Bielefeld. Die Namen der Loom-Mieter sind längst kein Geheimnis mehr. Allerdings fragen sich seit der Nachricht vom kurzfristigen Einzug des Modehauses SinnLeffers nicht nur Branchenkenner nach der Auslastung des neuen Einkaufszentrums.
Von aktuell 30 bis 40 Prozent Leerstand sprechen Insider. Viele Mietverträge seien bis heute noch nicht unterschrieben, wird behauptet. "Das ECE wird sich schwertun, eine vernünftige Struktur hinzubekommen", fürchtet ein Textilkaufmann.
Viele fragen auch, wie es dem Management möglich war, SinnLeffers so schnell eine oder mehrere Flächen anzubieten, und ob deswegen andere Mieter erst zu einem späteren Zeitpunkt einziehen können. Der Filialist wird während des Umbaus seiner Niederlassung an der Bahnhofstraße für ein Jahr im Loom unterkommen.
Von einem "Deal zwischen SinnLeffers und uns", spricht ECE-Leasing-Manager Sven Schwotzer. Das Modehaus sei längjähriger ECE-Partner. "Deshalb haben wir alles daran gesetzt, damit wir das hinkriegen." Weitere Details wollte er nicht nennen.
Zu 95 Prozent fest vermietet ist die Shoppingmall nach Auskunft des Centermanagements. Die Verträge seien unterschrieben und "die Tinte entsprechend getrocknet", sagt Manager Michael Latz. "Wir haben nur noch fünf Prozent Flächen, für die die entsprechenden Gespräche in den finalen Zügen sind."
Mit den Verhandlungen über die letzten Quadratmeter im Einkaufszentrum verfüge man über eine gewisse Flexibilität, "um weiter an dem perfekten Mieter- und Branchenmix feilen oder um auf aktuelle Chancen im Markt reagieren zu können".
SinnLeffers gilt in der Branche als Aufwertung des Einkaufszentrums. Mieter wie Primark, Pull&Bear und Bershka seien zwar bekannt, doch steigerten sie nicht das Niveau des Textilangebots. Als eine der wenigen Ausnahmen gilt die britische Marke Superdry, das ebenso zum höherwertigen Genre gehört wie G-Star. Diese in den Niederlanden beheimatete Jeansmarke verlässt nach fünf Jahren ihren Standort neben Café Knigge an der Niedernstraße und zieht ins Loom.
Hohe Mieten, die Rede ist von 100 Euro pro Quadratmeter, und langfristige Verträge über zehn Jahre sollen viele Interessenten vom Einzug ins Loom abgehalten haben. Zusätzlich abgeschreckt fühlte sich mancher auch von den Kosten für die Innenausstattung der Geschäfte.
»Viele haben schließlich abgewinkt«
"Viele, die angesprochen worden sind, haben schließlich abgewinkt", beschreibt es ein Textilhändler. In Zeiten, in denen der stationäre Modehandel Umsatzeinbußen von bis zu drei Prozent zu beklagen hat, zeige sich die Branche nicht unbedingt expansionsfreudig. Mit 14 Adressen ist die Mode (einschließlich Sportanbietern) im Bielefelder Loom deutlich unterrepräsentiert.
Stark aufgestellt ist dagegen die Genussbranche. Ihre Zahl ist mit aktuell 27 Versorgern nahezu doppelt so groß wie die der Bekleidungsläden. Über den Foodcourt mit 340 Plätzen verteilen sich etwa Kentucky Fried Chicken, Burger Bro, ein Pommesstand und weitere Betriebe. Dazu kommen an anderer Stelle die Nordsee, Mövenpick Marché, unterschiedliche Asia-Küchen (Lee&Lee und Zen Zen), Eisdielen, Cafés, Frischebars und ein Rewe-Supermarkt.
Noch vor seiner Eröffnung am 26. Oktober ist das Loom und seine Bedeutung für die Bielefelder Innenstadt das Thema zahlreicher Diskussionen. Während sich seine Befürworter auf mehr Frequenz für die gesamte Stadt freuen, sehen Skeptiker diese Auswirkung eher auf den Bereich der Bahnhofstraße begrenzt.
Gut zehn Monate nach dem Insolvenzantrag scheint der Fortbestand der Modekette SinnLeffers gesichert. Das Amtsgericht Hagen hob das Insolvenzverfahren offiziell auf, wie der Sprecher des Insolvenzverwalters gestern mitteilte. Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Göbel betonte in einer Mitteilung an die rund 1.300 Beschäftigten: "Dies ist der Start in eine stabilere Zukunft der SinnLeffers". Göbel sieht allerdings noch große Herausforderungen. Das Angebot der 20 Filialen soll stärker an die lokale Nachfrage angepasst und das Online-Standbein gestärkt werden. Außerdem ist die Erweiterung des Gastronomieangebots in den Filialen geplant. Göbel will sogar wieder expandieren, und zwar um eine bis zwei Filialen pro Jahr. Für 2018 sei mindestens eine Neueröffnung fest eingeplant. Das Unternehmen hatte im September 2016 wegen andauernder Verluste eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt