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Osnabrück

Museumsbesucher machen Kunst

Die Osnabrücker Kunsthalle ist noch bis Freitagabend rund um die Uhr für Kreative geöffnet

Ausstellungsbesucher haben in der Kunsthalle aus 10.080 Bauklötzen eine Skulptur errichtet. - © FOTO: DPA
Ausstellungsbesucher haben in der Kunsthalle aus 10.080 Bauklötzen eine Skulptur errichtet. (© FOTO: DPA)

Osnabrück (dpa). Der Weg in die Kunsthalle Osnabrück führt in diesen Tagen durch einen Seiteneingang. Wer durch die kleine Tür tritt, ist sofort mitten drin im Kirchenschiff der ehemaligen Dominikaner-Klosterkirche, die seit 1993 als Kunsthalle genutzt wird. Skulpturen stehen links, an den Wänden hängen bunte Bilder.

Irgendjemand hat ein riesiges Kreuz mitten in den hohen Raum gebaut, im hinteren Teil türmt sich eine Art überdimensionaler Bilderstapel. Überall laufen Menschen umher, malen, bauen, reden miteinander. So geht das seit vergangenem Freitag, rund um die Uhr.

Kunsthallenchefin Julia Draganovic hat Mühe, die Augen offen zu halten. 18 Stunden ist sie an diesen Tagen immer auf den Beinen und versucht, ab und zu ein bisschen Schlaf in ihrem Büro zu finden. "Ich bin begeistert", sagt sie. Draganovic hat mit ihrem Team darum gekämpft, die Ausstellungshalle eine Woche lang für Bürger und Künstler zu öffnen. Sie können darin 24 Stunden am Tag machen, was sie wollen - sofern es nicht illegal ist und das Gebäude nicht beschädigt. Die Idee sei, damit einmal die Besucher der Kunsthalle kennenzulernen, sagt die Chefin, die erst seit einem knappen Jahr in Osnabrück ist.

Draganovic steht vor einer Art grob gezimmertem Steg, der sich durchs Foyer zieht. "Das sieht doch aus wie ein Catwalk, den kann man begehen." Sie traut sich drauf. An der Seite bläst ein großer Ventilator eine unter dem Gestell verborgene Puppe auf, ein kleiner Ventilator bläst von oben. Irgendwo bewegt sich an einer Achse ein buntes Tuch, am Ende eine Art Pult mit einem Taster und der mit Filzstift geschriebenen Aufforderung "Drücken". Wenn man das tut, dreht sich ein grob behauener Ytong-Stein mit einem kleinen Bild und ein Holzbeinpaar verteilt Tritte. "Einen Namen haben wir dafür nicht", sagt Joshua Saßmannshausen. Zusammen mit David Rauer und Elias Lichtblick hat er in einer Nacht die wilde Skulptur zusammengezimmert.

Die Aktion wecke nicht nur den kreativen Nerv der Besucher, sondern locke auch Gäste an, die sonst nie da seien, berichtet Hiltrud Schäfer, die Vorsitzende des Vereins der Freunde der Kunsthalle. "Es ist ein niedrigschwelliges Angebot." Besonders angetan hat es ihr die elektronische Musik. "Das ist hier eine so wunderbare Stimmung."

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