Bielefeld. Kreative Stimmung herrschte, ab und zu ging es etwas chaotisch zu, und phasenweise war es wie in der Schule: Beim Regionalkongress OWL suchten 150 hochkarätige Amtsträger, Netzwerker und Fachleute nach Ideen und Konzepten für die Zukunft der Region. „Eine Denkwerkstatt für mehr Kooperation" lautete der Untertitel der Veranstaltung in der Bielefelder Stadthalle, und dies war zugleich der Arbeitsauftrag: Wo können die Lebensqualität und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Region durch Kooperationen verbessert werden?
Dabei gilt die Region zum Teil bereits als ausgesprochen kooperationsfreudig. Zur Vorbereitung des Kongresses war unter Federführung der Bertelsmann-Stiftung eine Umfrage unter 1.000 Vertretern aller gesellschaftlichen Bereiche durchgeführt worden. Das Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid fand heraus: Bei insgesamt 14 festgelegten Handlungsfeldern werden Kooperationen in den Bereichen Bildung und Wissenschaft, Mobilität, Fachkräftesicherung, Technologienetzwerke und Regionalplanung als besonders wichtig angesehen.
Während in Bildung und Wissenschaft (etwa „Campus OWL") sowie bei den Technologienetzwerken (etwa „OWL Maschinenbau") nach Meinung der Befragten in der Region schon ein beachtlicher Stand erreicht worden ist, scheint es bei Kooperationen zur Entwicklung des ländlichen Raums oder zur regionalen Mobilität erhebliche Defizite zu geben.
Günter Tebbe, einst Kämmerer in Herford und heute freier Berater der Bertelsmann-Stiftung, verweist darauf, dass im ländlichen Raum gerade durch die demografische Entwicklung und Wanderungsbewegungen vom Land in die Städte zunehmend Probleme sichtbar werden, die Kooperationen nötig machen. Das „Kernproblem" der ländlichen Entwicklung sei verknüpft mit anderen Handlungsfeldern wie der Gesundheitsversorgung (Stichwort „Ärztemangel auf dem Land") oder der regionalen Mobilität (Erreichbarkeit zentraler Einrichtungen).
„Voraussetzung für die Lösung der Probleme ist die Überwindung des Kirchturmdenkens", sagt Tebbe. Und Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl plädierte schon zum Auftakt: „Unsere Region ist immer dann stark, wenn wir zusammenhalten und über Kreisgrenzen hinweg zusammenarbeiten." Sie erinnerte dabei an Erfolge wie bei der Bewerbung um den IT-Spitzencluster (Its OWL) oder die „Regionale 2022". Einzelne Kommunen aber hätten im regionalen Konkurrenzkampf „keine Chance".
In mehreren „Dialogrunden" setzten sich die Kongressteilnehmer an (digital vernetzte) runde Tische, um sehr konkret über Möglichkeiten zur Zusammenarbeit in den 14 Handlungsfeldern von Bildung bis Kultur zu diskutieren: „Was wollen wir tun?" und „Wie wollen wir es angehen?", war gefragt.
Beispiel Mobilität: „Es gibt zu viele Organisationen in OWL, die sich mit Öffentlichem Personennahverkehr beschäftigten", sagte Ludger Siemer vom Verkehrsverbund OWL provokativ. Ein Gesprächspartner stimmte zu: „Versuchen Sie mal, von Höxter nach Detmold zu kommen!" Ein Lösungsansatz: Die großen Verbünde VV OWL und NPH (Paderborn) müssten enger zusammenarbeiten.
Beispiel Gesundheitsversorgung: Um die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen zu verbessern, könnten wieder „Gemeindeschwestern" eingesetzt werden, schlug die SPD-Landtagsabgeordnete Angela Lück vor. Der Einsatz mobiler Arztpraxen war eine weitere Idee.
Der Regionalkongress förderte eine Fülle kreativer Ansätze für Kooperationen zutage. Die Umsetzung muss folgen. Regionalrat, OWL GmbH und Bertelsmann-Stiftung haben sich viel vorgenommen.
Auftrag: Kooperationen anschieben
Reimar Molitor vom „Region Köln/Bonn e.V." (dem Pendant zur OWL GmbH) gewährte einen Blick über den Tellerrand.Während OWL durch starke Wirtschafts- und Technologie-Netzwerke glänze, sei Köln/Bonn stark in der Raumplanung.
„Wir haben Wachstumsschmerzen", so Molitor: Knappe Gewerbeflächen und hohe Wohnungsmieten seien Folgen. Sein Verein habe jetzt den Auftrag, Kommunen miteinander ins Gespräch zu bringen und Kooperationen konkret anzustoßen.
Die Zusammenarbeit zwischen Städten (Köln, Bonn) und Umland sei dabei ein wichtiger Aspekt.