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Bielefeld

Fidget Spinner erobern Kinderzimmer in Deutschland

Bielefeld. Sie sind flach, etwa handtellergroß, bunt und haben drei Flügel mit Löchern: Fidget Spinner erobern deutsche Kinderhände. Zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten, lassen sich die Kreisel balancieren, wahlweise auch auf Knie, Nase oder anderen Körperteilen. Unzählige Videos mit Tricks finden sich im Internet. Ziel ist, den Schwung möglichst lange aufrecht zu erhalten.

Ein neuer Trend schwappt aus den USA nach Deutschland, etwa eine Million Euro Umsatz sollen die rotierenden Plastikstücke seit März gebracht haben, schätzt der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels, Willy Fischel.

Im Moment lassen die Händler die kleinen Scheiben sogar per Flugzeug einfliegen, weil die Schiffsladungen so lange auf sich warten lassen. „Wenn die Schiffe da sind, wird sich in Deutschland noch mehr drehen", prognostiziert Fischel.
„Im Vergleich zu Vorgängern wie Tamagotchi, Furby oder Slime entwickelte sich die Nachfrage bei Fidget Spinner in Lichtgeschwindigkeit."

Die Nachfrage ist so groß, dass es zu 
Lieferengpässen kam

Fidget bedeutet im Englischen so viel wie zappeln oder herumhampeln, Spinner leitet sich von „to spin", wirbeln oder kreiseln, ab. Die günstigsten Kreisel kosten zwischen vier und sechs Euro, es gibt aber auch ausgefallenere und teurere Ausführungen, etwa mit LED-Lichtern oder solche, die im Dunkeln leuchten.

Auch in Ostwestfalen-Lippe erfreuen sich die Kreisel großer Beliebtheit. „In der ersten Zeit waren sie ständig ausverkauft", sagt Helene Dridiger, die die Kreisel im Spielzeugwarenladen „Toys R Us" in Paderborn verkauft. „Kaum hatten wir sie bekommen, waren sie schon wieder weg. Jetzt haben wir aber wieder ausreichend Nachschub."

Im Bünder Spielzeugladen Sundermeier sieht es ähnlich aus. „Die Spinner gehen sehr gut, wir können die Nachfrage aber noch decken", so Inhaberin Angelika Sundermeier. „Die meisten Kinder sind zwischen 8 und 14 Jahre alt und es macht ihnen einfach Spaß."

Trendforscher Peter Wippermann hat eine weitere Erklärung für den Erfolg der kleinen drehenden Rotoren. „Es ist ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem man im Wettkampf miteinander steht, wer den Kreisel am längsten und schönsten drehen kann. Der Reiz besteht darin, sich zu messen."

Moden wie diese würden in den Alltag übernommen und spielten nach einigen Monaten keine große Rolle mehr. „Denken Sie an Hula-Hoop-Reifen oder Jojos – die Spinner sind eine neue Form dieser Spiele. Auch das Smartphone-Spiel „Pokemon Go" war so eine Mode."

Dass sie häufig aus den USA kommen, hänge mit der Vorreiterstellung des Landes in technischen Belangen zusammen. „Früher waren Filme und Kinos maßgeblich für die Entwicklung von Trends. Was man dort sah, übernahm man oft in den Alltag. Heute ist der Ort des Interesseweckens ein anderer: das Internet", so Wippermann.

Über soziale Medien und Plattformen wie Youtube verbreiteten sich Modeerscheinungen aus Nischen heraus in eine breitere Bevölkerung. „Schon Weihnachten werden sie aber nicht mehr die Rolle spielen, wie aktuell", prophezeit Wippermann.

Eine therapeutische Wirkung ist nicht nachgewiesen

Der Vorteil bei den Kreiseln sei, dass sie so klein sind, dass man zum Beispiel auch während des Unterrichts damit spielen kann. Einige Schulen haben die Kreisel allerdings bereits verboten, weil sie ablenkten.

Hersteller versprechen eine therapeutische Wirkung bei Aufmerksamkeitsdefizit- oder Hyperaktivitätsstörungen und zur Vorbeugung gegen Unruhe. Die Wirkung ist aber noch nicht wissenschaftlich belegt. Das Prinzip, unruhigen Händen etwas zum Kneten oder Drehen zu geben, ist nicht neu. Sogenannte Fidget Cubes (Fummel-Würfel) besitzen Rädchen, Knöpfchen und kleine Hebel, die den Händen Arbeit geben können.

In New York werden sogar Weltmeisterschaften um die besten Tricks ausgetragen. Für den ersten Platz gibt es ein Preisgeld von 2.500 Dollar.

Wie bei anderen Spielzeugen auch sollten Käufer auf die Qualität achten, etwa dem CE-Kennzeichen, einer Artikelnummer und dem Warnhinweis „Achtung, nicht geeignet für Kinder unter drei Jahren". Diese Daten sind auf der Verpackung oder direkt auf dem Spinner zu finden.

Information

Idee: Spielzeug für die Tochter

  • Erfunden hat den Kreisel Catherine Hettinger aus Florida.
  • Bereits in den 1980er-Jahren entwickelte sie aus verschiedenen Materialien ein Spielzeug für ihre Tochter.
  • Jahrelang hatte Hettinger sogar ein Patent darauf – das musste sie jedoch aufgeben, weil sie die jährliche Rate von 400 US-Dollar nicht mehr bezahlen konnte.
  • Der Spielriese Hasbro zog sein Interesse 2005 zurück, damit war das Projekt fürs Erste beendet, Hettinger profitiert finanziell nicht von dem aktuellen Hype.
  • Der britischen Zeitung The Guardian sagte die heute 62-Jährige aber, dass sie zufrieden sei, dass ihre Erfindung nun solchen Anklang finde. Die Popularität mache ihr Mut.
  • Nur etwa drei Prozent der angemeldeten Erfindungen zahlen sich für die Erfinder auch finanziell aus.

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