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Zahl der Organspender geht drastisch zurück

Verlust in NRW über dem Durchschnitt

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Zahl der Organspender geht drastisch zurück - © OWL
Zahl der Organspender geht drastisch zurück (© OWL)

Oeynhausen. Die Zahl der Organspender in Deutschland hat einen neuen Tiefstand erreicht. Im vergangenen Jahr haben nur noch 876 Spender ihre Organe nach ihrem Tod für andere Menschen zur Verfügung gestellt. Gegenüber 2012 ist das ein nochmaliger Rückgang um 16,3 Prozent oder 170 Organspenden. Thomas Biet, Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), spricht von einer "erschütternden Bilanz".

Auch Jan Gummert, Chefarzt der Herzchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen, ist wegen des neuerlichen Rückgangs der Spenderzahl zutiefst beunruhigt, "auch wenn das eingetreten ist, was wir befürchtet haben: Das Vertrauen in die Organspende ist in der Bevölkerung nachhaltig erschüttert worden." Gummert: "Die Organspende steht unter Generalverdacht." Immerhin seien aber 75 von Deutschland-weit 301 Herzverpflanzungen in Bad Oeynhausen vorgenommen worden.

Information

Gesetz

Die Änderung des Transplantationsgesetzes  sieht für Ärzte, die Manipulationen an Wartelisten vornehmen, eine "Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe" vor.

Die Bundesärztekammer muss sich die Richtlinien, nach denen Organe vergeben werden, vom Gesundheitsministerium genehmigen lassen.

Auch in Nordrhein-Westfalen sind die Spenderzahlen in den vergangenen Jahren gesunken. Der Trend hat sich im letzten Jahr sogar verschärft. Hatte es 2012 noch 231 Spender gegeben, waren es im letzten Jahr nur noch 194, das ist ein Minus von 19 Prozent. Damit liegt der Rückgang in NRW vergleichsweise hoch: In Berlin-Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist er mit 9,7 Prozent am geringsten ausgefallen, in Bayern mit 24 Prozent am höchsten.

Rainer Hess, der nach dem Skandal um Manipulationen bei Organspenden als neuer hauptamtlicher Vorstand der DSO mit dem Auftrag angetreten ist, die Stiftung zu restrukturieren, betrachtet die Entwicklung "mit großer Sorge". Alle Partner müssten gemeinsam an einer Verbesserung arbeiten. "Unsere Aufgabe ist es, die Krankenhäuser, insbesondere die Transplantationsbeauftragten, professionell in ihrer Aufgabe zu unterstützen." Die Organspende sei durch das Transplantationsgesetz klar geregelt. Die DSO, sei "für die Einhaltung sowie den korrekten Ablauf aller Schritte im Organspendeprozess verantwortlich", sagt Hess. Kein Patient müsse befürchten, "wegen einer Organspende von den Ärzten zu früh aufgegeben zu werden".

Eine Verbesserung der Situation verspricht sich Hess von "kontinuierlicher Aufklärung und Transparenz". Nur so könne "der verstärkten Verunsicherung in der Bevölkerung" entgegengewirkt werden.

Auch Herzchirurg Gummert diagnostiziert einen Vertrauensverlust in der Bevölkerung. Er bedauert vor allem, dass dabei nicht mehr unterschieden werde, denn zum Beispiel der gesamte Sektor der Herzverpflanzung sei von dem Transplantationsskandal nicht betroffen gewesen. Aus seiner Sicht war das Zusammenfallen des Transplantationsgesetzes und der damit verbundenen Informationspflicht der Krankenkassen äußerst unglücklich.

Gummert: "Da wurde die Information über und Werbung für die Organspende mit den Unregelmäßigkeiten bei der Transplantation verknüpft." Manch ein potenzieller Spender habe sich gedacht: "Nein, das will ich nicht, weil da nicht alles mit rechten Dingen zugeht." So sei die Aufklärungsoffensive über den Sinn der Organspende ins Leere gelaufen.

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