Bielefeld. Immer mehr ältere Menschen in Nordrhein-Westfalen werden gezielt von Betrügern abgezockt. Das geht aus der polizeilichen Kriminalstatistik des Landeskriminalamtes (LKA) hervor. Hatten die Täter 2016 so noch acht Millionen Euro erbeutet, waren es ein Jahr später schon 15 Millionen – fast eine Verdoppelung. „Das ist eine Tendenz und wir gehen davon aus, dass die Fallzahlen weiter steigen werden", sagt LKA-Sprecher André Faßbender.
Sprunghaft gestiegen ist nicht allein die Beutesumme, sondern auch die Zahl der Fälle an sich: 5.200 waren es 2016, ein Jahr später bereits 11.687. Davon blieben 4.220 (2016) sowie 10.632 (2017) Versuche. Nur geringfügig gewachsen ist die Zahl der erfolgreichen Delikte, in denen die Täter Beute gemacht haben. Sie stieg von 980 auf zuletzt 1.055. Faßbender warnt aber davor, sich nur auf diese Zahlen zu berufen, die Dunkelziffer sei hoch. „Wir gehen davon aus, dass sich viele Betroffene nicht melden."
Die Täter setzen dabei häufig auf Betrugsmaschen wie den Enkeltrick oder geben sich als falsche Polizisten aus. Nach offiziellen Angaben haben Betrüger in Niedersachsen durch letztere Methode allein in 2018 vier Millionen Euro erbeutet. Um an Wertgegenstände zu kommen, gaukeln die falschen Polizisten ihren Opfern am Telefon vor, sie würden von Einbrechern bedroht und sollten zu ihrer Sicherheit Geld und Schmuck abgeben. „Diese Masche klingt zwar lapidar, aber auf die Opfer wird ein hoher Druck ausgeübt", sagt Faßbender über die Täter, die meist mittels ausländischer Callcenter operieren.
Auf ältere Menschen zugeschnitten ist auch der Enkeltrick. „Dabei rechnen die Täter damit, dass die Opfer betagter sind, etwas Geld zur Seite gelegt haben und ihren angeblich in Not befindlichen Angehörigen helfen wollen", erklärt Frank Neubacher, der das Institut für Kriminologie an der Kölner Universität leitet. Die bestehende Infrastruktur von Kommunikation biete so Gelegenheiten für Täter, sagt der Wissenschaftler.
Das bestätigt LKA-Sprecher Faßbender. „Ältere Leute sind zu Hause telefonisch gut zu erreichen, weil sie sich da sicher fühlen." Umso stärker ist der psychische Schaden, wenn die Betroffenen im vermeintlich sicheren Raum hinters Licht geführt werden. „Das muss schlimm sein. Es bedeutet nicht nur einen massiven Vertrauensverlust, die Opfer sind auch finanziell oft ruiniert", erklärt Faßbender, der in NRW von einem negativen Höhepunkt mit Beute im sechsstelligen Bereich spricht. Auch deshalb dürfte die Zahl der Betrugsfälle künftig eher zu- als abnehmen. Die Maschen sind für Täter lukrativ und simpel.