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Bielefeld

50 Jahre Prüfer des Vertrauens

Stiftung Warentest bewertet Produkte und Dienstleistungen, auch in Ostwestfalen-Lippe

Bielefeld. Die Stiftung Warentest kauft anonym Produkte, probiert sie aus und bewertet sie. Manchmal, wie im aktuellen Fall von Ritter-Sport, sehr zum Ärger der Unternehmen. Laut Vorstand Hubertus Primus will die Stiftung dem Kunden nur "eine Waffengleichheit auf dem riesigen Produktmarkt bieten". Das versucht sie nun seit 50 Jahren. Auch Firmen in OWL wurden schon genauer unter die Lupe genommen.

Der Einbaukühlschrank Miele k5224 bekam im Jahr 2013 die Note 2,2. Im Testkommentar hieß es: Bei niedrigeren Umgebungstemperaturen verbrau-che der Kühlschrank relativ viel Strom. "Natürlich", so Reinhild Portmann, stellvertretende Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Miele, "haben die Ergebnisse von Stiftung Warentest für uns eine große Bedeutung." Werde auf echte Mängel hingewiesen, neh-me man dies bei Miele sehr ernst und sei bestrebt, "sie gegebenenfalls im Rahmen der Produktverbesserung zu beheben".

Laut Portmann kann ein Unternehmen brauchbare Informationen aus solchen Tests erhalten, und nicht nur über sich selbst: "Wir wissen dann, wie unsere Geräte in einem unabhängigen Test im Vergleich zum Wettbewerb stehen."

Es begann am 16. September 1964. Der Deutsche Bundestag gründete die unabhängige Stiftung Warentest. Test, das erste Magazin der Stiftung, erschien 1966. Darin ging es um Nähmaschinen und Stabmixer. Bis heute, 50 Jahre später, wurden bereits um die 100.000 Produkte und Dienstleistungen getestet. Die Vorgehensweise: undercover. Produkte werden anonym im Handel gekauft, Dienstleistungen verdeckt in Anspruch genommen. Die Ergebnisse werden in den Zeitschriften Test und Finanztest veröffentlicht. "Wir haben einen ganz klaren Auftrag", sagt Stiftungsvorstand Hubertus Primus. "Wir geben dem Verbraucher eine Orientierung. Unsere Tests werden nach wissenschaftlichen Methoden vorgenommen." Etwa 77 Prozent der Deutschen vertrauen auf die Ergebnisse. Umso wichtiger ist, dass sie gut ausfallen, vor allem, wenn es um Produkte für die Kleinen geht.

Bewertung von Produkten kann auch zum Rechtsstreit führen

Im Jahr 2004 untersuchte die Stiftung Lebensmittelprodukte für Kinder. Etwa die Bärchenwurst Geflügel-Mortadella von der Versmolder Privatfleischerei Reinert. Ergebnis: als Kinderlebensmittel eingeschränkt geeignet. Begründung: zwar vergleichsweise wenig Kalorien und Fett, dafür unnötiger Kalziumzusatz. "Der über eine Dekade alte Test hat gegenwärtig für uns keine Relevanz mehr", sagt Philipp Staat, Produktmanager bei Reinert, "da das Produkt im Hinblick auf die Wünsche unserer Kunden und Endverbraucher stetig weiterentwickelt wird und dem getesteten Produkt daher nicht mehr entspricht."

Die Bewertung mancher Produkte kann bis vors Gericht gehen. So auch im Fall RitterSport. Die Stiftung Warentest hatte eine Vollmilch-Nuss-Schokolade von Ritter-Sport mit mangelhaft bewertet, weil angeblich ein künstliches Aroma darin erhalten war. Der Schokoladenhersteller hatte vor Gericht eine einstweilige Verfügung erstritten und behauptet, der Stoff sei natürlich. "Das Ergebnis schmerzt schon", sagt Stiftungsvorstand Primus. "Aber es hat wohl sprachliche Ungenauigkeiten in der redaktionellen Darstellung gegeben", räumt Primus ein.

Die Stiftung Wartentest nimmt sich in ihren Beurteilungen Produkte vor, die auf dem Verbrauchermarkt stark vertreten sind. "Wir wollen ja für möglichst viele Menschen testen", sagt Primus. Eins dieser Produkte war im Jahr 2006 die Ristorante Pizza Speciale -50 Prozent Fett von Dr. Oetker. Diese bekam lediglich eine 3,2.

Im Sortiment ist die Pizza laut PR-Managerin Claudia Koalenzki seit 2011 nicht mehr: "Das hat jedoch nichts mit den Testergebnissen zu tun gehabt, sondern wegen geringer Nachfrage für Light-Pizzen." Bei Dr. Oetker zähle die Meinung der Kunden, man führe deswegen selbst zahlreiche Tests und Marktforschung durch.

Stiftung Warentest als Freund der Verbraucher

In 50 Jahren hat sich laut Primus eine Menge getan bei den Produkten: "Unsere Tests haben sicherlich dazu geführt, dass Produkte mehr Qualität bekommen haben." Der Endverbraucher kaufe bevorzugt den Testsieger, und das wüssten die Unternehmen. Die Stiftung schicke die Messergebnisse vor Veröffentlichung immer an die Hersteller. "Sind diese schlecht, wird natürlich zunächst gemeckert", so Primus. Nach genauer Erläuterung und Gesprächen "können die Firmen unsere Anmerkungen aber meist nachvollziehen". Primus versteht die Stiftung Warentest als Freund der Verbraucher.

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Die Stiftung Warentest kauft anonym Produkte, probiert sie aus und bewertet sie. Manchmal, wie im aktuellen Fall von Ritter-Sport, sehr zum Ärger der Unternehmen. Laut Vorstand Hubertus Primus will die Stiftung dem Kunden nur "eine Waffengleichheit auf dem riesigen Produktmarkt bieten". Das versucht sie nun seit 50 Jahren. Auch Firmen in OWL wurden schon genauer unter die Lupe genommen.

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