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Bielefeld/Düsseldorf

Sportlehrer fehlen an Grundschulen in NRW

Bielefeld/Düsseldorf. Der Sportunterricht wird an Grundschulen in Nordrhein-Westfalen immer häufiger von fachfremden Lehrern unterrichtet. Das berichtet die Rheinische Post, die eine entsprechende Anfrage an das NRW-Schulministerium stellte.

Demnach erlangten 2.993 von 9.277 Lehrern, die im vergangenen Jahr an einer Grundschule im Land Sport unterrichten durften, die Qualifikation erst berufsbegleitend. Lehrergewerkschaften fürchten nun, dass Quer- und Seiteneinsteigern die nötige Qualifikation fehlt.

„Um Kindern im Grundschulalter Freude am Sport zu vermitteln, ist grundlegendes Wissen über die entsprechende Methodik und Didaktik entscheidend", sagt Anne Deimel, stellvertretende Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE). Der Seiteneinstieg sei kein Allheilmittel.

Deimel fordert daher: „Statt mit ungelernten Kräften die Löcher zu stopfen, sollte die Politik die Zugangsvoraussetzungen zum Studium anpassen." Mit Aufnahmeprüfungen und Leistungsnachweisen in verschiedenen sportlichen Bereichen schrecke man die Kandidaten ab. Die Anforderungen für ein Sportstudium seien zu hoch. „Die Folge ist, dass potenzielle Kandidaten es vorziehen, über ihre Sportvereine oder berufsbegleitend über die Bezirksregierungen Qualifikation für den Sportunterricht zu erwerben", sagt Deimel.

Gleichzeitig geht die Zahl der angehenden Grundschullehrer, die an einer NRW-Hochschule im Fach Sport eine Zweite Staatsprüfung ablegen seit mehreren Jahren rapide zurück. Im Jahr 2011 wurden 237 Abschlüsse registriert, fünf Jahre später waren es gerade noch 100. „Gesicherte Erkenntnisse über den Rückgang liegen nicht vor", teilte das Ministerium mit.

Fakt ist jedoch, dass an den Grundschulen in NRW zurzeit mehrere Hundert originär ausgebildete Lehrkräfte fehlen. Das gelte nicht nur für das Fach Sport, so Deimel. Der Grund hierfür sei vor allem auf die steigenden Schülerzahlen zurückzuführen. „Der Beruf muss insgesamt attraktiver werden", erklärt Deimel. Eine gleiche Bezahlung aller Pädagogen sei ein wichtiger Schritt, auch in Richtung angemessener Wertschätzung.

Aufgrund des anhaltenden Mangels, werden Seiteneinsteiger auch in Zukunft benötigt, ist sich Berthold Paschert von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) in NRW sicher. „Es ist nicht absehbar, wann sich die Lage entspannt", sagt er. Die GEW befürwortet daher, dass der Ausbildungsanteil für Seiteneinsteiger erhöht werden soll.

In ganz NRW sind nach aktuellen Zahlen des Schulministeriums bis Ende des vergangenen Jahres 541 Seiteneinsteiger eingestellt worden. Diese würden dabei helfen, „die aktuelle Lehrerlücke zu schließen und Unterrichtsausfall zu vermeiden", sagt Schulministerin Yvonne Gebauer. Bundesweit haben mindestens 3.300 solcher Lehrkräfte ihren Dienst aufgenommen.

Die Stellensituation hat sich in NRW zuletzt zwar verbessert, die Lage bleibt aber trotzdem angespannt: Die Zahl der unbesetzten oder sich noch im Bewerbungsverfahren befindlichen Stellen ist laut Ministerium bis Ende 2017 auf 1.476 gesunken. Demnach ist etwas weniger als jede vierte Stelle im Land unbesetzt (bei einer Besetzungsquote von 76,4 Prozent).

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