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OWL

Fotoverbot in Kitas soll Persönlichkeitsrechte der Kinder schützen

Einige evangelische Kindertagesstätten in OWL untersagen Aufnahmen - Aufwand für die Erzieher steigt

Bielefeld. Nie zuvor konnten Fotos dank Smartphones so schnell erstellt und verbreitet werden wie heute. Für die Träger von Kindertagesstätten (Kitas) wird das Fotografieren jedoch zunehmend zum Problem. Denn wer Fotos im Internet öffentlich zugänglich macht, verliert die Kontrolle darüber. Deshalb hat die evangelische Kirche von Westfalen den Leitfaden „Fotos veröffentlichen" an all ihre Einrichtungen verteilt. In einigen Kitas gilt seitdem ein Fotoverbot für Eltern.

Um die Persönlichkeitsrechte der Kinder zu schützen, dürfen Eltern in den Kitas des evangelischen Kirchenkreises Halle keine Fotos mehr machen. „Auf Aufnahmen, die in Kitas entstehen, sind in der Regel mehrere Kinder zu sehen und sie alle haben das Recht am eigenen Bild", erklärt die Kirchenkreis-Sprecherin Frauke Brauns. „Da wir nicht ausschließen können, dass diese Bilder im Internet landen und dort zweckentfremdet werden, hat sich der Kirchenkreis für das Verbot entschieden."

Auch der evangelische Kirchenkreis Gütersloh hat ein Verbot ausgesprochen, allerdings nur gegen Bilder, die Eltern mit Smartphones aufnehmen, erklärt Brauns. „Die evangelischen Kirchenkreise in Westfalen befassen sich als Träger von Kinder- und Jugendeinrichtungen mit dem Leitfaden und treffen eigenständige Entscheidungen."

Das bestätigt der Sprecher der evangelischen Kirche von Westfalen, Andreas Duderstedt. „In dem Leitfaden informieren wir alle Einrichtungen, nicht nur Kindertagesstätten, über die aktuelle Rechtslage, weil es viele rechtliche Grauzonen im Bereich der Fotoveröffentlichung gibt." Das daraus resultierende Fotoverbot in Kitas im Kirchenkreis Halle wollte Duderstedt nicht kommentieren.

Auch für die Mitarbeiter der 115 Kitas der AWO OWL ist das Fotografieren von Kindern ein sensibles Thema. „Das Fotoverbot ist nachvollziehbar", sagt AWO OWL-Sprecher Erwin Tälkers. „Pauschale Einverständniserklärungen reichen nicht mehr aus, weshalb wir Eltern immer wieder darauf hinweisen, dass Fotos, die in Kitas entstehen, ausschließlich privat genutzt werden dürfen." Dadurch steige zwar der Aufwand für die Erzieher, „doch der Aufwand ist nötig, um die Kinder zu schützen", sagt Tälkers.

Auch in den städtischen Kitas in Bielefeld wird das Thema diskutiert. „Die Erzieher führen viele Gespräche mit Eltern und weisen auf die Gefahren hin", erklärt der Geschäftsbereichsleiter städtischer Kitas, Dirk Wittler. Auch der Bielefelder kann das Fotoverbot nachvollziehen.

Eine Patentlösung für Kitas, Schulen und andere Kinder- und Jugend-Einrichtungen gebe es nach Ansicht des Bielefelder Rechtsanwalts Marcus Beckmann nicht, weil sich der Gesetzgeber noch nicht explizit zu dem Thema geäußert habe. „Generell gilt, dass das Recht am eigenen Bild zum Persönlichkeitsrecht gehört", erklärt Beckmann. „Jeder darf selbst bestimmen, welche Fotos in welchem Kontext veröffentlicht werden." Ausnahmen gebe es lediglich in der Eventfotografie bei öffentlichen Veranstaltungen. „Ansonsten muss zwingend eine Einwilligung des Aufgenommenen eingeholt werden."

Auch Kinder haben ein Recht am eigenen Bild, allerdings verfügen die Erziehungsberechtigten darüber, sagt Beckmann. „Unklar ist vielen Eltern und Einrichtungen, dass Einwilligungen immer von beiden Erziehungsberechtigten unterschrieben werden müssen."

Finden Eltern Fotos ihrer Kinder im Internet, wie zum Beispiel bei Facebook oder auf der Website des Kindergartens, können sie die weitere Verwertung verbieten. „Wenn das persönliche Gespräch nicht ausreicht, ist die Abmahnung der nächste Schritt", so Beckmann. Damit können Eltern die Abgabe einer Unterlassungserklärung einfordern.

„Schmerzensgeld kann verlangt werden, wenn es sich um eine schwere Verletzung des Rechtes des Abgebildeten handelt." Grundsätzlich rät Beckmann Eltern davon ab, Bilder ihrer Kinder online zu stellen, weil nicht kontrolliert werden könne, wer die Bilder für welche Zwecke nutzt.

Bildermissbrauch im Internet

  • Groß ist die Sorge im evangelischen Kirchenkreis Halle nach Angaben von Sprecherin Frauke Brauns auch wegen Pädophiler, die nachweislich über soziale Netzwerke wie Facebook Kinderfotos kopieren.
  • „Es besteht leider immer die Gefahr, dass Bilder weltweit abgerufen, verändert und in anderen Zusammenhängen genutzt werden", erklärt Brauns das Fotoverbot.
  • Soziale Netzwerke wie Facebook bieten Nutzern Meldefunktionen an, um Bilder löschen zu lassen.

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