten Tag auf den Beinen. Alle Beteiligten sind müde, aber zufrieden. Jetzt müssen die Bilder bearbeitet werden. Die negativen Seiten des Berufes? Es sei schon oft ziemlich stressig. „Man ist eben selbst und ständig", sagt Jac. Die positiven Seiten würden aber überwiegen. Eindeutig. Wieso sie gerade Hochzeiten fotografieren möchte? „Es ist toll, beim schönsten Tag im Leben anderer Menschen dabei zu sein. Ihnen dann hinterher so wertvolle Erinnerungen übergeben zu können, macht einen auch selbst glücklich." Denn Fotos sind etwas, das bleibt – für die Ewigkeit.

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