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Bielefeld

Künstliche Intelligenz: Bielefelder Forscher entwickeln das Wohnen der Zukunft

Facebook-Gründer träumt davon / An der Universität Bielefeld wird das „KogniHome“ schon entwickelt

Bielefeld. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat sich ein neues Ziel gesetzt. Er will einen intelligenten Computer-Butler für sein Haus programmieren, um sein Zuhause mit Hilfe künstlicher Intelligenz zu steuern, wie er im Facebook-Eintrag ankündigte. Der digitale Assistent solle seine Sprache verstehen, um Musik, Beleuchtung oder Temperatur steuern zu können. Auch soll der Roboter Freunde nach einem Blick auf ihre Gesichter erkennen und hereinlassen, wenn sie an der Tür klingeln. Als Vorbild nennt der 31-Jährige die Iron-Man-Filme, in denen Tony Stark mit einem Computer namens Jarvis spricht, der quasi alle Funktionen im Haus des Superhelden steuert.

An der Universität Bielefeld werden einige von Zuckerbergs Träumen bereits entwickelt. Auch in Bielefeld geht es um mehr als ein Smart Home. Im Projekt „KogniHome" forschen das Citec der Uni Bielefeld, ostwestfälische Unternehmen und soziale Dienstleister seit August 2014 gemeinsam am Wohnen der Zukunft. „Ziel ist ein langes selbstbestimmtes Leben bis ins Alter in der eigenen Wohnung", sagt Projektkoordinator Thorsten Jungeblut.

Dafür sollen die eigenen vier Wände mit unsichtbaren Recheneinheiten (Mini-Computern) und Sensorik (Kameras, Mikros, Bewegungsmelder) ausgestattet und intelligent vernetzt werden. Zur Steuerung von Haustür oder Kochgeräten soll nicht die beim Smart Home übliche Bedienungsschnittstelle (Handy, Terminal an der Wand) dienen, sondern Sprache und Gestik. Der erste Prototyp einer intelligenten Wohnung soll bis Juli 2017 fertig sein.

Dabei helfe den Bewohnern ein digitaler Assistent, Avatar genannt. „In der Küche beobachtet uns das virtuelle Gegenüber, sprich ein sogenannter Rezeptspurhalte-Assistent, beim Kochen", erläutert Jungeblut. „Klingelt es an der Haustür, wird der Kochvorgang automatisch unterbrochen, damit die Milch nicht überkocht, wenn der Besuch begrüßt wird." Die intelligente Vernetzung von Küche und Haustür mache dies möglich.

Auch eine intelligente Garderobe wird entwickelt. Schneit es draußen und will das Kind ohne Jacke rausgehen, „sagt der Avatar, dass es draußen kalt ist", so Jungeblut. Die virtuelle Person kann im Display erscheinen oder auch als Stimme aus dem „Off" kommen. Auch die Haustür soll durch Datentechnik intelligent und damit sicherer werden. Geht der „Schlüssel" verloren, sind weitere Erkennungsmerkmale wie Gesichtserkennung oder Sprache zur Türöffnung nötig. „Dies kann auch für Freunde eingestellt werden, damit sie problemlos in die Wohnung gelangen." Im umgekehrten Fall könnten beispielsweise Altersverwirrte, die das Haus verlassen wollen, dabei kontrolliert werden. „Aber sie sollen nicht eingesperrt werden." Statt eines Pförtners werde eben ein Sensor zur Türkontrolle eingesetzt, sagt Matthias Stahl, der bei Miele das KogniHome-Teilprojekt „Digitale Küche" verantwortet. Er betont: „Menschen sollen selbstbestimmt bis ins Alter mit digitaler Technik umgehen können, ohne von ihr bestimmt zu werden." Allerdings hält er Zuckerbergs Vorbild für sehr hollywoodlastig. Zudem sieht er in ethischer Hinsicht für den Einsatz von künstlicher Intelligenz europaweit Nachholbedarf.

Zuckerberg weist Warnungen, schlaue Maschinen könnten für Menschen gefährlich werden, als „weit hergeholt" ab.

Dafür sollen die eigenen vier Wände mit unsichtbaren Recheneinheiten (Mini-Computern) und Sensorik (Kameras, Mikros, Bewegungsmelder) ausgestattet und intelligent vernetzt werden. Zur Steuerung von Haustür oder Kochgeräten soll nicht die beim Smart Home übliche Bedienungsschnittstelle (Handy, Terminal an der Wand) dienen, sondern Sprache und Gestik. Der erste Prototyp einer intelligenten Wohnung soll bis Juli 2017 fertig sein.

Dabei helfe den Bewohnern ein digitaler Assistent, Avatar genannt. „In der Küche beobachtet uns das virtuelle Gegenüber, sprich ein sogenannter Rezeptspurhalte-Assistent, beim Kochen", erläutert Jungeblut. „Klingelt es an der Haustür, wird der Kochvorgang automatisch unterbrochen, damit die Milch nicht überkocht, wenn der Besuch begrüßt wird." Die intelligente Vernetzung von Küche und Haustür mache dies möglich.

Information
Projekte an der Uni Bielefeld
  • KogniHome ist ein regionales Projekt mit 14 Partnern aus Forschung, Industrie sowie Sozial- und Gesundheitswesen.

  • Organisiert wird es vom Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (Citec) der Uni Bielefeld.

  • Das Projekt wird vom Bundesforschungsministerium mit acht Millionen Euro gefördert.

  • Mit dem weiteren Projekt „Cognitive Service Robotics Apartment as Ambient Host" beteiligt sich das Citec an der interdisziplinären (Weiter-) Entwicklung eines intelligenten Apartments. Hier kommt zusätzlich ein Service-Roboter zum Einsatz.

  • So ist der Fußboden mit Sensoren ausgestattet. Stürzt ein Senior, hilft ihm der Roboter beim Aufstehen.
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat für das neue Jahr große Pläne. - © dpa

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