Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

Gütersloh

John B. Emerson verteidigt beim Bertelsmann-Forum das Freihandelsabkommen

US-Botschafter wirbt für Werte

John B. Emerson lotet die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Amerikanern und Deutschen aus. - © Raimund Vornbäumen
John B. Emerson lotet die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Amerikanern und Deutschen aus. (© Raimund Vornbäumen)

Gütersloh. Die Welt verändere sich rasant. Was bleibt, seien die Werte. Die nämlich teilten Deutsche und US-Amerikaner, ist sich Barack Obamas Mann in Berlin sicher. Damit das die illustre, aber nicht vollzählig erschienene Runde des Bertelsmann-Forums versteht, wiederholt US-Botschafter John B. Emerson das Wort zigmal an diesem Abend.

"Die transatlantischen Beziehungen in Zeiten des Wandels", lautet Emersons Thema. Die könnten besser sein, denn die Deutschen hadern mit dem großen Bruder, weil der nicht nur die deutsche Kanzlerin abhörte, sondern auch deren Volk. Dabei steht für Emerson mit Blick auf die Vielzahl regionaler Konflikte auf dem Globus fest: "Die Zusammenarbeit der Dienste war selten so wichtig wie heute."

Den Vergleich zur Staatssicherheit zieht Emerson ungewollt selber, als er einen Tag nach dem 9. November erklärt, dass Amerikaner und Deutsche verschiedene Traumata durchlitten hätten. Die Deutschen die Nazis und die SED, die Amerikaner den 11. September 2001. Trotz dieser Prägungen sei man "gemeinsamen Werten" verpflichtet, die Emerson sucht und bei den Gründungsvätern der Vereinigten Staaten (1776 ) findet. Menschenrechte und Demokratie hätten schließlich 200 Jahre später (grob geschätzt) auch in das Grundgesetz der Bundesrepublik Einzug gehalten.

In Abwesenheit von Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn lobt er deren verstorben Mann Reinhard als sozial engagierte Unternehmerpersönlichkeit, die "leidenschaftlich daran geglaubt hat, das Eigentum verpflichtet", und nimmt Konzern und Stiftung in die Pflicht. Beide könnten – und täten gut daran – dazu beitragen, dass das Vertrauen zwischen Amerikanern und Deutschen wieder wachse. "Die Stiftung ist Kult in Amerika", sagt er Bertelsmann-Chef Thomas Rabe und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Christoph Mohn, die ihm in der ersten Reihe lauschen.

Die dürfte mit Blick auf ihr Amerika-Geschäft eher Emersons fast emphatisches Plädoyer für das in Deutschland sehr umstrittene und im Geheimen verhandelte atlantische Freihandelsabkommen TTIP interessiert haben: "Das transatlantische Freihandelabkommen ist eine Möglichkeit, die Globalisierung zu lenken und zu steuern." Den Kritikern schreibt Emerson ins Stammbucht, dass ausdifferenzierte demokratische Gebilde wie die Vereinigten Staaten und die Europäische Union nicht angetreten seien, um Verbraucherechte zu beschneiden und Europa auf nordamerikanische Standards abzusenken. Der US-Botschafter verspricht, dass man das beschließen werde, was Kunden und Verbraucher am besten schütze. Gleiches gelte für die Regeln, die Unternehmen und Konzerne zu befolgen hätten. Sein Kronzeuge dafür ist Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, den er gleich dreimal zitiert.

Er lobt deutsche Stimmen, die mehr politische Verantwortung für das ökonomische Schwergewicht Europas fordern und sieht im Bürgerkrieg in Syrien, dem IS-Terror im Irak, dem Atomwaffenprogramm im Iran dem Krieg in Afghanistan und der Ebola-Epidemie in Westafrika Herausforderungen, die kein Staat der Erde allein meistern könne. Deutsche und Amerikaner bewiesen vor dem Hintergrund der geteilten Werte täglich , dass sie helfen könnten. Und dann findet der einstige Investmentbanker Emerson noch einen Wert, der bei Bertelsmann, der selbsternannten "Heimat der Kreativen" auf fruchtbaren Boden fällt: Die Innovationsfähigkeit und das freie Unternehmertum sei beiden Völkern quasi in die DNA geschrieben.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.