Bielefeld/Berlin. Wenn Eltern Rat suchen, wenden sie sich vor allem an eine Person: an die Lehrerin oder den Lehrer ihres Kindes. Das geht aus einer Studie hervor, die das Allensbach-Institut im Auftrag der Vodafone-Stiftung veröffentlicht hat. Die Studie nimmt auch die verschiedenen Bewertungen von Eltern aus unterschiedlichen sozialen Schichten in den Blick. Die Differenzen sind oft extrem.
Sieben von zehn Müttern oder Vätern wenden sich an den Pädagogen ihrer Kinder, wenn sie Beratungsbedarf in Bildungsfragen haben. 64 Prozent finden den Ratschlag, den sie bekommen, gut und hilfreich. Auch andere Eltern sind der Studie zufolge gute Ansprechpartner. 69 Prozent der befragten Mütter und Väter wenden sich auch an sie. Mit ihren Ratschlägen ist aber nur knapp die Hälfte zufrieden.
- Die Studie nimmt Erziehungsideale unter die Lupe, die sich gewandelt haben.
- Es gebe eine Rückbesinnung auf an sich konservative Werte wie Höflichkeit und gutes Benehmen (89 Prozent).
- Es folgen Verantwortungsbewusstsein, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein.
Für die Studie sind 1.126 Eltern, deren Kinder zu einer allgemeinbildenden Schule gehen, befragt worden. Dabei fallen die Antworten von Eltern aus sozial schwachen Schichten und die von Müttern und Vätern aus höheren sozialen Schichten oft sehr unterschiedlich aus.
So wollen Eltern aus sozial schwachen Schichten zwar, dass ihre Kinder später besser gestellt sind als sie selbst. Dafür halten 52 Prozent einen mittleren Bildungsabschluss aber für ausreichend, nur knapp jeder Dritte hat als Ziel für sein Kind das Abitur. Eltern aus höheren sozialen Schichten sind ambitionierter. Rund 90 Prozent wollen für ihr Kind die Hochschulreife.
Auch bei der Einschätzung dazu, wie Kinder in der Schule zurechtkommen, zeigen sich deutliche Unterschiede: Nur gut 40 Prozent der sozial benachteiligten Eltern meinen, dass ihr Kind in der Schule gut zurechtkommt. Bei den sozial besser gestellten Eltern sind es dagegen mehr als 70 Prozent.
Eiko Jürgens, Bildungsexperte an der Universität Bielefeld, kritisiert die Studie: "Sie berücksichtigt nicht, dass es Chancenungleichheit zwischen den jeweiligen Schichten gibt." Außerdem bemängelt er das aufstiegsorientierte Verständnis von Bildung. Dass der Lehrer Ansprechpartner Nummer eins ist, sei auch nicht verwunderlich. "Immerhin ist der Pädagoge die Person, die am nächsten am Kind dran ist", erklärt Jürgens. Außerdem sei er ausgebildeter Fachmann in Sachen Erziehung und Bildung.
In einem Punkt stimmt Jürgens der Studie zu: Eltern - egal aus welcher sozialen Schicht - sind sich in Erziehungsfragen eher unsicher. "Es gibt unzählige Konzepte, Eltern probieren viel aus", sagt Jürgens. Aber die Erziehung sei nicht allein Aufgabe der Eltern. "Auch die Schule hat diesen Auftrag." Dabei habe sie die Aufgabe, eine einheitliche Erziehung herzustellen, an die sich die Kinder im System Schule halten. "Dazu müssen Elternhaus und Schule zusammenarbeiten."
Das sieht das Schulamt der Stadt Bielefeld ähnlich. In der sogenannten Gestaltungspartnerschaft sind Schulen und Eltern im vergangenen Jahr an einen Tisch gekommen. "Die Eltern sind Experten für ihr Kind", sagt Georgia Schönemann, Leiterin der Abteilung Schulentwicklung. Der Schule müsse es gelingen, die Eltern über ihre Bildungs- und Erziehungsmaßnahmen so zu informieren, dass es nicht zu Missverständnissen komme. Das gelte auch umgekehrt.