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Detmold/Neubrandenburg

Prozess in Neubrandenburg vertagt: Früherer SS-Mann meldet sich krank

Verhandlung gegen mutmaßlichen Auschwitz-Täter stockt schon zu Beginn

Detmold/Neubrandenburg. Ein Prozess gegen Hubert Zafke, einen ehemaligen SS-Mann, wegen Beihilfe zum Mord im Vernichtungslager Auschwitz ist in Neubrandenburg vertagt worden, weil der Angeklagte nicht erschien. Der 95-Jährige sei krank, sagte Richter Klaus Kabisch im voll besetzten Gerichtssaal. Demnach teilte eine Ärztin mit, dass der Mann unter hohem Blutdruck leide und Suizidgedanken habe. Außerdem hatte er sich vor einigen Tagen einen Arm gebrochen.

Der Neubrandenburger Prozess ist der zweite Auschwitz-Prozess in diesem Jahr. In Detmold hat, wie berichtet, bereits am 11. Februar die Verhandlung gegen einen 94-jährigen ehemaligen SS-Wachmann aus dem lippischen Lage begonnen. Der dortige Prozess soll am Freitag, 11. März, mit dem sechsten Verhandlungstag fortgesetzt werden.

Das Landgericht Neubrandenburg ordnete eine Überprüfung der Verhandlungsfähigkeit des ehemaligen SS-Sanitäters durch einen Amtsarzt an. Vor dem nächsten Verhandlungstermin am 14. März soll der Angeklagte noch einmal eingehend von einem Facharzt und einem psychiatrischen Gutachter untersucht werden. Auch seine Transport- und Verhandlungsfähigkeit soll noch einmal begutachtet werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Rentner Beihilfe zum Mord in mindestens 3.681 Fällen vor. Als SS-Sanitäter soll er ab Mitte August 1944 einen Monat in Auschwitz-Birkenau stationiert gewesen sein. In der Zeit seien dort 14 Deportationszüge mit Häftlingen angekommen. Von diesen seien mindestens 3.681 Menschen in Gaskammern umgebracht worden.

Zafke hat mit Peter-Michael Diestler einen bekannten Verteidiger. Diestel (CDU) war letzter Innenminister der DDR im Kabinett von Lothar de Maiziere (CDU) und später Präsident des Profi-Fußballclubs Hansa Rostock. Der Anwalt bestreitet eine Schuld seines Mandanten. Er habe in seiner Zeit in Auschwitz andere SS-Leute und Soldaten betreut. Die Staatsanwaltschaft hofft dagegen auf eine Verurteilung des Mannes: „Für uns ist klar, er hat sich schuldig gemacht", sagte Staatsanwalt Thomas Bardenhagen.

Ähnliche Verfahren wie in Detmold und Neubrandenburg gegen ehemalige SS-Angehörige laufen zurzeit in Hanau (Hessen) und Kiel (Schleswig-Holstein). In dem Fall gegen den Mann aus der Nähe von in Neubrandenburg wurde seit zwei Jahren ermittelt. Die Kammer hatte ein Verfahren gegen den Rentner 2015 aus gesundheitlichen Gründen zunächst abgelehnt. Das Oberlandesgericht hatte die Verhandlung anhand eines neuen Gesundheitsgutachtens dann aber angeordnet.

Der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees Christoph Heubner bezeichnete die Vertagung als „offensichtliche Verzögerungstaktik, die respektlos gegenüber den Opfern ist."

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