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Spur der Panama-Papiere führt nach Lippe

Zehn Adressen aus der Region werden mit umstrittenen Überseeadressen
in Verbindung gebracht. Auch ein prominenter Name steht auf der Liste

Bielefeld. Anfangs gehütet wie ein Staatsgeheimnis sind die sogenannten Panama Papers jetzt frei im Internet einsehbar. Elf Spuren aus diesen Papieren führen nach OWL – darunter zum Gütersloher Medienunternehmen Bertelsmann. Drei Tochterunternehmen der früheren Bertelsmann AG, die in den 70er und 80er Jahren gegründet wurden, sollen in Panama aktiv gewesen sein.

Sprecher Stephan Knüttel schreibt dazu: „Alle Strukturen sind seit mehreren Jahren abgewickelt; Bertelsmann nutzt keine steuerlichen Konstruktionen in Panama." Auch zu Wolfgang N. aus Lemgo führen die Spuren. Er ist völlig überrascht, als Direktor einer Firma auf den Cookinseln in der Nähe von Neuseeland aufzutauchen. Die Papiere enthalten seinen Namen und seine ehemalige Heimatanschrift. „Ich habe nie etwas unterschrieben."

Die Spur führt nach Großbritannien, wo sein Bruder einen international tätigen Holzverarbeitungsbetrieb unterhält. Vor zehn Jahren hat N. dort als 
Direktor mitgearbeitet. Eine weitere Spur führt in seine Familie: Juliane N., eine behinderte junge Frau, die inzwischen in Großbritannien wohnt, wird unter ihrer ehemaligen Bielefelder Anschrift mit einer Stiftung auf den Cookinseln in Verbindung gebracht. „Gut möglich, dass sie da als Begünstigte drin steht", erklärt Wolfgang N.

Auch eine Holding aus Rheda-Wiedenbrück taucht in den Papieren auf. „Wir haben damit nichts zu tun", erklärt Prokurist Theodor Hoppe. Der Möbelbetrieb wird unter seiner Firmenanschrift und den Namen von zwei ehemaligen Geschäftsführern mit einer Tochterfirma in Asien in Verbindung gebracht. Wilfried Wadsack, Sprecher für das Unternehmen, versucht das Geflecht aufklären: Es habe vor vielen Jahren eine thailändische Tochterfirma gegeben. Die Verbindung existiere inzwischen nicht mehr. Der ehemalige Partner führe die Firma aber weiter und habe vermutlich die Namen verwendet. Wadsack selbst ist in den Papieren als Direktor unter einer früheren Postfachadresse in Bad Oeynhausen genannt. Er war für eine asiatische Tochterfirma tätig.

Ein weiterer Betrieb aus Rheda-Wiedenbrück, dem Offshore-Firmenadressen vorgeworfen werden, bestritt die Vorwürfe und kündigte an, dagegen vorzugehen.
Andere Adressen aus OWL führen in eine Bielefelder Anwaltskanzlei, zu einer ehemaligen Firma nach Bad Oeynhausen, in Mehrfamilienhäuser nach Paderborn und Bielefeld sowie zu Firmen in Lemgo, Schlangen, Rheda-Wiedenbrück, Petershagen und Bad Lippspringe.

Enthüllungen zu Scheinfirmen

Die Panama-Papers kamen am 3. April ans Licht und enthüllten ein Geflecht an Briefkastenfirmen, die in Verdacht stehen, Steuerschlupflöcher im Ausland zu nutzen. Journalisten aus 76 Ländern beteiligten sich an der Recherche.

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