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Bielefeld

Bielefelder Fotograf für CNN-Preis nominiert

Julius Schrank überzeugt mit seiner Reportage „Schatten über dem neuen Burma“ / Bekanntgabe der Gewinner am 24. März in London

Bielefeld. Mit einer Kompaktkamera hat Julius Schrank als Schüler seine ersten Aufnahmen gemacht. 20 Jahre später zählt der Bielefelder Fotograf zu den 15 Nominierten des renommierten CNN-Journalist-Award. Seine Bilder aus Burma konnten die Jury überzeugen.
„Selbstverständlich ist das schön, wenn man zu den letzten gehört.“ Schrank ist kein Typ, der vorschnell jubelt. Noch ist nichts entschieden und bis zur Preisvergabe am 24. März im Londoner Studio des amerikanischen TV-Senders alles offen.
„Schatten über dem neuen Burma“ hat der Fotograf seine Reportage betitelt. Für diese beeindruckenden Aufnahmen bereist er seit 2012 das Land zwischen Indien, China und Thailand. Noch herrscht Bürgerkrieg in manchen Teilen der Republik, die auch unter dem Namen Myanmar bekannt ist. „Viele Gruppen befinden sich in Konflikten mit der Regierung“, erzählt Schrank. „Es herrscht Bürgerkrieg.“

"Düstere Seiten Burmas noch unbekannt"
Erst Anfang dieser Woche hat die Polizei in Burma eine Studenten-Demonstration gewaltsam aufgelöst und 100 Menschen festgenommen.
Auf seinen Reisen hat Schrank immer wieder Rebellen begleitet, oft wochenlang, die Kamera stets einsatzbereit. Scharfschützen mit erhobener Waffe hat er fotografiert, den Finger am Abzug.
Vielen Asientouristen seien diese düsteren Seiten Burmas nicht bekannt, erläutert der Fotograf. Mit seiner Arbeit will er das ändern. Wenn er dafür den renommierten CNN-Preis bekäme - umso besser. „Dann könnte ich ein größeres Publikum erreichen.“

Fotos, die berühren
Seine Fotos, die das Ausmaß dieses Krieges und seine Auswirkung für die Bewohner festhalten, berühren, denn: Kinder auf Müllkippen, Menschen knöcheltief im Schlamm beim Versuch einen Lastwagen anzuschieben, eine Frau, die einen gewundenen Stacheldraht als Wäscheleine nutzt.
Friedlich muten dagegen die Szenen an, die Schrank in Schulen und Klöstern festgehalten hat: Kinder beim gemeinsamen Mahl an einem Holztisch, Jungen und Mädchen beim Gebet, eine Klasse mit Schulkindern.
Seine ersten Fotos nahm Schrank mit einer Plastik-Kompaktkamera auf. Zu dieser Zeit lebte er noch in Bielefeld. Die Eltern hatten ihrem Sohn das Gerät mit auf die Klassenfahrt nach Langeoog gegeben. Es war die Zeit nach dem Wechsel von der Eichendorff-Grundschule zur Martin-Niemöller-Gesamtschule. Im Anschluss entschied er sich für eine Ausbildung zum Grafik-Designer am Berufskolleg Senne.

Leben in Amsterdam
Mit 18 verließ Schrank die Stadt, machte sich auf nach Australien. Ein Jahr blieb er dort, erkundete das Land und finanzierte die Reise mit unterschiedlichen Jobs. Zurück in Deutschland studierte er in Hannover Fotojournalismus.
Amsterdam ist heute sein Lebensmittelpunkt. Als freier Fotograf arbeitet der Bielefelder dort auch für die niederländische Tageszeitung De Volkskrant.
Aktuell heißt sein zentrales Thema Burma. „Ein Langzeitprojekt, von dem ich nicht weiß, wann es einmal abgeschlossen sein wird“, sagt Schrank. Dass er damit jetzt für einen Preis nominiert wurde, sieht er als Chance, das Thema auf verschiedenen Ebenen voranzutreiben und bekannt zu machen – mit Ausstellungen oder Büchern. Wie hoch die Auszeichnung dotiert ist, weiß er bis heute nicht genau.
Der CNN-Journalist-Award ist der Nachwuchspreis für Auslandsjournalismus von CNN International. Er prämiert Print-, Radio-, TV-, Online- und Fotobeiträge von Nachwuchsjournalisten.

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