Bielefeld. Europa wächst zusammen. Zumindest auf der Telefonrechnung. Am 15. Juni 2017 werden sämtliche Roaming-Gebühren gestrichen, also die Kosten, die Mobilfunk-Anbieter ihren Kunden in Rechnung stellen, wenn sich ihr Handy im Netz eines ausländischen Anbieters einwählt. Die drei großen deutschen Telekommunikations-Unternehmen Vodafone, O2 und Telekom reagieren jetzt schon und schaffen teilweise die Gebühren für Telefonate und mobile Internetnutzung im europäischen Ausland ab. Allerdings nur für Neukunden und Vertragswechsler.
„Die Datennutzung für Messengerdienste und soziale Netzwerke nimmt immer weiter zu, um auch im Urlaub mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben. Diesem veränderten Nutzungsverhalten tragen wir Rechnung", sagt Dirk Wende, Sprecher der Telekom. „Ab dem 19. April profitieren davon Neukunden und Kunden, die ihren Vertrag verlängern".
Vodafone ändert die Gebühren zum 14. April. „Dann schaffen wir für Neukunden und Vertragsverlängerer in den meisten Tarifen die Roamingzuschläge in der EU ab", sagt Hannes Ametsreiter, Vodafone-Geschäftsführer. Für Bestandskunden sind keine Änderungen vorgesehen. „Das Problem ist uns bewusst, aber unser primäres Ziel ist, zu wachsen", sagt Vodafone-Sprecher Thorsten Hoepken. Für Kunden, die gerade erst einen neuen Vertrag abgeschlossen hätten, könne es sich lohnen, ihren Händler vor Ort darauf anzusprechen.
„Wir können da pauschal keine Zusagen machen, aber Gutschriften oder Boni sind durchaus denkbar", sagt Hoepken. Für Ende April kündigt Vodafone zudem den Wegfall der Roaming-Gebühren im Prepaid-Bereich an.
O2 plant keine aktuellen Tarifänderungen. Bereits seit einem Jahr würde das Unternehmen ohne Aufpreis Tarife anbieten, in denen das Telefonieren und die Internetnutzung in der EU enthalten seien, erklärt O2-Sprecher Albert Fetsch.
„Außerdem haben wir einen Auslands-Tagestarif, der nur bei tatsächlicher Nutzung berechnet wird." Miriam Rusch von der Verbraucherzentrale NRW sieht diese Entwicklung positiv. „Kunden sollten aber darauf achten, ob die Auslands-Gebühren tatsächlich entfallen und nicht nur ein bestimmtes Daten-Kontingent frei davon ist." Ein Sonderkündigungsrecht für Bestandskunden komme nicht zum Tragen: „Das gibt es nur, wenn zum Nachteil des Nutzers in bestehende Verträge eingegriffen wird." Mitte Juni 2017 tritt die EU-Verordnung in Kraft. Dann gibt es gar keine Roaming-Gebühren mehr.
Aktuelle Roaming-Gebühren
Zurzeit ist der Höchstpreis für einen ausgehenden Handyanruf 23 Cent pro Minute. Wer angerufen wird, zahlt bis zu 6 Cent. Der Preis für eine SMS liegt bei rund 7 Cent, der Höchstpreis für ein Megabyte Daten bei etwa 24 Cent.
Ab dem 30. April 2016 dürfen Aufschläge von maximal 6 Cent pro Minute für ausgehende Anrufe, 2 Cent für eine SMS und 6 Cent für ein Megabyte Daten kassiert werden. Angenommene Gespräche dürfen gar nichts mehr kosten.