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Gütersloh

Mangelhafte Verpflegung in Kindertagesstätten

Studie der Bertelsmann-Stiftung: Zu viel Fleisch, zu wenig Obst und Salat

Kita-Gerichte häufig zu unausgewogen - © Gütersloh
Kita-Gerichte häufig zu unausgewogen (© Gütersloh)

Gütersloh. Immer mehr Kinder essen in Kindertagesstätten zu Mittag. Doch die Verpflegung entspricht nur in jeder dritten Einrichtung anerkannten Standards. Zu diesem Ergebnis ist eine repräsentative Studie der Gütersloher Bertelsmann-Stiftung gekommen. Erstmals hat sie Qualität und Kosten des Mittagessens in Kitas untersucht. Gleichzeitig haben sich führende Wirtschaftswissenschaftler dafür ausgesprochen, in der Familienpolitik stärker auf den Ausbau der Kinderbetreuung zu setzen. 

Um die Qualität und Kosten des Mittagessens in Kindertagesstätten zu bestimmen, hat die Bertelsmann-Stiftung 1.082 Kindertagesstätten aus allen Bundesländern befragt. Die Ergebnisse sind zu einem großen Teil niederschmetternd. Gemessen am wissenschaftlich begründeten Qualitätsstandard der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bieten nur zwölf Prozent der Kitas ihren Kindern genügend Obst an. Lediglich in knapp einem Fünftel der Einrichtungen gibt es ausreichend häufig Salat oder Rohkost zu essen. Nach den DGE-Standards steht viel zu selten Fisch und in drei Vierteln aller Kitas zu oft Fleisch auf dem Speiseplan. Von den Caterern, die in der Mehrzahl der Fälle die fertige Verpflegung anliefern, bietet nur jedes zehnte Unternehmen ein speziell am kindlichen Bedarf ausgerichtetes Mittagessen an.

- © SYMBOLFOTO: DPA
(© SYMBOLFOTO: DPA)

Das Autorenteam um die Hamburger Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Arens- Azevedo fand zudem heraus, dass die Kitas nicht hinreichend mit Küchen und hauswirtschaftlichem Fachpersonal ausgestattet sind. Nur etwa jede dritte Einrichtung verfüge über einen Speiseraum.

In der Studie, über die Spiegel online zuerst berichtet hatte, wird kritisch angemerkt, dass die Finanzierung der hauswirtschaftlichen Personal-, Küchen- und Raumausstattung sowie der Betriebskosten und auch der Lebensmittelkosten in den Bundesländern weder einheitlich noch verbindlich geregelt ist. Auch deshalb unterscheide sich das einkommensunabhängige Essensgeld der Eltern für die Mittagsverpflegung erheblich. Durchschnittlich zahlen die Eltern den Kitas 2,40 Euro für ein Essen. Weil eine gesunde Mittagsverpflegung, die die DGE-Standards erfüllt, mindestens vier Euro koste, hänge die dargebotene Qualität von den Entscheidungen und Zuschüssen der Träger ab. Bundesweit vorgeschriebene Qualitätsstandards sowie eine verbindliche Finanzierung der Kita-Verpflegung seien dringend notwendig.

Führende Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland haben sich unterdessen dafür ausgesprochen, in der Familienpolitik stärker auf den Ausbau der Kinderbetreuung zu setzen. "Es mangelt in Deutschland nicht an Geldern, sondern an der Zielgenauigkeit der Maßnahmen", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, der Welt am Sonntag. Die internationale Erfahrung zeige, dass die Geburtenrate steige, wenn beide Elternteile Familie und Beruf in Einklang bringen könnten. Der bisherige Ausbau der Ganztagsbetreuung gehe zwar in die richtige Richtung, "Deutschland muss hier im internationalen Vergleich aber besonders stark aufholen".

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Viele sind zu dick


Bundesweit bleiben mehr als 1,8 Millionen Kinder über die Mittagszeit in ihrer Kindertagesstätte und bekommen dort eine Mahlzeit.

Kita-Verpflegung erhalten fast 80 Prozent der unter dreijährigen und 60 Prozent der über dreijährigen Kinder.

Nach Untersuchungen haben 9 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen Übergewicht.

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