Millionendeals mit giftigem Quecksilber

Bad Oeynhausener Firma im Visier / Spuren führen auch nach Moskau und Belize

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Millionendeals mit

giftigem Quecksilber - © Bad Oeynhausen
Millionendeals mit giftigem Quecksilber (© Bad Oeynhausen)

Bad Oeynhausen. Die Entsorgungsbranche wird von einem Skandal erschüttert. Im Zentrum steht das Bad Oeynhausener Unternehmen Dela GmbH. Verantwortliche dieser Firma sollen in den vergangenen drei Jahren weltweit illegale Geschäfte mit giftigem Quecksilber gemacht und dabei hohe zweistellige Millionenbeträge eingestrichen haben. Zur Verschleierung der Machenschaften wurden den Behörden offenbar Abfallentsorgungskreisläufe vorgegaukelt und tonnenweise harmloser Sand in unterirdische Deponien gebracht.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betruges, Umweltstraftaten und Steuerhinterziehung. Die Zahl der Beschuldigten ist auf 17 angestiegen. Spuren führen nach Recherchen dieser Zeitung mittlerweile auch nach Moskau und in den mittelamerikanischen Staat Belize. Hier sollen sich Endabnehmer der giftigen Chemikalien befinden. Während die beiden Dela-Geschäftsführer und der Prokurist der Firma vor einigen Wochen wieder auf freien Fuß gesetzt wurden, ist ein Zwischenhändler noch in Untersuchungshaft. Die beiden Geschäftsführer hätten "umfangreiche Angaben zum Sachverhalt gemacht", verlautete aus Ermittlerkreisen.

Christian B., einer der beiden beschuldigten Dela-Geschäftsführer, ist wieder auf freiem Fuß.
Christian B., einer der beiden beschuldigten Dela-Geschäftsführer, ist wieder auf freiem Fuß.

Das 1989 gegründeten Unternehmen Dela hat ein großes Rad gedreht. Am Firmensitz in Bad Oeynhausen widmet man sich der Entsorgung alter Batterien, am Standort in Essen werden aussortierte Lampen und in Beckum vor allem Kunststoffe recycelt. Am Standort Dorsten beschäftigte sich die Dela GmbH mit quecksilberhaltigen Industrieabfällen, die bei der Erdöl- und Erdgasförderung sowie der Chlorproduktion und in der chemischen Industrie anfallen.

Unser Foto zeigt einen Arbeiter an der sogenannten Drehrohrdestille in einem Werk der Dela GmbH.
Unser Foto zeigt einen Arbeiter an der sogenannten Drehrohrdestille in einem Werk der Dela GmbH.

Elementares Quecksilber ist ein bei Raumtemperatur flüssiges Metall. Wegen seiner hohen Toxizität (Giftigkeit) will die UN es vom Weltmarkt verbannen. Nach einer Verordnung aus dem Jahr 2008 ist die Ausfuhr aus der EU bereits verboten. Wenn flüssiges Quecksilber als Industrieabfall anfällt, muss es sicher entsorgt werden. Die Dela GmbH hat nach eigenen Angaben ein Patent entwickelt, um flüssiges Quecksilber zu "stabilisieren" und in weit weniger giftiges Quecksilbersulfit (Zinnober) umzuwandeln.

Information

Dela GmbH

In ihrer Werbung präsentierte sich die Bad Oeynhausener Dela GmbH stets als hochgradig seriöses Unternehmen.

Mit "innovativen, emissionsarmen Technologien für die umweltschonende Verarbeitung" würden die verschiedenen Abfallströme behandelt, hieß es.

Am Standort Dorsten werde "hochgiftiges Quecksilber in eine für die Umwelt unbedenkliche und ablagerungsfähige Substanz überführt". "Das patentierte Stabilisierungsverfahren zur Umwandlung von Quecksilber zu Quecksilbersulfid" sei "derzeit weltweit einzigartig". (gär)

Zahlreiche Industriefirmen lieferten daraufhin ihre quecksilberhaltigen Abfälle an. Von 2011 bis 2014 sollen es über 1.000 Tonnen gewesen sein. Doch anstatt die toxischen Chemikalien wie versprochen zu bearbeiten, sollen diese zu einem Tonnenpreis zwischen 40.000 und 50.000 Euro über Zwischenhändler in der Schweiz, den Niederlanden und Griechenland nach Mittelamerika und Osteuropa verkauft worden sein. Obwohl flüssiges Quecksilber hochgiftig ist, wird es beispielsweise immer noch in Goldminen ohne Schutzvorkehrung zur Gewinnung des Edelmetalls verwendet.

Um die illegalen profitträchtigen Deals zu vertuschen, soll tonnenweise roter Sand in Behälter gefüllt und in Deponien gebracht worden sein. Viele Industrieunternehmen sind nun offenbar geschädigt. Sie zahlten an die Dela GmbH Millionen für die Entsorgung ihrer quecksilberhaltigen Abfälle.

Am 1. Juli wurde für die Dela GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet. Laut Insolvenzverwalter Torsten Fuest sind 100 Arbeitnehmer betroffen. Fuest hofft, dass die Firma trotz aller aktuellen Schwierigkeiten fortgeführt werden kann. Der Standort in Dorsten wurde von der Bezirksregierung Münster vorläufig geschlossen. An den übrigen Standorten werde weitergearbeitet, sagte Fuest.

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