Hornoldendorf - Ein Bauerndorf mit dreitausendjähriger Geschichte

Sabine Hergemöller

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Hornoldendorf Panorama (© Privat)

Eine Schmucknadel und eine Hammeraxt, gefunden in einem Steingrab im Schneiderbusch, weisen darauf hin, dass es in Hornoldendorf schon zur Bronzezeit eine der frühesten Besiedelungen in der Umgebung gab.

In der Zeit Karls des Großen, im 9. Jahrhundert, gelangte „Adlanthorpes", so der alte Name Hornoldendorf bis ins 11. Jahrhundert, durch eine Schenkung an das Kloster Corvey.
Als die Edelherren zur Lippe ihren Sitz aus Lippstadt auf die neu erbaute Falkenburg verlegten, boten sie den dortigen Bauern Schutz an, die ihrerseits dafür auf ihre persönliche Freiheit verzichten und als Untertanen Frondienste leisten mussten.

Sie rodeten Waldflächen, legten von Bäumen umfriedete Felder und Äcker an, um ihren Verplichtungen nachkommen zu können und ihre eigene Versorgung sicherzustellen. Diese „Kämpen" finden sich noch heute oft begrifflich in der Hornoldendorfer Feldflur.

Erste Aufzeichnungen des Amtes Falkenburg über die Einwohnerschaft gibt es ab 1390, das Landschaftsregister. Damals hießen die Hornoldendorfer zum Beispiel Kloppingh oder Ludeke, Namen, die sich noch heute im Dorf als Klöpper und Lükermann wiederfinden.

Als in der Zeit zwischen 1405 und 1407 Truppen des Braunschweiger Herzogs während der Evertsteinschen Fehde das Gebiet besetzen, zerstörten sie sämtliche Gebäude des Haufendorfes und Aufzeichnungen zufolge auch eine Kapelle, deren tatsächliche Existenz sich bei Grabungen bisher jedoch nicht bestätigen ließ.
1535 tauchten erstmals die Namen Steinhus, Hameier, Beens und Möllenbrok auf.

Bis in die heutige Zeit hinein finden sich diese Namen als Steins, Hagemeister, Möllenbrock und Beins als kontinuierliche Hofeigentümer oder Hornoldendorfer Bürger wieder. Außerdem gibt es heute noch mehr „Beins" im Dorf: Klöpperbeins, Schneiderbeins, Schwammbeins (Schweinebeins) und Bauerbeins zum Beispiel.

Von 1535 bis 1618 sind im Landschaftsregister auch die Zahlungen zugunsten des Lippischen Grafenhauses verzeichnet. Heiratete eine Tochter eines Bauern, kam die von ihm zu zahlende „Fräuleinsteuer" der Landesherrin für ihren persönlichen Verbrauch zugute. Mit der sogenannten „Türkensteuer" der Bauern finanzierte das damals ständig wirtschaftlich klamme Grafenhaus den Kampf Kaiser Friedrichs des III. gegen die „ungläubigen Türken" mit. Zudem waren die Bauern genötigt, ihren „Zehnten" an die Grafen zu leisten, Weinsteuer bei Heirat und Sterbegeld. Außerdem waren sie den Herren zu Dienstleistungen verpflichtet.

Nicht selten kam es hierdurch dazu, dass Bauern „abmeierten", sprich: zahlungsunfähig wurden und sie die Höfe an den jeweiligen Edelherren abgeben mussten. Hinzu kamen als Erschwernis für das Landvolk, dass die durchziehenden Truppen des Dreißgjährigen Krieges Vieh und Vorräte beschlagnahmten oder raubten, um sich selbst zu versorgen. Diese Belastung zog sich über Jahrzehnte hin.

Unter Graf Simon VI, Anfang des 17. Jahrhunderts, blieb diesen Menschen, wenn sie ihre Abgaben nicht mehr zahlen konnten, wenigstens ein Wohnrecht und etwas Land, um ihren Lebensunterhalt einigermaßen zu sichern. Insgesamt 9 Höfe fügte er auf diese Weise zum Gut zusammen.

Allerdings war dieser 1614 aufgrund eigener Schulden von etwa 700.000 Talern gezwungen, seinem Hofmeister Adam von Hammerstein, das durch diese Zusammenlegung der abgemeierten Höfe entstandene Gut zu übertragen, einschließlich der Dienstrechte. Denn auch bei ihm hatte er 12.000 Taler geliehen. Damit begann nicht nur für die Hornoldendorfer eine schlimme Zeit.

Gemeinsam mit den Bauern aus Schönemark, Fromhausen, Holzhausen und Berlebeck waren sie gezwungen, zusätzlich zu ihrem normalen Tagwerk 1-2 Tage pro Woche Frondienste zu leisten, die im Sommer 12 Stunden lang dauerten.

Von Hammerstein galt als herrisch und übergriffig. Es gab mehrere Klagen seitens der Bauern, weil er Grenz- und Huderechte (Hüterechte, das Recht zur Tierhaltung) verletzte. Den Menschen blieb nur das, was gerade den Lebenserhalt sicherte. Alles darüber hinaus ging an den Gutsherrn.

Von ihm gibt es die Sage, dass sein Geist noch heute nächtens zwischen der tausendjährigen Eiche an der Gutsmauer und der Heiligenkirchener Mühle hin und her reiten muss, um für die Opferung seiner eigenen Tochter zu büßen.

Auf den Fundamenten einer ehemaligen Wasserburg wurde im späten 18. Oder 19. Jahrhundert ein zweigeschossiges klassizistisches Herrenhaus errichtet. Auf einem Lageplan von 1756 sind die barocke Parkanlage und ein Lustgarten deutlich zu erkennen.

Um 1709 gab es gegen die Gutsbesitzer eine Anzeige wegen illegaler Geschäfte mit Branntwein, 1788 eine zweite. 1793 erhielten sie eine offizielle Brennlizenz, da Hornoldendorf keinen eigenen Krug besaß.

1804 gerieten die von Hammersteins selbst in Zahlungsverzug, das Gut wurde veräußert. Es folgten zahlreiche Besitztumswechsel.

Bis 1939 war es im Besitz von Baurat Ferdinand Wallbrecht, Mitbegründer und Aktionär der Zuckerfabrik in Lage. Danach kam es in den Besitz der Familie Oetker, die noch heute ihren Wohnsitz dort hat.

Das Leben in Hornoldendorf, immer noch ein reines Bauerndorf, hatte sich 1808 durch die sogenannte Bauernbefreiung gravierend und verändert.
Damit endete die Abhängigkeit vom Fürstenhaus. 1838 durften sie sich durch 25fache Ablösesummen von den Zehnzahlungen befreien, auch aus Hand- und Spanndiensten konnten sie sich nun freikaufen, waren berechtigt, ihr eigenes Hab und Gut an ihre Kinder vererben. Die Inschriften über den Torbögen zeugen von zunehmendem Wohlstand, neue Häuser und Wirtschaftsgebäude konnte errichtet werden.

Die nächstgelegene Mühle stand in Heiligenkirchen, ebenso wie die Kirche und die Schule, die ebenfalls gemeinsam genutzt wurden. Im Hornoldendorf selbst baute der Hufschmied, der anfangs in einem Teil seines Wohnhauses auch gearbeitet hatte, 1913 eine Schmiede, die 1950 erweitert wurde.

Bis etwa 1950 wurden alle vorhandenen Höfe noch vollerwerblich genutzt. Erst danach kam es zu Zuzügen durch Flüchtlingsfamilien, die teils auf den Höfen tätig waren.

1970 wurde Hornoldendorf in die Kreisstadt Detmold eingemeindet. Heute werden neben dem Rittergut nur noch zwei Höfe voll- oder nebenerwerblich genutzt.

Bis heute gibt es keinen Krug im Dorf. Daher treffen sich die Hornoldendorfer regelmäßig zum für alle Einwohner offenen Klönabend oder zu Festen in privaten Räumlichkeiten, um ihre Dorfgemeinschaft zu pflegen und Themen zu besprechen, die das Dorf betreffen.

Der inzwischen sehr rege Ortsdurchgangsverkehr zwängt sich einspurig über die massive steinerne Doppelbogenbrücke aus dem 17. Jahrhundert, die die Wiembecke mitten im Dorf überspannt. Die Enge und der Zustand dieser Straße, die Kreisstraße ist, und die Tatsache, dass der kleine Bach alle paar Jahre über die Ufer tritt, hat zur Planung eines Staudammes am östlichen Waldrand geführt, der eine Ortsumgehungsstraße auf seiner Krone tragen soll, um den Ort zu entlasten. Die Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens und etwaiger Alternativen wird in der Dorfgemeinschaft durchaus kontrovers diskutiert.

Viele dieser Informationen stammen - verkürzt - aus der Chronik von Heinrich Lükermann, Hornoldendorf, in „1000 Jahre Heiligenkirchen, Festschrift 2015". Außerdem danke ich den Hornoldendorfern für die zusätzlichen Informationen über ihr Dorf.

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