Bielefeld. „Wer soll einmal mein Unternehmen übernehmen?" – Diese Frage muss sich jeder Unternehmer einmal stellen. Und je früher das passiert, umso größer ist die Chance, einen geeigneten Nachfolger zu finden.
Dass das allerdings oft nicht der Fall ist, darauf verweisen die Experten von der Hypo Vereinsbank Volker Korn, Leiter des Firmenkundengeschäfts in Ostwestfalen-Lippe und Michael König, Leiter der Region Nord/West im Private Banking. Allein in Ostwestfalen-Lippe suchen laut Regionalstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder bis 2025 etwa 3.800 Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern einen Nachfolger.
„Gehen die Unternehmen das Thema nicht rechtzeitig an, kann das zu einem großen Problem werden", sagt Volker Korn. Unternehmensübergaben seien nicht nur für die betroffene Firma wichtig, sondern auch für die Region, da zahlreiche Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft auf dem Spiel ständen.
Der demografische Wandel heize das Thema zusätzlich an. Schon jetzt liege das Durschnittsalter deutscher Unternehmer bei über 50 Jahren und es gibt mehr Unternehmensverkäufer als Käufer. Dabei sei es natürlich einfacher, unabhängig von der Branche, eine Firma zu verkaufen, die gesund ist. Gebe es Probleme oder liege ein Investitionsstau vor, werde es schwer.
„Viele Unternehmer warten zu lange mit der Suche nach einem Nachfolger und unterschätzen die Zeit, die der Übergabeprozess in Anspruch nimmt", so Korn. Von der Suche bis zur eigentlichen Übergabe könnten zwischen fünf bis zehn Jahre vergehen. Dazu komme die persönliche Seite. „Es ist ein Thema, bei dem sehr viel Herzblut mitschwingt", verdeutlicht Volker Korn. Auch das mache die Angelegenheit einer Übergabe so komplex.Deshalb sei eine strategisch geplante und begleitete Übergabe wichtig.
Knapp über die Hälfte der Unternehmen wird familienintern übergeben. In 17 Prozent der Fälle wollen Mitarbeiter die Firma weiterführen und etwa 30 Prozent suchen einen externen Käufer. Ist ein Nachfolger gefunden, müsse noch die Finanzierung geklärt werden. Hier gebe es verschiedene Möglichkeiten. Ebenso für die Frage, was mit dem Verkaufserlös geschehen soll.
Ein großer Teil wird vererbt. Doch für viele Unternehmer spiele auch die langfristige Sicherung des Lebenswerks eine Rolle und einige möchten der Gesellschaft etwas zurückgeben. Das kann in Form einer Stiftung der Fall sein. „Stiftung ist ein Thema, das die Menschen sehr bewegt und sehr präsent ist", weiß Michael König aus seiner Erfahrung. Er stelle fest, dass der Beratungsbedarf deutlich zunehme.