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Bielefeld

Gescheiterter Langstreckenversuch mit einem E-Auto

Bielefeld. Mit voll geladenem Akku mache ich mich zur Mittagszeit auf den Weg nach Köln. Der Start funktioniert gut – das Auto meldet 99 Kilometer Reichweite. Geplant ist die 230 Kilometer lange Fahrt über Paderborn und die Raststätte Lichtendorf Süd an der A 1. Bei gut 100 Kilometern Reichweite sollte das mit zwei Ladestopps zu schaffen sein.

Anders als mit einem Verbrenner kann ich kein Vollgas geben, denn hohes Tempo würde wertvolle Akkuleistung kosten. Also tuckere ich mit gemächlichen 80 bis 90 Stundenkilometern entlang der A 33 nach Paderborn. Die Ladesäule am Betriebssitz des Energieversorgers Westfalen Weser Energie ist schnell gefunden und außerdem kostenlos.

Dranstecken, aufs Knöpfchen drücken und es lädt. 22 Minuten soll der Ladevorgang laut Anzeige dauern – Zeit genug mit einem Kollegen ein kleines Schwätzchen zu halten. Um den Akku zu 100 Prozent zu füllen, warte ich gut 40 Minuten ab – bevor ich mich wieder ins Auto setze.
Auf zur nächsten Etappe: Gut 100 Kilometer soll das Auto jetzt schaffen.

Doch dieser Plan gerät schon beim ersten Blick auf den Akkustand ins Wanken. Nur 79 Kilometer meldet das Auto als Restreichweite. Ich reduziere nochmals das Tempo und fahre mit 60 bis 80 Stundenkilometern weiter zur Autobahn 44 Richtung Köln. Beim Auffahren meldet der Bordcomputer nur noch 60 Kilometer. Ich muss umplanen und entscheide mich für einen Umweg über die Autobahnraststätte Rhynern an der A 2.

Der Akkustand sinkt schneller als erwartet. Kurz vor Soest fällt der Akkustand auf 30 Kilometer. Es hilft nichts. Ein neuer Plan muss her: Jetzt soll es zur Ladesäule an der A 2 zum Eurorastpark Lippetal gehen.

In Soest verlasse ich die Autobahn und fahre Richtung Norden. Fünf Kilometer vor dem Zwischenziel bekomme ich es mit der Angst zu tun. Der Akkustand fällt auf „0" eine gelbe Schildkröte signalisiert mir – es wird eng. Ich schalte aus Angst Radio und Lüftung ab, um sicher bis zur Ladesäule zu kommen.

Erleichtert rolle ich an der Raststätte ein. Die insgesamt vier Ladeparkplätze sind gut ausgeschildert – aber allesamt leer. Die Ladesäulen betreibt die Firma Allego. Freischalten lassen sie sich jedoch über die anbieterübergreifende Lade-App „PlugSurfing". Erster Schock: Das Laden über die App soll 0,36 Euro pro Minute kosten, knapp 11 Euro für eine halbe Stunde. Ich lasse den Wagen zurück und verspeise in einem Fastfood-Restaurant nebenan einen Burger.

40 Minuten später komme ich zurück zum Auto, drehe den Schlüssel herum und muss feststellen – der Akkustand ist unverändert leer, obwohl die Ladesäule meine Ladezeit korrekt mit 45 Minuten ausweist. Ich versuche es erneut. „Fehler an der Ladesäule" meldet die App. Erst beim dritten Anlauf gelingt das Laden und ich nutze die Zeit für einen Spaziergang über die Raststätte.

30 Minuten später zurück am Fahrzeug – der Ladevorgang wurde wieder abgebrochen. Warum? Nicht zu erkennen. Ich versuche es erneut und bleibe dieses Mal trotz eisiger Kälte im Auto sitzen. Es funktioniert. Inzwischen sind zwei Stunden vergangen, draußen ist es dunkel geworden und ich entscheide mich für den Abbruch der Reise und die Rückfahrt nach Bielefeld. Immerhin: Bis nach Hause sind es nur 70 Kilometer.

Ergebnis: Elektroautos eignen sich nicht für Langstrecken. Die vom Auto errechneten Akkuwerte sind optimistische Prognosen, und das Netz an Schnellladesäulen ist trotz vieler Raststätten mit Benzintankstellen zu dünn. Gut, dass Tank&Rast in diesem Jahr nachsteuern will. Tipps für Nachahmer: Lieber mehr Ladestopps einplanen und auf dem Weg nach Köln über die A2 fahren – da gibt es alle 50 bis 70 Kilometer eine Schnellladesäule.

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