Herford. Für eine einzelne Person ist es eine große Serie: Weit mehr als 100 Mal soll eine Herforderin als Diebin vor allem in der Innenstadt unterwegs gewesen sein. Belangt werden kann sie nicht. Die 48-Jährige ist erkrankt, wird betreut und lebt in einem Heim. Das führt nun wiederum zu Problemen bei Polizei, Geschäftsleuten und Opfern - denn die Frau kann zwar gefasst, aber bisher nicht von ihren Taten abgehalten werden.
"In den vergangenen zwölf Monaten wurde die Frau 100 Mal im Kreis Herford als Beschuldigte in Fällen von Eigentumsdelikten geführt", erklärt Polizeisprecher Michael Albrecht. Zu den Taten, die bereits weit früher einsetzten, zählten vor allem einfache Diebstähle, aber auch Einbrüche. Laut der Anzeigen schlich sie sich etwa in Läden in der Innenstadt aber auch in Häuser. Ein Opfer hat bereits ein Anwältin eingeschaltet und geht juristisch gegen die Frau vor.
Die Kreispolizei veröffentlichte im Februar zwei Mal Bilder von Gegenständen wie Schlüsseln und Brillen, die bei der Frau gefunden worden waren, damit sich deren Eigentümer melden.
Frau ließ sich in einem Herforder Geschäft einschließen
Einer der gravierendsten Fälle: Die Frau ließ sich an einem Abend in einem Herforder Geschäft einschließen, bediente sich in der Auslage - und wurde kurze Zeit später mit vollen Taschen gestoppt. Aktuell wurde sie am Mittwoch nach einem Diebstahl in einem Haus am Wall festgenommen. Die Besitzerin, die kurz im Keller gewesen war, hatte sie bei der Tat überrascht.
Zuvor war die Frau bei einem Diebstahl in der Innenstadt von einem Geschäftsmann angezeigt worden: "Wir haben ein offenes Lager. Als unsere Mitarbeiterin allein war und eine Kundin beriet, hat sie sich ins Lager geschlichen und die Jacke der Mitarbeiterin durchsucht", erzählt er. Als die Mitarbeiterin dazu kam, schmiss sie die Frau raus - ohne zu merken, dass die längst ihre Portemonnaie mitgenommen hatte.
"Die Frau braucht ohne Zweifel Hilfe. Deshalb steht sie unter Betreuung. Aber offensichtlich klappt es bisher mit dieser Betreuung überhaupt nicht", stellt der Geschäftsmann, der anonym bleiben möchte, fest.
Unbelehrbare Diebin lebt seit Kurzen in einer neuen Einrichtung
Die unbelehrbare Diebin lebt seit Kurzen in einer neuen Einrichtung. Sie nutzte die Notausgänge, um aus dem Bereich zu entwischen. Irgendwann wird sie als vermisst gemeldet und muss von der Polizei zurück gebracht werden.
Aufgefallen ist die Frau in der Vergangenheit oft auch nach den Diebstählen. Kunden in der Innenstadt, so die Beoachtungen des Geschäftsmannes und eines Detektivs, reagierten verstört und entsetzt, wenn sie festgenommen und in Handschellen abgeführt wurde - und sich dagegen wehrte. "Für denjenigen, der die Situation nicht kennt, wirkt das sicher nicht nachvollziehbar", sagt Polizeisprecher Michael Albrecht. "Das lässt sich in der Situation aber nicht ändern. Wenn sie sich zu Wehr setzt, müssen wir auch Zwang einsetzen."
Strafrechtlich relevant sind die Diebstähle nicht - bei Gefahren für Menschen müssten Polizei und Justiz einschreiten, nicht aber bei Gefahr für das Eigentum anderer. In der Einrichtung, in der die Frau aktuell untergebracht ist, verwies man auf die Schweigepflicht und gab keine Stellungnahme zu der Situation ab.
Kommentar: Ausgelagert
Gesellschaftliches Ziel muss es sein, psychisch kranke und suchtkranke Menschen bei ihrer Eingliederung und ihrer Teilhabe am Leben zu unterstützen. Im aktuellen Herforder Fall geht das aber offenbar an die Kräfte aller Beteiligten. Die Polizei muss einschreiten, wenn Taten begangen werden. Sie muss sich aber genauso wie die betroffenen Geschäftsleute und die Diebstahlsopfer darauf verlassen können, dass Betreuer alles dafür tun, es nicht zu weiteren Taten kommen zu lassen. Angesichts 100 registrierter Delikte binnen eines Jahres drängt sich der Eindruck auf, dass die Verantwortlichen, die höchst wahrscheinlich um die rechtliche Situation wissen, das Diebstahlsproblem auslagern.