Bielefeld. Eine Arminia-Fahne hat gestern und am Samstag in den sozialen Netzwerken für Aufregung gesorgt. Ein Ordner, der am Rand des Fanblocks von Preußen Münster stand, hatte den Preußen die DSC-Fahne entrissen. Die Fans in den Netzwerken nennen den Mann, dessen Identität gestern nicht geklärt werden konnte, "Derbyheld".
Außerdem schlagen die Fans für den Ordner eine Gehaltserhöhung vor und sagen, dass er noch am Zaun hätte gefeiert werden müssen. Wie die Preußenfans in den Besitz der DSC-Fahne kamen, blieb ebenfalls ungeklärt.
Auch ansonsten war das Spiel nicht ohne: Bellende Diensthunde der Bundespolizei, blaugrüne Rauchschwaden von gezündeter Pyrotechnik, Einsatzhundertschaften der Polizei aus Recklinghausen und Bielefeld in Schutzwesten und Helm, es ist Risiko-Spieltag in Bielefeld.
Was am Spieltag geschieht
Samstagmorgen: Rund 400 Fans von Preußen Münster sind gerade mit dem Regionalexpress eingetroffen und ziehen grölend durch den Bahnhofstunnel Richtung Boulevard. Der freundliche Hinweis, man möge die bereitstehenden Shuttle-Busse zum Stadion nutzen, wird ignoriert.
Absperrungen werden übersprungen, die Fans wählen den Fußmarsch über die Jöllenbecker Straße. "Wir sind darauf vorbereitet", sagt Dirk Butenuth, Polizeieinsatzleiter. "Wir können so etwas gerade noch tolerieren." Einsatzkräfte begleiten die Fans. Wenig später fliegen Böller, auch in Richtung Polizei. Fünf Beamte werden verletzt, müssen im Krankenhaus behandelt werden. Weitere Fangruppen aus Münster treffen am Bielefelder Bahnhof ein. Jetzt kommen auch die fünf Shuttlebusse von MoBiel zum Einsatz.
Nachdem Dosen und Flaschen entsorgt sind, und nach einem kurzen Abstecher in sieben aufgestellte Dixi-Klos vor dem Cinemaxx, treten rund 650 Fans die kostenlose Tour Richtung Alm an. Was gegen den MSV Duisburg also schon reibungslos klappte, könnte für zukünftige Spiele eine Lösung sein, wenn denn die Fans nur mitspielen.
Wilde Schlägerei nach dem Spiel
Die den Fußmarsch zur Alm wählten, fallen auch nach dem Schlusspfiff unangenehm auf. Der Frust über die 1:2 Niederlage war vermutlich groß. Hinter der Gästetribüne durchbrechen sie eine Absperrung zu den Arminia-Fans und liefern sich eine wilde Schlägerei. Erst Reizgas bringt sie zur Besinnung. Drei Ordner, sechs Polizisten, 13 "Fußballfans" und zwei Unbeteiligte werden dabei verletzt.
Um 18 Uhr ist dann die Stadt wieder frei von Anhängern Preußen Münsters. Die Polizeikräfte rücken ab. In den nächsten Tagen will der Ausschuss "Sport und Sicherheit" wieder tagen. Ein Thema soll dabei der zukünftige Einsatz von Shuttle-Bussen für auswärtige Fußballfans sein.
Die Rettungsdienste aus Arbeiter-Samariter-Bund, Deutschem Roten Kreuz und Johanniter Unfallhilfe berichten von 32 Hilfeleistungen, vier Rettungstransporten und einer Person, die vom Notarzt versorgt werden musste.