Düsseldorf (fpf/dpa). In seiner jüngsten Statistik verzeichnet das Bundeskriminalamt (BKA) deutschlandweit derzeit 5.963 Vermisste. Darunter tauchen viele nach den ersten Stunden wieder auf, andere bleiben manchmal über Jahrzehnte wie vom Erdboden verschluckt.
Rund 1.800 Kinder und Jugendliche in Deutschland gelten nach den Zahlen des BKA aktuell als vermisst. Zum "Tag der vermissten Kinder" am Sonntag organisiert die bundesweit einzigartige Initiative "Vermisste Kinder in Hamburg" die Aktion "Vermisst - aber nicht vergessen": Überall in Deutschland werden auf Info-Bildschirmen Bilder von Vermissten aus der ganzen Welt gezeigt - "damit kein Kind vergessen wird", erklärt der Leiter der Initiative, Lars Bruhns.
In NRW beziehen sich die jüngsten Zahlen auf das Jahr 2012. Unterm Strich verzeichnete das Landeskriminalamt (LKA) in diesem Zeitraum 19.205 Vermisste. Darunter waren 820 Jungen und 1.310 Mädchen. Zudem suchten die Behörden nach 5.156 männlichen sowie 7.904 weiblichen Jugendlichen. Im Erwachsenenalter wurden wiederum mehr Männer vermisst: 2.643. Derweil stehen 1.372 Frauen im Zahlenwerk des LKA. Für 2011 weist die Datei eine Vermisstenzahl von nur 13.086 aus. "Die Zahlen bewegen sich in Wellen", erklärt ein Sprecher des LKA. Für 2010 geht es um 16.780 Menschen. "In aller Regel ist das Schicksal in den ersten drei Tagen geklärt."
Deutschlandweit gehen bei der Polizei jedes Jahr bis zu 100.000 Vermisstenanzeigen ein. "Die allermeisten Fälle klären sich innerhalb der ersten Stunden oder Tage", sagt auch Bruhns. Viele Kinder oder Jugendliche tauchten nach kurzer Zeit wieder auf. Bruhns Initiative und die Behörden dokumentieren aber auch Fälle, wo die Betroffenen über Jahre oder Jahrzehnte wie vom Erdboden verschluckt sind.
In den vergangenen 30 Jahren hat NRW 554 Langzeitvermisste addiert. "Dabei müssen wir davon ausgehen, dass diese vermissten Personen nicht mehr leben", heißt es vom LKA. "Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Fahndung wird natürlich mit jedem Jahr geringer." Fälle wie der von Natascha Kampusch, die sich nach achteinhalb Jahren aus der Gewalt ihres Entführers befreien konnte, machen zwar vielen Eltern Hoffnung. "Es ist aber ein Einzelfall."
Grundsätzlich habe jeder erwachsene Mensch das Recht, seinen Aufenthaltsort selbst zu bestimmen, sagt der Sprecher des LKA und stellt den Unterschied zu vermissten Kindern und Jugendlichen heraus: Im Fall des vermissten Mirco aus Grefrath habe die Polizei frühzeitig mit der Suche begonnen - mit Hundertschaften, Hubschraubern mit Wärmebildkameras und sogar Tornados für Luftbildaufnahmen. Auch für orientierungslose Senioren und Demenzkranke würde die Fahndung sofort eingeleitet.