Gütersloh (nw). Ungebremst und offenbar mit voller Absicht raste ein 23-jähriger Gütersloher in der Nacht zu Freitag auf dem Rastplatz Gütersloh-Nord in einen mit Flüssiggas gefüllten Lkw-Anhänger. Durch die Wucht des Aufpralls riss ein Rad ab. Auto und Auflieger gingen sofort in Flammen auf. Der junge Mann verbrannte gegen 0.38 Uhr in seinem Chevrolet. Was wie ein tragischer Unfall aussah, stellte sich kurz darauf als vollendeter Suizid heraus. Auch, wenn die Polizei den Umstand gestern noch nicht offiziell bestätigen wollte: Nach gesicherten NW-Informationen fanden Beamte einen Abschiedsbrief in der Wohnung des 23-Jährigen.
Über mehrere Stunden versuchte die Feuerwehr, eine drohende Explosion des Leck geschlagenen Anhängers zu verhindern. Obwohl sich nach Angaben des Lkw-Fahrers nur noch Restmengen im Tank befand, strömte auch Stunden nach dem Crash noch immer Gas aus. Das Feuer bekämpften die Retter mit Schaum. Anschließend wurde der Tank gekühlt. Eine Explosion konnte erst mittags ausgeschlossen werden.
Wegen der Explosionsgefahr sperrten die Einsatzkräfte die A 2 in beide Richtungen. Im Rückstau kam es zu zwei weiteren tödlichen Unfällen, bei denen drei Erwachsene getötet und zwei Kinder verletzt worden sind. Ein 37 Jahre alter Familienvater hatte gegen 10 Uhr zwischen Herzebrock-Clarholz und Rheda-Wiedenbrück offenkundig das Stauende übersehen. Er raste mit dem Auto nahezu ungebremst unter einen Lastwagen. Es fanden sich später keine Bremsspuren. Der Mann aus Duisburg und seine 35-jährige Ehefrau starben noch an der Unfallstelle. Ihre beiden Kinder - 10 und 14 Jahre alt - mussten auf der Rückbank notärztlich behandelt werden und wurden schwer verletzt in ein Krankenhaus nach Hamm eingeliefert.
Teenager verlieren ihre Eltern
Nach NW-Informationen soll das Handy des Vaters sichergestellt worden sein. Ob der 37-jährige Unfallfahrer möglicherweise durch das Mobiltelefon abgelenkt gewesen sein könnte, dazu wollte sich die Polizei nicht äußern. Zwei Notfallseelsorger kümmerten sich am Nachmittag um die Einsatzkräfte der Oelder Feuerwehr, damit sie die Bilder des schweren Unfalls ohne Spätfolgen verarbeiten können.
Etwa zwei Stunden bevor die Familie verunglückte und nur wenige Kilometer entfernt verlor ein 50 Jahre alter Lastwagenfahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug. Vermutlich aufgrund eines Herzinfarkts kam der Fahrer eines Feinkostbetriebes mit seinem Lkw nach rechts von der Fahrbahn ab. Hierbei fuhr er mit der linken Fahrzeugfront rechtsseitig auf das Heck des vor ihm in Schrittgeschwindigkeit fahrenden Lkw auf. Der 50-jährige Fahrer wurde durch die Feuerwehr aus dem Führerhaus geborgen und verstarb noch an der Unfallstelle.
Erst nach der mehrstündigen Bergung aller Unfall-Fahrzeuge und des Anhängers - teils durch Spezialkräne - konnte die Polizei die Autobahn gestern Mittag wieder freigeben. (mit dpa)