Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

Bielefeld

Nach Akku-Problemen beim Galaxy Note7 - Gütersloher berichtet über ähnlichen Fall mit dem Galaxy S7 Edge

Christine Warnecke, Julia Gesemann

Bielefeld/Paderborn. Es ist der Super-GAU für den koreanischen Smartphone-Hersteller Samsung. Nach weiteren Berichten von Verbrauchern über brennende Austauschgeräte stellt der Konzern nicht nur den Verkauf, sondern wenig später auch die Produktion seines feuergefährlichen Galaxy Note 7 ein.

Das Modell werde nicht mehr auf den Markt kommen, teilte der Smartphone-Marktführer mit. Damit gesteht Samsung ein, dass die Ursache der Akku-Brände so leicht nicht zu beheben ist. Die zuständige koreanische Behörde erklärte gar, das Gerät habe womöglich eine „neue Art von Fehler", der über die Akku-Probleme hinausgehe. Experten vermuten das Problem in Steuer-Komponenten für die Batterien oder der Software.

Für das Image ist das ein Desaster. An der Börse hat Samsung Electronics viel Vertrauen verloren. In Seoul brach der Aktienkurs bereits vor dem endgültigen Aus für das Gerät ein. Verbraucher reagieren mit bitterer Ironie. „Aber bitte ein Smartphone, das nicht explodiert", zitierte eine Verkäuferin eines Telefonladens Kunden in Bielefeld. Das ältere Samsung-Modell Galaxy Note 4 sei nicht mehr im Handel. „Ein Note haben wir nicht." Kunden könnten andere Samsung-Geräte kaufen.

Der Geschäftsführer des Saturn-Marktes in Bielefeld, Rolf Bekowies, betonte: Der Produktionsstopp des Galaxy Note 7 habe keine negativen Auswirkungen auf das Geschäft. „Samsung hat bei den Kunden ein sehr hohes Vertrauen und bietet in der Regel eine außergewöhnliche Qualität und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis." Natürlich würden alle Kunden fragen. Aber die Ware für Deutschland sei noch gar nicht da gewesen.

„Das Gerät befand sich bis dato ohnehin nicht im Verkauf, sondern konnte nur vorbestellt werden", so eine Sprecherin der Media-Saturn-Zentrale in Ingolstadt. Kunden, die bei Media Markt und Saturn ein Galaxy Note 7 vorbestellt haben, könnten die Bestellung jederzeit stornieren. Auch Betroffenen, die das Gerät in Verbund mit einem Mobilfunkvertrag erworben haben, „bieten wir Alternativlösungen". Bereits zum ursprünglich geplanten Verkaufsstart Anfang September habe Media-Saturn seinen Kunden Alternativangebote gemacht, etwa aus der S7-Familie von Samsung. „Diese wurden sehr gut angenommen." Bei der Telekom-Zentrale in Bonn hieß es: „Wir hatten Geräte aus der ersten Charge. Die wurden vor dem Verkaufsstart gestoppt." Dabei gehe es um eine niedrige dreistellige Zahl. Wer das Gerät zurückschickte, bei dem wurde der „Kauf storniert".

„Aktuell können wir keine Veränderung in der Nachfrage von Samsung-Geräten feststellen", teilte auch die Telefónica Germany GmbH & Co. OHG in München mit, zu der die O2-Shops gehören. In Paderborn hieß es unisono bei verschiedenen Telefonläden: „Wir führen weiterhin Samsung-Geräte und die Kunden kaufen sie auch." Nur in wenigen Einzelfällen würden Verbraucher sich für andere Hersteller entscheiden.

Samsung kündigte auf seiner US-Website einen „Sicherheits-Rückruf" an. Die betroffenen Geräte „könnten überhitzen und stellen ein Sicherheitsrisiko dar". Kunden wurden erneut aufgerufen, ihr Note 7 für immer abzuschalten – auch Austauschgeräte.

Mit dem Produktrückruf zieht Samsung sein gefährliches Modell aus dem Verkehr. „Damit ist Samsung laut Produktsicherheitsrecht nicht verpflichtet, Schadenersatz zu zahlen", so eine Sprecherin der Verbraucherzentrale NRW. Kunden könnten sich an Geschäfte wenden. Dass Samsung seinen Kunden verspricht, dass sie ihr Geld wiederbekommen oder ein anderes Gerät erhalten, sei „reine Kulanz".

Kommentar: Geld verbrannt

Von Andrea Frühauf

Mit seinem Pannen-Modell Galaxy Note 7 hat Samsung viel Geld verbrannt. Offenbar mit heißer Nadel gestrickt wurde das anfangs gepriesene neue Vorzeigegerät eilig auf den Markt gebracht, um gegen Apples iPhone 7 Plus anzutreten.

Allein die Rückrufkosten dürften sich im einstelligen Milliardenbereich bewegen. Weit schwerer wiegt für den koreanischen Smartphone-Marktführer, dass er nach der Einstellung seines Premium-Modells nun Apple hinterherhinkt. Im Hochpreissegment, zu dem die Geräte gehören, teilten sich beide Rivalen fast 90 Prozent der Marktanteile. Ein sicheres Nachfolgemodell muss Samsung nun erst auf den Markt bringen.

Zudem kursieren Gerüchte, dass Samsung auch die Austauschgeräte zu schnell für sicher erklärte. Es dürfte teuer werden, den alten Markenwert nach diesem Debakel wiederherzustellen. Da tröstet es kaum, dass auch Boeing brennende Batterien bei seinem „Dreamliner" plagten.

Information

Ein Fall aus Gütersloh

Frank Kleinegräber aus Gütersloh hatte ein Problem. Ein heißes Problem. Als er Sonntagabend sein Samsung Galaxy S7 Edge nach dem Aufladen in die Hand nahm, ließ er es sofort wieder fallen. Das Smartphone hatte sich derart erhitzt, dass Kleinegräber sich die Finger verbrannte. „Richtig heiß war das."

Angesichts der durchaus explosiven Nachrichten rund um das Galaxy Note 7 war Kleinegräber alarmiert – und informierte den Samsung-Kundendienst. Der reagierte schnell. Schuld an Akkuerwärmung und Verbrauch ist demnach ein unbemerktes Update der Oculus-App. Diese Anwendung wird für den Einsatz der virtuellen Brille Gear VR benötigt.

Vier Anwendungen musste Kleinegräber installieren, damit er die VR-Brille nutzen konnte. Nun sind diese mithilfe des Samsung-Kundendienstes wieder gelöscht beziehungsweise deaktiviert – und das Smartphone wird nicht mehr warm.

Wer ein ähnliches Problem hat, sollte zuerst die Samsung-VR-App deinstallieren oder deaktivieren, da diese sonst die Oculus-App selbstständig neu installiert. Die weiteren Deinstallationen/Deaktivierungen können über den Anwendungs-Manager in den Einstellungen erledigt werden. Zusätzlich muss das Gerät einmal neu gestartet werden.

Kleinegräber hat außerdem nun auch die Schnellladefunktion seines Smartphones in den Einstellungen deaktiviert, die beim Galaxy S7 und beim S7 Edge ebenfalls für eine starke Akkuerwärmung sorgt.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.