Bei der europäischen Tochter einer russischen Bank gibt es höhere Zinsen für Tages- und Festgelder. Soll ich dort mein Geld anlegen?
Wer bei der Geldanlage keine Schwankungen eingehen, aber noch Zinsen kassieren möchte, hat es in der Tat sehr schwer, ein gutes Angebot zu finden. Allerdings würde ich mir gut überlegen, das Vermögen trotz der höheren Zinsen einer solchen Bank anzuvertrauen. Sie müssen nämlich berücksichtigen, ob Sie an Ihr Geld kommen, wenn die Bank Insolvenz anmeldet, selbst wenn die Tochter unter den europäischen Einlagensicherungsfonds fällt. Unter Umständen vergehen Monate oder sogar Jahre, bis Sie das Geld zurückerhalten, wie der Fall Kaupthing Bank in Island gezeigt hat. Der zusätzliche Zinsertrag ist diesen Ärger nicht wert. Daher würde ich an Ihrer Stelle eine bekannte Bank in Deutschland wählen und das Tages- dem Festgeld vorziehen. Dann müssen Sie sich nicht ständig darüber informieren, ob es Probleme gibt und bleiben außerdem flexibel. In Deutschland bieten einige Direktbanken eine Verzinsung von 1,2 Prozent auf Tagesgeldkonten.
Was ist schlimmer: Inflation oder Deflation?
Deflation bedeutet, dass Ihr Geld morgen mehr wert ist, als es heute noch war. Die Preise verfallen von Tag zu Tag mehr, weshalb Sie jeden Tag mehr Waren für das Geld kaufen können. Das klingt im ersten Moment besser als eine Inflation, bei der Ihr Vermögen entwertet wird. Das Problem bei der Deflation ist aber, dass die Konsumfreudigkeit der Verbraucher enorm abnimmt. Wenn Sie morgen für den gleichen Preis einen doppelt so großen Fernseher bekommen, warten Sie natürlich ab und hoffen, dass er noch günstiger wird. Die Unternehmen verkaufen weniger, unsere Wirtschaft wird massiv geschädigt. Deswegen ist eine Deflation noch schlimmer als eine Inflation.
Immer wieder mal ist von einer Zinserhöhung die Rede. Ich habe ein Immobiliendarlehen, das noch ein paar Jahre läuft. Kann ich mir jetzt schon die günstigen Zinsen für die Zukunft sichern?
Wer weniger als ein Jahr bis zur Refinanzierung hat, sollte sich die niedrigen Zinsen auf jeden Fall sichern. In vielen Fällen ist eine Anschlussfinanzierung sogar ohne Zinsaufschlag möglich. Auch wer noch zwei Jahre seinen bestehenden Kreditvertrag erfüllen muss, kann mit einem so genannten Forward-Darlehen nicht viel falsch machen. Kniffliger wird es bei drei und mehr Jahren Restlaufzeit. Hier sind die Aufschläge schon deutlich angestiegen. Der frühzeitige Abschluss kann sich dennoch rechnen. Vor allem, wenn die Zinsen in ein paar Jahren deutlich steigen. Bei längeren Restlaufzeiten von vier oder fünf Jahren sollten Eigentümer genau rechnen, ob sich ein Vorratsdarlehen heute schon lohnt.