Herford/Weimar. Der Historiker, Germanist und Bibliothekar Reinhard Laube wird neuer Direktor der renommierten Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Der gebürtige Herforder, der seit 2013 die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg leitet, soll das Amt am 1. Oktober übernehmen. „Reinhard Laube ist eine ausgezeichnete Wahl", sagte Thüringens Kulturminister und Vorsitzender des Stiftungsrates der Klassik Stiftung, Benjamin-Immanuel Hoff (Linke), in Weimar. „Ich bin überzeugt, dass die Klassik Stiftung von seinen enormen Fachkenntnissen und seinem reichen Erfahrungsschatz profitieren wird."
Den Grundstein für seine Laufbahn legt Laube in Herford. Aufgewachsen ist er mit seinen beiden Geschwistern im Pfarrhaus am Münsterkirchplatz 3. „Eine prägende Zeit", wie er auf Anfrage dieser Zeitung schreibt. Sein Vater, Klaus-Jürgen Laube, kam im Dezember 1965 mit seiner Frau Marianne und zu der Zeit noch zwei Kindern vom schleswig-holsteinischen Norderstedt nach Herford, weiß Stadtarchivar Christoph Laue. 20 Jahre lang war er Pfarrer der Münsterkirche.
Mit der Verlegung des Pfarrhauses zehn Jahre später zog auch die Familie vom Münsterplatz 3 auf 5. 1985 führte die berufliche Laufbahn des Vaters die Familie nach Rastede, wo er Direktor der evangelischen Akademie und Heimvolkshochschule wurde. Die beiden Söhne blieben zunächst in Herford, weil Reinhard Laube 1986 noch sein Abitur am Ravensberger Gymnasium ablegen wollte. „Ich denke dankbar an meine Schulzeit zurück", erinnert sich der 49-Jährige heute. Seit seinem Abitur lebt Laube nicht mehr in Herford, pflegt aber Kontakt mit Schulfreunden: „Zuletzt war ich vor vier Jahren in Herford, um meinem Sohn Florian (10) Herford zu zeigen und das großartige Museum Marta zu besuchen." Aufgrund seiner Forschungsinteressen und Laubes Heirat mit einer Ungarin bestehe eine Orientierung und Bindung nach Ostmitteleuropa.
Laube wechselt am 1. Oktober von Augsburg nach Weimar. „Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek ist eine Archiv- und Forschungsbibliothek par excellence", begründete Laube den Wechsel. Das verdanke sie einem historischen Gebäude, fulminanten Beständen und der Einbettung in das Weimarer Ensemble von Sammlungen. „Von dieser Bibliothek gingen in den letzten Jahrzehnten entscheidende Impulse aus, den überaus attraktiven Typ ,Forschungsbibliothek und die damit verbundenen bibliothekarischen Aufgaben zu entwickeln." Laube studierte Geschichte, Philosophie, Germanistik und Pädagogik an den Universitäten Freiburg und Göttingen und promovierte 2002 zu dem Thema „Karl Mannheim und die Krise des Historismus". Station machte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter auch an der Universität Bielefeld.