Herr Kuper, erst stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion und jetzt an der Spitze des Landtags – und das alles in nur fünf Jahren. Eine atemberaubende Blitzkarriere, oder?
André Kuper: Ich freue mich sehr über das Vertrauen, das Armin Laschet und die CDU-Fraktion mir mit ihrer Nominierung ausgesprochen haben.
Für uns Beobachter war es eine ziemliche Überraschung, für Sie selbst auch?
Kuper: Ja. Ich habe einen riesigen Respekt vor diesem hohen Amt. Vor diesem Hintergrund war mir bewusst, dass diese Entscheidung erst sehr kurzfristig gefällt und kommuniziert werden kann. Den Wunsch, dieses Amt zu übernehmen, habe ich ungefähr zwei, drei Monate vor der Wahl in einem Gespräch bei Armin Laschet geäußert.
Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe besonders?
Kuper: Die Möglichkeit, als Repräsentant des Landtags bei den Bürgerinnen und Bürger für das wertvolle Gut unserer Demokratie zu werben. Wer hat das Glück, tagtäglich für eine so gute Sache arbeiten zu dürfen? Wir erleben angesichts der international so unruhigen Zeiten doch, dass unsere offene, freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung alles andere als selbstverständlich ist.
Was unterscheidet die neue Aufgabe von ihrer bisherigen als Abgeordneter und Vize-Fraktionschef?
Kuper: Die Stellung außerhalb des Wettbewerbs der Fraktionen. Das eröffnet Möglichkeiten, Themen in Erinnerung zu rufen, die vielleicht weniger politisch, aber gesellschaftlich von hoher Bedeutung sind. Wir müssen als Landtag auch die leisen Stimmen hören, die keine organisierte Lobby haben: Die Kinder, die Familien, die Behinderten, die Arbeitslosen, um nur einige zu nennen.
Können Sie als Präsident des Landtags noch so für die Menschen in Ihrem Wahlkreis arbeiten wie bisher?
Kuper: Das ist mein Anspruch. Vielleicht wird manche Terminfindung etwas langwieriger, aber ich werde mich für die Anliegen der Menschen meines Wahlkreises weiterhin in Düsseldorf stark machen. Ich bin Landtagspräsident, weil ich Landtagsabgeordneter bin – nicht umgekehrt. Dessen bin ich mir bewusst.
Sie wollen Präsident des ganzen Landtags sein – auch für die AfD-Fraktion?
Kuper: Die AfD wurde von vielen Menschen in Nordrhein-Westfalen als Fraktion in den Landtag gewählt. Dieses Ergebnis haben auch diejenigen zu respektieren, die diese Partei ablehnen. Ich teile vieles nicht, was die AfD vertritt, aber es ist meine Aufgabe, Präsident aller Abgeordneten zu sein. Mir liegt etwas daran, dass wir im Landtag zeigen, wie politischer Streit würdig ausgetragen wird. Uns sollte das Ziel verbinden, alles zu unterlassen, das unser Land spaltet oder Ressentiments schürt.
Der Landtag und seine Debatten stoßen nicht immer auf großes öffentliches Interesse. Könnte es eine Aufgabe des Präsidenten sein, das zu ändern?
Kuper: Absolut. Ich will selbst hart daran arbeiten, den Menschen im Land zu zeigen, wie hart die Abgeordneten und Mitarbeiter im Landtag für sie und ihre Belange arbeiten. Wir sind als Landtag näher dran als andere Parlamente – darin liegt eine große Chance.