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OWL

Immer mehr westfälische Kindergärten öffnen auch abends

Bielefeld/Herford. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – in Deutschland ist dieses Ziel vor allem für berufstätige Mütter eine der größten Herausforderungen. Um die Vereinbarkeit zu verbessern, fördert das Bundesfamilienministerium seit Januar die Ausweitung von Betreuungszeiten in Kindertagesstätten und in der Kindertagespflege. In Westfalen profitieren rund 25 Einrichtungen von dem Bundesprogramm „Kita Plus“.

Im Sommer haben gleich drei Kitas in OWL einen Förderbescheid erhalten, der die Ausweitung der Betreuungszeiten ermöglicht. Die Herforder Kita Forscherhaus-Zwerge öffnet dank der Förderung morgens eine Stunde früher und schließt abends zwei Stunden später. „Ohne zusätzliche Kosten für die Eltern bieten wir Betreuung von 6.15 bis 18.15 Uhr“, erklärt Leiterin Michaela Homann-Lübbing. „Der Bedarf ist groß.“

In den Bielefelder Kitas Kindermann-Stiftung und Sieker Mäuse der von Laer Stiftung soll die Betreuung sogar auf das Wochenende ausgedehnt werden. „Die klassischen und oftmals starren Betreuungszeiten stimmen nicht mehr mit den Arbeitszeitmodellen von Eltern überein, deshalb setzen wir auf flexible Betreuungsangebote“, erklärt der Bereichsleiter der von Laer Stiftung, Erik Zurdel.

Die Kita Sieker Mäuse ist werktags von sechs bis 20.30 Uhr geöffnet. „Samstags visieren wir Öffnungszeiten von 7.30 bis 16 Uhr an.“ Zudem prüft die Stiftung, ob es auch an Sonn- und Feiertagen Bedarf gibt. „Um den Betreuungskorridor zu erweitern, haben wir zwei neue Stellen geschaffen.“

Auch in der Kita Kindermann-Stiftung wird eine neue Erzieherin eingestellt, um Kinder nicht nur werktags zwischen sieben und 17 Uhr betreuen zu können, sondern auch samstags von 7.30 bis 15 Uhr. „Das Förderprogramm verlangt Flexibilität von den Einrichtungen, die ihre Betreuungszeiten besser an die Lebensrealitäten der Eltern anpassen“, sagt der Geschäftsführer der Kindermann-Stiftung und Leiter des Bielefelder Jugendamts, Georg Epp.

Aus diesem Grund arbeiten beide Stiftungen mit der Agentur für Arbeit zusammen. „Wenn Eltern wissen, dass es flexible Betreuungszeiten für ihre Kinder gibt, sind sie auch flexibler bei der Jobsuche.“ Zudem haben vor allem Schichtarbeiter, Alleinerziehende und Eltern ohne familiären Background Bedarf. „Eltern suchen zuerst bei Verwandten Hilfe, doch so ein Netzwerk hat nicht jeder.“

Die Landeselternschaft der Kindertagesstätten in NRW unterstützt das Förderprogramm „Kita Plus“. „In den Morgen- und Abendstunden muss das Betreuungsangebot dringend ausgeweitet werden“, fordert Sprecher Attila Gümüs. Wie starr das Betreuungsangebot noch ist, belegt eine Untersuchung der Verwaltung der 196 Kitas in Bielefeld. 75 Prozent der Kitas öffnen erst ab sieben Uhr und nur vier Einrichtungen schließen nach 17 Uhr.

„Betreuungsbedarf, der darüber hinaus geht, wird derzeit vor allem durch ergänzende Tagespflege gedeckt“, erklärt Epp. Zudem werden 15 Kinder durch geringfügig Beschäftigte im elterlichen Haushalt betreut, ein Modellversuch der Stadt Bielefeld. Einen Ausbau der sogenannten 24-Stunden-Kitas lehnt die Landeselternschaft hingegen ab. „Kinder von Schichtarbeitern dürfen nicht auch zu Schichtarbeitern werden“, sagt Gümüs. „Die Nacht ist eine sensible Phase für Kinder.“ Zudem befürchten Eltern, dass Arbeitnehmer Mütter und Väter zu der Nachtbetreuung ihrer Kinder drängen könnten.

„Kita plus“ ist auf drei Jahre begrenzt. „Die Finanzierung steht bis 2018. Mit der geplanten Änderung des Kinderbildungsgesetzes, das derzeit Kita-Öffnungszeiten von maximal neun Stunden finanziell abdeckt, muss die Politik Weichen für eine Anschlussfinanzierung finden“, fordert Zurdel. In der Kita Flachsfarm der von Laer Stiftung beteiligen sich Unternehmen an der Finanzierung flexibler Betreuungszeiten. „Doch nicht jeder Arbeitgeber lässt sich Familienfreundlichkeit auch etwas kosten.“

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