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Bielefeld/Paderborn/Herford

Nach Manchester: Veranstalter in OWL prüfen Sicherheitsmaßnahmen

Bielefeld/Paderborn/Herford. Der erste Konzertbesuch, vielleicht sogar ohne die Eltern, laute Musik, eine große Fete, dem umjubelten Star ganz nah sein: Beim Terroranschlag in Manchester starben vor allem junge Menschen.

Auch in Ostwestfalen-Lippe locken Stadtfeste, Kirmes und Konzerte viele Besucher an. Einige Großveranstaltungen stehen unmittelbar bevor. Veranstalter und Sicherheitsplaner machen sich auch über den möglichen Ernstfall Terror Gedanken.

Mit dem Beginn des Leineweber-Markts Mittwochmittag, wird die Bielefelder Innenstadt zum Publikumsmagneten. „Die Bilder von Manchester bewegen uns natürlich", sagt Martin Knabenreich, Geschäftsführer von Bielefeld Marketing. „Als Veranstalter stehen wir immer im engen Austausch mit der Polizei. Dieses Prozedere gilt nach dem Anschlag genauso wie davor."

Für den Leineweber-Markt gelte ein umfassendes Sicherheitskonzept, das jedes Jahr weiterentwickelt werde. Knabenreich: „Die Besucher können davon ausgehen, dass alle Beteiligten die Lage im Blick haben. Man muss aber auch ehrlich sagen, dass es eine letztendliche Sicherheit bei öffentlichen Veranstaltungen nicht geben kann."

Diese Garantie kann auch Lothar Sobek, Leiter des Herforder Ordnungsamtes, nicht geben. In der zweiten Juniwoche wird er die finalen Gespräche mit der Polizei für das Hoeker-Fest führen. Die Herforder feiern vom 28. Juni bis 2. Juli. Bereits bei der Osterkirmes wurden in Herford Betonsperren gegen Anschläge mit einem Lkw aufgestellt.

„Das Hoeker-Fest findet aber auf den innerstädtischen Plätzen statt. Da sind die Zufahrten sowieso begrenzt", sagt Sobek. Er erwartet nicht, dass die Sperren wieder zum Einsatz kommen. Die würden gegen eine Bombe in einem Rucksack ohnehin nichts nutzen.

Sobek: „Wir versuchen mit den Mitteln, die wir haben, größte Sicherheit zu garantieren." Auch für das Libori-Fest, das vom 22. bis 30. Juli mit Pottmarkt, Konzerten und Kirmes viele Menschen nach Paderborn locken soll, wird ein Sicherheitskonzept erstellt.

„Ein Sicherheitskonzept ist kein Stück Papier, das man aus der Schublade holt, weil es doch vor zwei Jahren so gut gepasst hat", sagt Ingo Lohuis, Sprecher der Uni Bielefeld, wo am 22. Juni das Campus Festival steigt. „Wir müssen die Lage immer neu bewerten und vor Ort zuschneiden."

„Die Sicherheit der Besucher und der Künstler ist für uns schon immer ein großes Thema", sagt Stephan Kipp, Manager der Stadthalle Bielefeld und der Seidensticker- Halle. „Bei einem Metal-Konzert ohne Bestuhlung brauchen wir mehr Personal als bei einem Comedy-Abend."

Nach den jüngsten Terroranschlägen wurden die Kontrollen noch einmal intensiviert. Kipp: „Es wird noch genauer hingesehen und im Einzelfall gesagt, dass große Taschen draußen bleiben müssen." Das ärgere manche Besucher, aber „Sicherheit geht immer vor".

„Wir haben unsere Investitionen in das Thema Sicherheit zuletzt stark erhöht", sagt auch Tim Santen, Sprecher von Arminia Bielefeld. Kommunikationswege seien verbessert und ein Sicherheitsbeauftragter eingestellt worden. „Es gibt in Bielefeld keine besondere Gefährdungslage, und es hat sie bisher nicht gegeben", sagt Santen.

Die Anschläge der vergangenen Monate können aber das subjektive Sicherheitsgefühl der Fans beeinflussen. Santen: „Da wir alle zwei Wochen ein Heimspiel ausrichten, sind wir in Sicherheitsfragen aber geübt." „Es spielt keine Rolle mehr, wie groß oder klein eine Veranstaltung ist, ob sie in Paris oder Bielefeld stattfindet. So ein Anschlag kann überall passieren", sagt Sascha Lipka von der Paderborner Firma ADU.

Der Ausdruck „Sprengstoffgürtel" sei früher im Kriegskontext genannt worden, jetzt gehöre er zum Vokabular der Sicherheitsberater. Besonders brisant seien Veranstaltungen mit TV-Übertragung. ADU hat kürzlich einen Vertrag mit der Gerry Weber World geschlossen. „Da sind wir einmal mehr sensibel, weil solche Events Tätern die größtmögliche Bühne bieten."

Kontrolliert werde nicht nur beim Einlass. Das Attentat von Manchester geschah, als viele Besucher nach Hause wollten. „In Hallen kommt es vor, dass das Personal ab einer gewissen Uhrzeit reduziert wird", sagt Lipka. Bei Freiluft-Events wie den Gerry Weber Open vom 17. bis 25. Juni sei das anders. Lipka plädiert dafür, dem geschulten Personal zu vertrauen. Wer kooperiert, ermögliche am Ende allen einen reibungslosen Besuch der Veranstaltung.

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