Paderborn (JS). Wenn Toni F. (Name von der Redaktion geändert) in den Elternhäusern junger Mädchen auftauchte, war die Begeisterung groß. Der 20-Jährige bestach durch wohlerzogenes Auftreten. Doch während sich Mutter und Vater über die höfliche Ansprache freuten, erlebten Mädchen den Lippstädter als skrupellosen Erpresser, der nur seine sexuellen Begierden im Sinn hatte. Gestern verurteilte ihn das Landgericht Paderborn wegen Vergewaltigung in drei Fällen zu einer Jugendstrafe.
Toni F. muss für zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Die Masche war immer dieselbe: Der junge Mann tummelte sich fleißig auf Datingseiten und lernte junge Mädchen kennen. Vor allem via Mobiltelefon pflegte er innige Kontakte und schwatzte ihnen schnell äußerst freizügige Fotos ab. Diese nutzte er bei persönlichen Treffen, um von den Mädchen Sex zu erzwingen.
Er drohte, die Fotos ins Netz zu stellen oder willkürlich an andere, fremde Menschen weiterzuleiten. So schilderte jedenfalls eine 16-Jährige aus Münster der Polizei ihre Erlebnisse, für die der Lippstädter gestern verurteilt wurde. Die völlig verängstigte Schülerin hatte auf Anweisung von Toni F. sogar von sich selbst sexuell motivierte Filme gedreht, die dieser wiederum als Druckmittel einsetzte. Ähnliches berichtete eine junge Zeugin aus Lemgo, die vor zwei Jahren Toni F. auf den Leim gegangen war. Dieses Verfahren war allerdings eingestellt worden.
Beides sind wohl keine Einzelfälle. Denn Staatsanwältin Ilka Matthies führt gegen Toni F. weitere Ermittlungen. Sie geht von möglicherweise 50 anderen Frauen aus, die deutschlandweit auf ähnliche Weise Opfer des Angeklagten wurden. Toni F. ist übrigens nach Ansicht des Psychiaters Michael Hintersdorf voll schuldfähig. Zwar spielten Fantasien rund um Dominanz, Gewalt und Zwang in der Psyche des jungen Mannes eine große Rolle, sagte Hintersdorf. Krankheitswert habe das aber nicht. Toni F. agiere ausgesprochen zielgerichtet und hochmanipulativ.