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Bad Oeynhausen

OWL: Lediglich 17 Spenderorgane im vergangenen Jahr

Bad Oeynhausen. In Deutschland hoffen mehr als 10.000 schwer kranke Menschen auf ein neues Organ. Für sie ist eine Transplantation die einzige Möglichkeit, um zu überleben. Diesen Menschen steht jedoch der Großteil der deutschen Bevölkerung gegenüber, die sich noch nicht für oder gegen eine Organspende nach dem Tod entschieden hat.

Der Blick auf die Region zeigt, welche Auswirkungen diese fehlende Bereitschaft hat, denn im vergangenen Jahr konnten Ärzte in OWL nur 17 Verstorbenen Organe entnehmen und so anderen Menschen das Leben retten. In ganz NRW waren es 2015 170 Organspenden, deutschlandweit 840.

Eine Umkehr des negativen Trends ist nicht in Sicht. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) ist die Zahl der Organspender in den Jahren 2010 bis 2013 bundesweit um ein Drittel zurückgegangen, von 1.296 auf 876 Spender. „Seitdem entwickeln sich die Spenderzahlen auf diesem niedrigen Niveau mit leichten Auf- und Abwärtstrends", erklärt DSO-Sprecherin Christine Kornhaas. In den ersten zehn Monaten 2016 gab es bundesweit 717 Organspenden.

Das führt zu langen Wartelisten, wie im Universitätsklinikum Münster oder dem Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW in Bad Oeynhausen, dem einzigen Transplantationszentrum in OWL. In Münster warten derzeit 850 schwer kranke Menschen auf ein neues Organ, in Bad Oeynhausen stehen 200 Menschen auf der Warteliste für ein neues Herz oder eine neue Lunge.

Doch aufgrund der wenigen Spenden kann nicht allen geholfen werden. „Leider gibt es immer mehr Empfänger, als Spender", sagt der Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am HDZ, Jan Gummert.

Fordert Aufklärung: Klinikdirektor Jan Gummert. - © Armin Kuehn
Fordert Aufklärung: Klinikdirektor Jan Gummert. (© Armin Kuehn)


Die Gründe dafür sind laut Kornhaas und Gummert vielfältig. „Leider beschäftigen sich noch immer zu wenig Menschen mit dem Thema Organspende", sagt Gummert. „Viele denken erst über eine Organspende nach, wenn sie selbst oder Angehörige auf ein neues Organ angewiesen sind."

Gummert vermutet, dass Egoismus und Informationsdefizite hinter dem Desinteresse stecken. „Wir lernen immer wieder Menschen kennen, die nicht gut informiert sind, obwohl Kliniken, Krankenkassen und Stiftungen so viel in die Aufklärung investieren."

Zudem schaden auch Skandale der Organspendebereitschaft, wie die aktuellen Ermittlungen der Hamburger Staatsanwaltschaft am Universitätsklinikum Eppendorf, sagt Gummert. Im aktuellen Fall sollen Hamburger Ärzte Daten von Patienten falsch angegeben haben, damit diese schneller ein Spenderorgan bekommen.

„Neben Transparenz und Aufklärung ist auch die weitere Professionalisierung der Organspendebeauftragten in den Krankenhäusern wichtig", sagt Gummert.

Ärzte fordern die Widerspruchsregelung

Derzeit gilt in Deutschland im Bereich der Organspende die erweiterte Zustimmungslösung. Eine Organentnahme ist nur bei Menschen gestattet, die zu Lebzeiten dem ausdrücklich zugestimmt haben, zum Beispiel mit einem Organspenderausweis und bei denen der Hirntod festgestellt wurde. Sofern keine Einwilligung vorliegt, können Angehörige im Willen des Patienten entscheiden.

Doch obwohl der Organspendeausweis in Apotheken, Arztpraxen, Krankenkassen und online frei verfügbar ist, haben dieses Angebot bislang nur fünf Prozent der Bevölkerung genutzt. Aus diesem Grund befürwortet Gummert die Widerspruchsregelung. „In Ländern, in denen diese gilt, kann jeder Organspender werden, der sich nicht ausdrücklich dagegen ausgesprochen hat", erklärt Gummert.

„Allerdings glauben viele Politiker, dass sie dafür keine Mehrheit finden, obwohl Umfragen zeigen, dass 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung der Regelung zustimmen würden." Die Organspendebereitschaft scheint also doch groß zu sein, sagt Gummert.

Information

Wichtige Entscheidung

  • Eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende ist wichtig, da sonst im Fall der Fälle die Angehörigen entscheiden müssen. Um die eigene Entscheidung wahren zu können, sollte diese dokumentiert und den Angehörigen mitgeteilt werden. Möglich ist das mit dem Organspendeausweis.
  • Wer einen Organspendeausweis ausfüllt, kann das Einverständnis zur Organ- und Gewebespende entweder generell erteilen, auf bestimmte Organe oder Gewebe einschränken oder einer Spende widersprechen.
  • Den Ausweis gibt es kostenlos zum Herunterladen: 
www.organspende-info.de

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