Bielefeld. Thomas Keitel, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes OWL, hat mit den Betreibern der betroffenen Lokale gesprochen. Sie möchten sich einzeln nicht äußern, arbeiten aber an einer gemeinsamen Stellungnahme.
"Keiner der Betriebe will Menschen diskriminieren"
"Keiner der Betriebe will Menschen diskriminieren. Es gibt Diskotheken, in denen über 40 Prozent der Gäste und des Personals einen Migrationshintergrund haben", betont er. Der Gaststättenverband werde sich jetzt mit den Inhabern der Bielefelder Clubs zusammensetzen, um zu sehen, was man verbessern könne. Keitel: "Eine Patentlösung habe ich nicht.""Diskriminierung an der Tür ist eine Schande. Es darf nur sachgerechte Gründe dafür geben, jemanden abzuweisen. Die gibt es beispielsweise, wenn jemand betrunken oder aggressiv ist", sagt Keitel. Allerdings: Größere Gruppen von Männern seien durchaus ein Problem. Damit hätten einige Diskotheken schon schlechte Erfahrungen gemacht. Die Diskos würden mit Sicherheitsfirmen zusammenarbeiten. Deren Personal müsse geschult sein. Häufig hätten die Mitarbeiter dieser Firmen selbst einen Migrationshintergrund.
"Gesetzeswidrig"
Emir Ali Sag vom städtischen Amt für Integration sieht darin eine gezielte Personalpolitik: "Man vermeidet Probleme, da Ausländer angeblich keine Ausländer diskriminieren können." Aber Einlasskontrollen, bei denen Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer Herkunft abgewiesen oder nach Ausweisen oder Aufenthaltsgenehmigungen gefragt würden, seien gesetzeswidrig.
Ausweise wurden auch beim Disko-Test am Wochenende verlangt. In etlichen Tanzlokalen wird nicht bar, sondern über Getränkekarten abgerechnet. Gezahlt wird erst am Ausgang. Man wolle nicht auf Kosten sitzenbleiben, wenn Karten verloren gegangen seien oder Gäste kein Geld hätten, begründete ein Türsteher.
"Kennen das Problem seit Jahren"
"Wir kennen das Problem seit Jahren, wir haben auch schon das Ordnungsamt eingeschaltet. Dass sich Diskotheken entschuldigen, ist eine Ausnahme", berichtet Sag. Noch in dieser Woche will der Bielefelder Integrationsrat das Gespräch mit dem Gaststättenverband suchen. "Es muss sich endlich etwas ändern", sagt Mehmet Ali Ölmez, Vorsitzender des Integrationsrates. Er betont auch: "Ich bin stolz auf die Bielefelder, die so viele Flüchtlinge aufgenommen haben. Deshalb machen mich die Diskriminierungen besonders traurig."In Herford will Bürgermeister Tim Kähler, früher Sozialdezernent in Bielefeld, demnächst mit den Betreibern von Diskotheken sprechen.