Bielefeld. Zu viel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse – das Mittagsangebot in vielen Kitas ist laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung unausgewogen. Um die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu sichern, werden demnach vier Euro pro Mahlzeit benötigt. Träger und Kita-Caterer in OWL hingegen halten solch ein Preis für nicht ausschlaggebend.
"Wie oft Fleisch, Fisch oder Reis auf den Tisch kommen, ist kein Zufall", sagt Maik Birkholz, Leiter der Kindertagesstätte Rappelkiste in Gütersloh. Nährstoffoptimiert wird in der Elterninitiative gekocht – und zwar frisch und in der hauseigenen Küche. "In Zusammenarbeit mit einer Ökotrophologin haben wir einen Plan entwickelt, in dem sich die Nahrungs- und Lebensmittel bestmöglichst ergänzen."
Einmal die Woche ist Fleisch Hauptbestandteil des Mittagessens, etwa Frikadellen, und die werden laut Birkholz von der angestellten Köchin zubereitet. Auch Fisch gibt es einmal die Woche. Obst und Gemüse täglich – ein Teller mit knackigen Lebensmitteln steht immer griffbereit. Der Preis für die ausgewogene Ernährung? "60 Euro zahlen die Eltern monatlich", so Birkholz. "Enthalten sind darin aber auch Frühstück und Nachmittagssnack." Pro Tag also etwa drei Euro.
Die Stadt Bielefeld ist Trägerin von 43 Kindertagesstätten. Geliefert wird das Essen von einer Cateringfirma, jedoch tiefgefroren. "Die jeweiligen Hauswirtschafterinnen bereiten in den Küchen dann die Mahlzeiten zu", sagt Dirk Wittler, Geschäftsbereichsleiter für die städtischen Kitas. Bei der Zusammenstellung der einzelnen Speisepläne habe sich die Stadt an den Empfehlungen der DGE sowie an der Beratung vom Caterer orientiert.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Kinder eine Mahlzeit, die ausreichend Obst, Gemüse und Fisch, aber weniger Fleisch beinhaltet. Laut Wittler wird den Kindern das in den Einrichtungen geboten: "Jeder Einrichtungsleitung steht es zu, zusätzlich frisches Obst und Gemüse zu kaufen." In welchem Rahmen das tatsächlich geschieht, wird nicht überprüft, allerdings "sehe ich das an den Abrechnungen". 42 Euro zahlen die Eltern monatlich. Auch wenn insgesamt an nur 200 Tagen zu Mittag gegessen wird – pro Mahlzeit sind es im Schnitt 2,70 Euro.
Bundesweit bekommen täglich etwa 25.000 bis 30.000 Kindergartenkinder das Mittagessen von dem Bielefelder Lieferanten Meyer-Menü, darunter viele in OWL. Marketingleiter Jörg Wischhausen und sein Team bieten täglich zwei Gerichte an – ein vegetarisches (2,30 Euro) und ein Fleischgericht (2,60 Euro). Die erste Variante ist billiger, die zweite wird dennoch häufiger gebucht. "Von vielen Kitas werden die Fleischgerichte lieber bestellt", so Jörg Wischhausen. "Wir können niemanden zwingen. Dafür haben wir Ernährungsexperten, die bei Bedarf in die Kitas gehen." Auf Geschmacksverstärker, weißes Mehl oder extra Süße bei Obst werde zwar verzichtet, aber das Feedback zeigt, "dass die Kinder einer braunen Nudel gegenüber sehr skeptisch sind und ihnen das Obst zu sauer ist".
Vier Euro für eine ausgewogene Mahlzeit, wie von der DGE ausgerechnet? Für Erwin Tälkers, Pressereferent der AWO Ostwestfalen-Lippe, muss das nicht sein: "Auch wir richten uns nach den Empfehlungen der DGE." Ein- bis zweimal Fleisch, einmal Fisch und täglich ausreichend Obst und Gemüse – zubereitet von Hauswirtschafterinnen.
Zusätzlich gibt es in vielen der 114 Kitas eigene Gemüsebeete. Die monatlichen Kosten belaufen sich auf 56 Euro. Dazu zählen ein wöchentliches Frühstück sowie der tägliche Nachmittagssnack. Das einzelne Mittagessen kostet im Schnitt also etwa 2,50 Euro.
Für Mail Birkholz von der Kita Rappelkiste ist die Aufgabe klar: "Wir beeinflussen die Art, wie sie sich ernähren." Natürlich erfordere es zunächst Aufwand, ein Kind an eine Schwarzwurzel heranzuführen, "aber so entwickeln sie eine bewusste Beziehung zum Essen".
Auch für NRW-Familienministerin Ute Schäfer ist ein gesundes Mittagessen in Kitas ein Muss: "Deshalb haben wir in Nordrhein-Westfalen im Kinderbildungsgesetz ein Mitspracherecht der Eltern bei den Mahlzeiten neu verankert." Auswahl und Kosten könnten so mitbestimmt werden.
Ingo Dörk (Regionale Personalentwicklungsgesellschaft), verantwortlich für das Projekt Ernährungsberatung in Bielefelder Kitas, steht Eltern und Personal beratend zur Seite, wenn es um das Essen geht. Das Problem sei für Dörk, dass jeder glaubt, er würde alles richtig machen. (mkp)