Bielefeld. Die Zahl der Schüler in OWL ohne Hauptschulabschluss steigt weiter; kräftiger sogar als im Landesschnitt Am schlechtesten waren die Zahlen 2013 in Salzkotten (Kreis Paderborn) mit 13,4 Prozent, in Verl (Kreis Gütersloh) verließen dagegen nur 0,2 Prozent der Schüler die Schule ohne Abschluss. Im Regierungsbezirk Detmold hatten voriges Jahr 1.226 Schulabgänger keinerlei Abschluss – 7,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das geht aus Zahlen des statistischen Landesamts it.nrw hervor.
Dass die Zahlen prozentual gleichwohl eine leichte Besserung nahelegen (siehe Tabelle), liegt einzig am doppelten Abiturjahrgang 2013, der die Zahl der Schulabgänger insgesamt nach oben katapultiert hat. In dieser größeren Zahl fallen die Abgänger ohne Abschluss nicht mehr so stark auf. Rechnet man diesem Faktor heraus, stieg die Quote in OWL von 4,21 Prozent (2012) auf 4,52 Prozent (2013).
Das Risiko, die Schule ohne Abschluss zu verlassen, ist bei Jungen deutlich höher als bei Mädchen und bei Ausländern fast dreimal so hoch wie bei deutschen Schülern. Und dabei sind Schulabgänger mit doppelter Staatsbürgerschaft nicht einmal erfasst. Würden alle Schüler mit Migrationshintergrund berücksichtigt, dürfte der Anteil deutlich höher liegen.
Erfolg und Misserfolg verteilen sich sehr unterschiedlich in der Region, wie die Extrembeispiele Salzkotten und Verl belegen. Vor allem aber unterscheiden sie sich je nach Schulstruktur. Denn die Bezeichnung "ohne Hauptschulabschluss" ist irreführend – legt sie doch nahe, dass die Betroffenen aus Hauptschulen kommen. Tatsächlich haben aber nach einer Untersuchung des Essener Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung nur 26,5 Prozent der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss zuvor die Hauptschule besucht; mehr als die Hälfte kommt ohne Abschluss aus Förderschulen.
Dort verlassen über drei Viertel der Schüler (OWL: 61,5 Prozent in 2013) die Schule ohne einen Hauptschulabschluss. Die Daten zeigten, "dass das separierende Förderschulsystem in Deutschland zu hinterfragen ist. Notwendig ist eine konsequente Inklusionspolitik und nicht das ,Aussortieren und Trennen von Kindern und Jugendlichen", so ein Fazit der Bertelsmann-Stiftung.
Die Gründe für stark abweichende Schulerfolge zwischen den Gemeinden, Schulformen und Schülergruppen sollten analysiert werden, empfahl die Bezirksregierung bereits 2006: "Gegebenenfalls müssen notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Situation ergriffen werden." Die Problematik ist also seit langem hinlänglich bekannt. Politische Absichtserklärungen, die Zahl der Jugendlichen ohne Abschluss zu reduzieren, gab es zuhauf.
Unzählige Projekte, Modellversuche, regionale Arbeitsgruppen haben sich mit dem Thema befasst. Nach den Zielvorgaben des Regionalrats Detmold hätte der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss schon 2008 die Drei-Prozent-Quote deutlich unterschreiten müssen.
Warum das nicht klappt, sollte genau untersucht werden, rät Klemm: Dort, wo besonders viele Schüler auf dem Weg zum Abschluss auf der Strecke bleiben, müsse "gezielt vor Ort Ursachenforschung betrieb" werden. Nur dann könnten Gegenmaßnahmen erfolgreich entwickelt werden, meint der Bildungsforscher. Nötig sind die allemal. Denn die mehr als 1.000 junge Menschen, die jedes Jahr in der Region nach langem Schulbesuch mit leeren Händen dastehen, starten ohne große Chancen und Perspektiven in ihr Berufsleben.