Bad Salzuflen. Fast ein gutes Jahr hatte der Unternehmer Martin Kannegiesser (76) einen externen Manager gesucht. Doch der am 1. Januar angetretene Nachfolger im Chefsessel hat das Unternehmen wieder verlassen. „Es war ein guter Mann von einem namhaften Konzern, der auch menschlich in Ordnung war", sagt Kannegiesser bei der Hausmesse in Bad Salzuflen. Aber die Mentalität habe am Ende nicht gepasst. „Krisenmanagement ist nicht unser Thema. Der wollte Leute abbauen", sagt der Mittelständler, der den Hersteller industrieller Wäschereitechnik zum Weltmarktführer entwickelte und auch Krankenhäuser und Hotels zu seinen Kunden zählt.
"Sie müssen die Menschen mitnehmen"
Der Vlothoer, der heute Ehrenpräsident des Verbandes Gesamtmetall ist, betont: „Sie müssen die Menschen im Unternehmen mitnehmen." Er habe daraus nun eine Lehre gezogen: Künftig sollen jüngere Manager aus den eigenen Reihen für Führungsaufgaben herangezogen werden. Seit einigen Wochen leitet der bisherige Mitgeschäftsführer Engelbert Heinz (61), der seit 30 Jahren im Unternehmen ist, als CEO das operative Geschäft. Offiziell ist auch Kannegiesser noch Geschäftsführer. Aber als Vorsitzender der Familienstiftung wolle er nun das Feld für künftige Manager an der Spitze vorbereiten. Die zunehmende Technologisierung und Internationalisierung erfordere „junge Talente, die in Zusammenhängen denken können". Bereits 2014 hatte der Unternehmer alle Anteile in die Familienstiftung eingebracht und seine Tochter Tina (37) zur stellvertretenden Stiftungsvorsitzenden gemacht. Sie soll später seine Nachfolgerin werden und in der Stiftung die Unternehmensentscheidungen treffen. „Tina wird stärker im Team arbeiten als ich das kann. Das ist professionell."
Ein Roboter erkennt und sortiert jedes Wäscheatück
Das vor 70 Jahren von seinem Vater Herbert Kannegiesser gegründete Unternehmen, das in 54 Ländern aktiv ist, steigerte seinen Umsatz 2017 um 5 Prozent auf gut 400 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl wuchs auf 1.750 – davon arbeiten 800 am Stammsitz in Vlotho (Deutschland: 1.200). Ein in Minneapolis übernommener Produzent (rund 150 Mitarbeiter) werde nun mit der Vertriebstochter in den USA verschmolzen. „Von US-Strafzöllen sind wir bisher nicht betroffen", sagt Kannegiesser, der bewusst in Deutschland (sechs Standorte) produziert und Auszubildende auch in schweren Zeiten übernimmt. Lediglich in den USA und in England („für ein Produkt") gibt es noch je ein weiteres Werk.
Auf der Hausmesse zeigt Kannegiesser seinen Kunden bis Samstag in Halle 21 auch die jüngste Neuentwicklung: Ein Roboter, der sich aus einem Wäscheberg ein Tuch herausgreift und nach der Erkennung in den richtigen Behälter einsortiert – nachdem Farbe, Größe und Gewicht des Wäschestücks per 3-D-Kamera identifiziert sind. Im nächsten Jahr soll der Roboter im Markt eingeführt werden. Mit der weiteren Automatisierung lasse sich Personal sparen („In deutschen Wäschereien bekommen sie kein Personal mehr."). Die Verbindung von Maschinentechnik und Logistik, sprich die Verfügbarkeit der Wäsche, ist ein weiteres Thema der Hausmesse. „Krankenhäuser und Hotels brauchen ihre saubere Wäsche pünktlich." Der Mittelständler sieht sich durch die gute Konjunktur beflügelt. Der Markt der textilen Dienstleistungen wachse weltweit.
Am Sonntag feiert Kannegiesser das 70-jährige Firmenbestehen mit einem Familientag. „Man muss die Feste feiern wie sie fallen."