Hannover (dpa). Die aus Ghana stammende Mutter berichtete, die Verwaltung habe die Abweisung mit einem fehlenden Einweisungsschein begründet. Eine Stunde später sei das Baby auf dem erneuten Weg zur Klinik gestorben.
Die Staatsanwaltschaft Hannover hat nach eigenen Angaben eine Obduktion des Kindes angeordnet, die bereits am Montag durchgeführt wurde. Mit dem Ergebnis sei aber wohl erst nach Ostern zu rechnen, sagte Sprecherin Kathrin Söfker. Dann müsse geprüft werden, ob es Hinweise für einen Anfangsverdacht gibt. Ein Kliniksprecher wollte sich mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Er bestätigte aber, dass ein Baby eingeliefert worden war, das nicht mehr wiederbelebt werden konnte. Danach habe die Klinik die Kriminalpolizei eingeschaltet.
Laut Medienberichten war die Frau am Donnerstagmorgen mit ihrem einen Monat alten Säugling zur Klinik gefahren, weil er Essen und Trinken verweigerte und stark hustete. Sie habe dort einen Arzt verlangt. Doch am Empfang sei ihr erklärt worden, sie müsse erst eine ärztliche Überweisung vorlegen. Auf dem Weg zu ihrer Kinderärztin atmete der Junge schon nicht mehr.
Völlig unklar ist bisher, ob bürokratische Paragrafenreiterei, Kommunikationsprobleme oder Missverständnisse zu dem tragischen Kindstod führten. "Im Regelfall wird in der Tat ein Einweisungsschein von einem niedergelassenen Arzt für die Einweisung ins Krankenhaus benötigt", erklärte Christoph Prehn von der niedersächsischen Krankenhausgesellschaft. Das gelte aber keinesfalls für Notfälle. Prinzipiell gelte, dass immer ein Arzt über die Aufnahme entscheidet, sagte auch Dorothea Jahns vom Ersatzkassenverband VDEK Niedersachsen.
Der Fall in Hannover sei offenbar ein besonders tragisches Ergebnis menschlichen Fehlverhaltens. Statistiken darüber, wann, wo und wie oft hilfesuchende Patienten in Krankenhäusern oder Praxen abgewiesen werden, gebe es nicht. "Um seltene Einzelfälle handelt es sich jedenfalls nicht", betonte die Stiftung mit Hinweis auf ähnliche Fälle in Baden-Württemberg oder Bayern.