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Düsseldorf

Datenschutz: Wie sicher sind Fitness-Armbänder?

Düsseldorf. Viele gängige Fitness-Armbänder verstoßen gegen geltende Datenschutzbestimmungen. Darauf hat die Datenschutzbeauftragte des Landes NRW, Helga Block, hingewiesen. Die Nutzer erführen oftmals nicht, wer konkret Zugriff auf die in den tragbaren Kleincomputern gesammelten Daten habe und wie lange diese gespeichert würden.

Helga Block berichtete bei Vorstellung ihres Datenschutzberichts im Düsseldorfer Landtag davon, dass die Datenschutzbehörden in den vergangenen Monaten Fitness-Armbänder überprüft hätten, die rund 70 Prozent des Marktanteils ausmachen. Viele der Armbänder, bei denen der Nutzer zahlreiche sensible Daten über seine Gesundheit und seine Lebensgewohnheiten preisgibt, sind bereits für unter 100 Euro erhältlich. Auch viele Smartphones haben, ohne dass der Nutzer dies frei entscheiden könnte, automatisch Gesundheits-Apps installiert, in denen Daten beispielsweise über die tägliche Bewegung erfasst werden.

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Immer mehr Videoüberwachung


Auch die private Video᠆überwachung wird immer mehr zum Problem. Die NRW-Datenschutzbeauftragte berichtet von 660 Beschwerden (Vorjahr: 600), hauptsächlich von Mietern oder Nachbarn, die sich in ihrer Privatsphäre gestört sehen.

Front macht die Datenschützerin auch gegen ein Geschäftsmodell von Lebens- und Krankenversicherungen, wonach Versicherte Vergünstigungen erhalten, wenn sie ihrer Versicherung Daten von Gesundheits-Apps oder tragbaren Computern zur Nutzung überlassen. Inzwischen hat die Datenschutzbehörde eine aufsichtsrechtliche Prüfung beispielsweise gegen eine regionale Versicherungsgesellschaft eingeleitet. Diese belohnt Versicherte mit geringeren Beiträgen, wenn sie in regelmäßigen Abständen die Daten ihrer Fitness-Armbänder oder Gesundheits-Apps an das Versicherungsunternehmen übermitteln.

Dieses Geschäftsmodell bedeute gleichzeitig, dass Versicherte, die kein Smartphone mit den entsprechenden Apps oder kein Fitness-Armband gekauft hätten, durch Schlechterstellung bestraft würden, erläuterte Block ihre Bedenken. Die NRW-Datenschutzbeauftragte forderte einen klaren gesetzlichen Rahmen für den Einsatz von tragbaren Computern und Gesundheits-Apps in der Versicherungswirtschaft.

Block warnt auch vor dem Verlust oder Weiterverkauf der Handys mit Gesundheits-Apps oder Fitness-Armbänder. Viele Geräte böten keine Möglichkeit, die sensiblen Daten vollständig zu löschen. „Einige Hersteller weisen sogar darauf hin, dass eine Löschung nicht möglich ist."

Viele Datenschutz-Probleme mit den Fitness-Armbändern ließen sich lösen, wenn die Daten nur an die Smartphones weitergeleitet und dort nur lokal verarbeitet würden, sagte die Datenschutzbeauftragte.

Kommentar: Datenkraken der Fitness

von Lothar Schmalen

Heute schon in die Gesundheits-App des Smartphones geschaut? Wie bitte? Erst 2,8 Kilometer gelaufen und zwei Stockwerke Treppen gestiegen? Das reicht natürlich nicht, um auf Dauer gesund zu bleiben. Das zumindest könnten Krankenkasse oder Arbeitgeber meinen, wenn sie davon erfahren. Gut, dass ich in der vierten Etage und vor allem ohne Aufzug wohne. So laufe ich automatisch täglich mindestens 16 Stockwerke Treppen – einmal zur Arbeit und zurück, einmal Einkaufen und wieder zurück.

Vielleicht sollte ich mal bei meiner Krankenkasse anrufen, ob da nicht ein Beitragsrabatt für mich raus-springt. Oder kennt die Krankenkasse meine Lebensgewohnheiten auch schon ohne meinen Anruf? Wie ich, wissen übrigens die meisten Nutzer der Apps gar nicht, wer die Daten überspielt bekommt und wer nicht.

Das gleiche Problem gilt für die überaus hippen Fitness-Armbänder, die auf immer mehr Jogging- und Walkingstrecken zu sehen sind. Die Vermessung des eigenen Körpers wird zum Volkssport, der mindestens so attraktiv ist, wie der reale Sport selbst.

Dass Datenschützer ihre Finger in die Wunde der digitalisierten Fitness- und Gesundheitswelt legen, ist allerhöchste Zeit. Denn dass die Hersteller der Apps und tragbaren Mini-Computer an Armbändern ihre Nutzer im Unklaren darüber lassen, an wen sie die Daten weiterreichen, ist schlicht ein Skandal. Allerhöchste Zeit ist es auch, dass der Gesetzgeber sich mit dem Thema befasst und den Datenkraken der digitalen Wirtschaft auf die Finger klopft.

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