Hüllhorst. Bachs Orgelwerke verbleiben in den kommenden Wochen im Notenschrank. Statt der Königin der Instrumente wird in der Schnathorster Kirche vorerst nur das Klavier erklingen. Ein Blitzeinschlag hat die Kirchorgel außer Gefecht gesetzt und die Reparatur gestaltet sich schwierig.
Das Gewitter am Abend des 29. Juli brachte nur wenige Blitze mit sich. Doch einer suchte sich den metallenen Wetterhahn auf der Turmspitze der Schnathorster Kirche aus und schlug in das Gotteshaus ein. Ursula Sieker wohnt gegenüber und wurde Augenzeugin des Naturschauspiels. "Für wenige Sekunden sah es aus, als leuchte eine große Sonne direkt vor dem Eingang der Kirche." Begleitet wurde der Blitzeinschlag von einem ohrenbetäubenden Knall, der in ganz Schnathorst zu hören war. "Ich habe einen ganz schönen Schreck bekommen", sagt Pfarrerin Kristina Laabs.
Von außen sei an der Kirche nichts zu sehen gewesen. Außer, dass die Turmuhr um Punkt 19.45 Uhr stehen geblieben war. Zum Glück sei der Blitzableiter vor gar nicht allzu langer Zeit erneuert worden. "Sonst wäre vielleicht die ganze Kirche abgebrannt."
Am Tag nach dem Gewitter meldete sich Küsterin Elke Post beim Organisten Eberhard Beinke, weil die Glocken nicht mehr läuteten. Er möge doch einmal die Orgel auf Schäden überprüfen, teilte die Küsterin per SMS mit. Um 18.30 Uhr kam die Antwort Beinkes: "Die Orgel ist auch kaputt." Der Test zeigte: Die Orgel spielte mit vollem Werk, alle Register waren gezogen. Durch Überspannung waren Teile der Steuerplatine verschmort. Beim kleinsten Tastenschlag saßen sofort alle Registermotoren fest.
Bei der Schnathorster Orgel, die 1979 neu in das historische Gehäuse eingebaut wurde, handelt es sich um ein im Altkreis Lübbecke einmaliges Instrument seiner Art. Die Traktur ist mechanisch, die Registratur elektrisch. Doch nicht nur die Hauptsteuerung ist defekt. Auch einzelne Platinen auf den 42 Motoren, welche die 21 Register der Orgel ziehen, haben etwas abbekommen. Kurzum: Die Elektronik ist hinüber. Der Schaden wird auf rund 20.000 Euro geschätzt, denn die Reparatur ist schwierig. Beinke erklärt warum: "Versuchen Sie einmal, einen defekten Fernseher aus den 70er Jahren wieder in Ordnung bringen zu lassen." Ersatzteile für die Baureihe der Schnathorster Orgel gibt es nicht mehr. Die Elek-tronik muss nunmehr von einer Firma in Frankfurt individuell angefertigt werden. Die Herstellerfirma "Steinbau Orgelbau" in Vlotho muss diese dann per Handarbeit in die Orgel mit ihren mehr als 1.443 Pfeifen einbauen und alles neu verkabeln. "Eine Umstellung auf eine rein mechanische Orgel wäre mit rund 40.000 Euro noch teurer", so Beinke.
2012 erst hatte die Gemeinde eben diese Summe aus Stiftungsgeldern und Spenden in die Neuintonierung und Generalüberholung des Instrumentes investiert. Wegen ihres hervorragenden Klanges wird die Orgel auch gerne für Konzerte genutzt. Wie Pfarrerin Kristina Laabs sagt, ist die Versicherung bereits über den Schaden durch den Blitzeinschlag informiert. Vermutlich werde aber wegen der Schadenshöhe noch ein Gutachten erstellt.
Schon jetzt ist klar, dass die neobarocke Schleifladenorgel in den kommenden Wochen nicht zu hören sein wird. Das Konzert mit Simon Obermeier am Sonntag, 10. August, wurde daher bereits in die St.-Andreas- Kirche Lübbecke verlegt.
"Sehr bedauerlich, dass wir bei Gottesdiensten jetzt nur Klavierbegleitung haben", so Pfarrerin Laabs. Schade findet das auch Organist Eberhard Beinke. "So ein Klavier klingt halt doch ein bisschen zarter."