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Paderborn

Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold präsentiert gute Zahlen

Paderborn. Ulrich Bittihn, der Vorstandschef der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold, hatte die Jahrespressekonferenz seines Instituts in die légèren Polstermöbel der hauseigenen OWL-Lounge verlegt. Mit bester Aussicht auf den Paderborner Dom und einen blauen Himmel („das passt zur Lage unserer Bank") wollte das komplett erschienene sechsköpfige Vorstandsteam das „Grundgefühl der Gelassenheit und Zuversicht in Bank und Mitarbeiterschaft" vermitteln.

Und es gelang: Bittihns Team präsentierte gute Zahlen und ein schlüssiges Wachstumskonzept. Kritik von Wettbewerbern – auch aus dem genossenschaftlichen Lager – nehmen die Paderborner wohl in Kauf.

Bittihn betonte die Bedeutung der Region, die seine Bank künftig als ihr Geschäftsgebiet betrachtet. „OWL kann mit jedem Ballungsraum mithalten", sagt er zum Beispiel und lobt die regionalen Kooperationen von Hochschulen und Wirtschaftsbranchen. Das Zusammenrücken sieht er wohl als Vorbild auch für seine Bank.

Erst im vergangenen Dezember hatte das in Paderborn ansässige Institut den Zusammenschluss mit der kleinen Volksbank Minden verkündet. Die soll künftig den Zugang zu einem ganz neuen Marktgebiet eröffnen. Mitte 2017 rechnet Bittihn mit dem Vollzug der Fusion.

Im Mai soll das Geldhaus in „Verbund-Volksbank OWL" umgetauft werden – dann gibt es als äußeres Zeichen der angestrebten Dezentralität die Zweigniederlassungen „Volksbank Minden", „Volksbank Paderborn", „Volksbank Detmold", „Volksbank Höxter" und „Bankverein Werther".

Noch ohne die Volksbank Minden (Bilanzsumme knapp 240 Millionen Euro) steigerte die größte Volksbank der Region 2016 ihre Bilanzsumme um 12,2 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Bundesweit nehme die in fünf Kreisen und in Bielefeld aktive Bank nun Platz sieben unter fast 1.000 Volksbanken und Raiffeisenbanken ein. Das mache ihn durchaus ein wenig stolz, bekannte Bittihn im Nebensatz.

Von überdurchschnittlichem Wachstum ist die Rede. Die Bank habe fast eine Milliarde Euro an neuen Krediten vergeben. Der Bestand an Kundenkrediten sei um 6,6 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro gestiegen. Auf der anderen Seite wuchsen die Kundeneinlagen um 7,7 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro.

Das betreute Kundenvermögen (inklusive außerbilanzieller Depots) sei um 8,5 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro gewachsen. Das Betriebsergebnis vor Bewertung stieg um 4,3 Prozent auf 51,5 Millionen Euro. Es ergebe sich ein Betriebsergebnis von 1,01 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme – damit sei die Bank in der Niedrigzinsphase gut unterwegs.

Bei Kunden, die siebenstellige Summen auf ihren Konten parken, fordert die Volksbank inzwischen ein „Verwahrentgelt" in Höhe von 0,4 Prozent für Beträge oberhalb der Grenze von drei Millionen Euro ein. Solche Strafzinsen kassieren auch regionale Sparkassen wie die in Paderborn-Detmold oder Höxter.

Bittihn betonte, es werde mit jedem betroffenen Kunden zuvor gesprochen, und es gebe individuelle Vereinbarungen. So werde die Behandlung von der Bewegung auf den Konten abhängig gemacht – Firmen, die hohe Liquidität für den laufenden Zahlungsverkehr brauchen, seien weniger von der Regelung betroffen.

Die Volksbank zählt heute 921 Mitarbeiter in 50 Filialen. Schließungsabsichten gebe es derzeit nicht, obwohl einige Geschäftsstellen in kleinen Orten sind. 70 Prozent der Konten würden bereits online geführt. Ein Trend, der weitere Umwandlungen in Selbstbedienungs-Filialen (bisher 38) erwartbar macht.

Interview: "Konzept beispielgebend" 

Herr Bittihn, warum ist die Übernahme der kleinen Volksbank Minden wichtig für Sie?

ULRICH BITTIHN: Es ist ein relativ kleines, aber starkes Institut. So klein wie der Schritt bilanziell sein mag, umso wichtiger ist er aus strategischer Sicht. Die künftige VerbundVolksbank OWL ist eine Bank für den relevanten Wirtschaftsraum. Der zeichnet sich aus durch tolle Netzwerke etwa in Wirtschaft und Wissenschaft. Hier wollen wir Impulse geben und die Netzwerke auch selbst nutzen.

Sie erschließen in Minden für sich einen Markt neu, auch der Name VerbundVolksbank legt Wachstumsambitionen nah?

Bittihn: Nein, der Name als solcher steht für sich. Aber natürlich bietet unser zukunftsweisendes Regionalbank-Konzept alle Möglichkeiten. Damit verbinden wir Nähe und Leistungsstärke aus eigener Kraft. Und das schafft Wachstum, wie wir schon an anderen Stellen bewiesen haben.

Haben Sie sich mit der Expansion im Genossenschaftslager unbeliebt gemacht?

BITTIHN: Das Gegenteil ist der Fall. Das, was wir erzeugen, ist von Kundenseite ein Sog – wir gewinnen Marktanteile in Segmenten, die Volksbanken sonst nicht ansprechen. Wenn unsere Eigentümer begeistert zustimmen und Kollegen das Konzept bundesweit als beispielgebend wahrnehmen, bestätigt dies die Richtigkeit unseres Weges. Ansonsten gilt: Wer Neues bewegt, erzeugt Reibung.

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